Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 5.1887

Seite: 330
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Dr. Theodor Frimmel und Joseph Klemme.

Wappen: Durch zwei Längs- und eine Querlinie in sechs
Plätze getheilt, mit aufgelegtem Mittelschild und eingeschobener
Spitze. I. quartirt. I) und 4) in G. drei r. Binden (Fernan-
dez de Cördoba). 2) und 3) in R. ein g. Castell (Carrillo).
11. gespalten. Vorne: I) in S. ein # Schrägbalken (Zufiiga, die
g. Kette fehlt). Hinten: 2) in B. drei g. Kessel übereinander
(Nunez de Herrera, ganz missverstanden; es sollte sein: In B.
zwei g. Kessel übereinander, innerhalb eines r. mit acht g.
kleinen Kesseln belegten Randes). III. gespalten. Vorne:
I) vierfach quergestreift, von Castilien und Leon. Hinten: 2) in
B. drei g. Kessel übereinander. (III ist ebenfalls missverstan-
den, es sollte Manrique de Lara vorstellen, nämlich in R. zwei
g. # quergestreifte Kessel übereinander innerhalb eines von
Castilien und Leon gestückten Randes.) IV. quartirt. 1) und
4) gespalten, von Castilien neben Leon. 2) und 3) in B. be-
säet mit g. Lilien (Frankreich). (IV bildet das Wappen der
la Cerda.) V. gespalten. Vorne: 1) schrägquartirt, Gr. und
G., in Gr. je ein r. Schrägbalken g. eingesäumt (Hurtado de
Mendoza). Hinten: 2) in G. fünf ins Schrägkreuz gestellte gr.
Feigenblätter (Figueröa). VI. in R. zwischen zwei Thürmen
eine eingeschobene s. Spitze belegt mit purpurnen Löwen
(Henriquez). In V eingeschobene Spitze: In S. ein wach-
sender b. Mann. (Eigentlich ein König, mit g. Kette gefesselt.)
Mittelschild: In G. drei r. Binden (Fernandez de Cördoba).
Der ganze grosse Schild ist mit einem vierzehnfach von Casti-
lien und Leon gestückten Rande eingefasst und unten von
zweiundzwanzig im Halbkreis gestellten verschiedenfarbigen
Fähnlein umgeben. Hz. aus g. Krone ein aus natürlichem
Feuer wachsender # Adler. D. r. g.

Das vorliegende Wappen, wohl das complicirteste der ganzen
Serie, lässt sich folgendermassen erklären: Feld I enthält das väter-
liche Stammwappen, nämlich Fernandez de Cördoba und Carrillo.
Dona Maria Carrillo heiratete Don Diego Fernandez de Cördoba,
ersten Grafen von Cabra, Marschall von Castilien, obersten Alguazil
von Cördoba. Beider Sohn, Don Diego IL, zweiter Graf von Cabra,
nahm bei der Schlacht von Lucena 21. April 1483 den König von
Granada Abu Abdallah ibn Mulcy Abu! Hassan (corrumpirt » Boabdil k)
gefangen und erhielt deshalb die Wappenvermehrung: ein blauge-
klcidctcr König, der mit einer g. Kette gefesselt ist, im silbernen
Felde (daher der b. Mann in der in V eingeschobenen Spitze). Er
heiratete Dona Maria de Mendoza, des ersten Herzogs dcl Infantado
Tochter, und diese Heirat ist durch die erste Hälfte des Feldes Nr. V
symbolisirt. Der Sohn aus dieser Ehe war Don Diego III., dritter Graf
von Cabra. Er vermählte sich mit Dona Francisca de Zufiiga, welche
den Don Diego de Zufiiga, Herrn von Traspinedo, genannt »Gold-
herzog <(, und Dona Juana de la Cerda, Erbin des Majorates Villoria, zu
Eltern hatte. Aus diesem Grunde ist das Wappen Zufiiga in der ersten
Hälfte des Feldes II und das des erlauchten Hauses der la Cerda im
Felde IV wiedergegeben. In der rechten Hälfte des grossen Wappen-
schildes sind somit die väterlichen Ahnen durch ihre Wappen vertreten.
In der linken Hälfte erscheinen nun die mütterlichen Ahnenwappen.
Don Diego III. und der Dona Francisca de Zufiiga Sohn war Don
Luis, vierter Graf von Cabra. Er heiratete Dona Elvira, die Erb-
tochter des »grossen Capitäns«. Dieser berühmte Feldherr war ein
jüngerer Sohn der Fernandez de Cördoba aus der Linie zu Aguilar.
Er ist durch den Mittelschild, sowie durch den Helm, dessen Adler
(aguila) auf den Namen des Hauptbesitzes Aguilar anspielt, vertreten.
Seine Mutter war Dofia Elvira de Herrera, deren ganz irrig wieder-
gegebenes Wappen die zweite Hälfte des Feldes III bildet. Dieser
Dofia Elvira Mutter, Dofia Bianca Henriquez stammte aus diesem
hochberühmten Hause, von welchem schon beim Ritter Nr. i58 die
Rede war Das Wappen Henriquez erscheint denn auch im Felde VI.
Der grosse Capitän heiratete Dofia Maria, Tochter von Don Fadrique
Manrique de Castilla und der Dona Beatriz de Figueröa aus dem
Hause Feria. Deshalb finden wir die Wappen Manrique (welches
beim Ritter Nr. i55 näher besprochen worden ist) im Felde III
(hier allerdings entstellt) und Figueröa in der zweiten Hälfte des
Feldes V. Der den ganzen Schild umgebende, aus abwechselnden
Feldern von Castilien und Leon zusammengesetzte Rand ist dem
Wappen der Manrique entlehnt, welche ihn infolge ihrer mehrfachen
Heiraten mit Königstöchtern angenommen hatten.

[214]

Monseigneur Charles parkt grace de dieu prince
Des Espagnes.

Don Carlos de Austria, Prinz von Asturien, Infant von
Spanien; — geb. zu Valladolid 8. Juli 1545 als Sohn von Don
Felipe II. (Chef und Souverain Nr. VI) aus erster Ehe; — er-
hält das Collier 24. September 155g, 1560 von den Cortes
als Prinz von Asturien anerkannt, Mitglied des Staatsrathes,
16. Jänner 1568 als Staatsgefangener in Haft genommen; —
t 24. Juli 1568, begr. in Madrid (San Domingo), dann über-
tragen nach dem Escorial.

Wappen: Wie sein Grossvater Karl V. (Chef Nr. V).

[217]
Messire Charles baron de Berlaymont.

Karl erster Graf von Berlaymont, Baron von Hierges,
Peruwelz, Beauraing, Herr von Floyon und Haultepenne; —
geb. 1510 als Sohn von Michael von Berlaymont, Herrn von
Floyon und Haultepenne und der Maria Jamben von Barault,
des Johann Herrn von Barault (in Gascogne) und der Marga-
reta von Promeliac (Preuillac?) Tochter; — Mitglied des Staats-
rathes, 8. September 1554 Statthalter, Oberster Bailli, General-
capitän und Grossjägermeister von Namur, erhält das Collier
zu Antwerpen 29. Jänner 1556, Mitglied des Staatsrathes und
Oberster Chef der Finanzen, 1567 Mitglied des Rathes der Un-
ruhen, 1574 zum Grafen von Berlaymont erhoben, vom 4.Sep-
tember 1576 bis 19. Jänner 1577 gefangen; — f zu Namur
4. Jänner 1578, begr. daselbst (Franziskaner); — verm. mit
Hadriana von Ligne (Schwester des Ritters Nr. 206), f 1563,
begr. zu Berlaymont.

Wappen: Sechsfach quergestreift, Feh R., mit einem r.

Rande. Hz. aus g. Krone wachsender g. Löwe, eine zwei-

wimpelige, dreizehnfach senkrecht von Feh und R. gestreifte

Fahne haltend. D. b. s.

Den rothen Rand hat diese Linie nach dem Aussterben der
älteren Berlaymont weggelassen.

[218]

Messire pfile de stauele baron de Haueskercke
seigneur de glazon.

Philipp von Stavele, Baron von Chaumont und Haves-
kerke, Herr vonGlajon, Estaires und Emelghem; — geb. 1513
als Sohn von Jodocus von Stavele, Herrn vonGlajon und Chau-
mont und der Johanna von Ligne (Vatersschwester des Ritters
Nr. 206); — Rath und Kämmerer des Kaisers, Oberstmund-
schenk der Königin von Ungarn, kaiserlicher Feldzeugmeister,
zeichnet sich vor Tunis aus, dann Gouverneur von Cassel und
Mitglied des Staatsrathes, erhält 20. Jänner 1556 zu Antwerpen

das Collier; — f 26. December 1562, begr. zu Estaires; __

verm. 1556 mit Anna Reichsfreiin von Pallant, Gräfin von Her-
lies, Frau von Bassee, Pont d'Estaires und Fresnoy, Tochter
von Erhart Reichsfreiherrn von Pallant und Witthem Herrn
zu Borsselen, Wildenburg, Engelsdorf und Cuylemburg und
der Margareta von Lalaing (einer Tochter des Ritters Nr. 117),
lebt noch 1604.

Wappen: In Hermelin ein r. Schrägbalken. Hz. ein
Mohrenkopf mit weisser Kopfbinde zwischen s. Flug. D. r. s.

[219]

Messire charles de brimeu conte dc meghem.

Karl von Brimeu, Graf von Megem, Baron von Wesemael

und Herr von Humbercourt, Erbmarschall von Brabant; —

geb. 1514 als Sohn von Eustach von Brimeu, Grafen von

Megem, Marschall von Brabant (Sohn des Ritters Nr. 76) und

Fol. 118.
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