Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 24.1909

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Fr. W. von Bissing, Die Darstellungen auf den Gefäßen von Egyed.

nischen Meisterschaft hat er diese Elemente zu einem geschlossenen, einheitlichen
Ganzen verarbeitet ! Darin eben bekundet sich seine hohe Begabung und sein außer-
ordentliches Können.
Wodurch die Ornamentik unserer Gefäße sich von der kleinasiatischen unter-
scheidet: ihre streng tektonische Anordnung, die rigorose Scheidung zwischen
Ornament und Bild, das Ausschließen des phantastisch-naturalistischen Elementes,
das sind alles Züge, die für die attische Dekorationskunst im Gegensätze zur ionischen
schon vom 5. Jahrhundert an charakteristisch sind. Attika hat gegen die natura-
listischen Bestrebungen der kleinasiatisch-ionischen Kunst immer einen harten
Kampf geführt39). Das kann an der Entwicklung der Grabstelenakroterien leicht
gezeigt werden. Auch an den Vasen von Egyed ist noch immer dieser von strengem
Stilgefühl und klarem tektonischen Sinn beherrschte attische Kunstgeist tätig.
Nicht nur an den plastischen, sondern auch an den toreutischen Werken kann also
bewiesen werden, daß die Kunst Alexandriens eigentlich nichts anderes ist als eine
Fortbildung des griechisch-attischen Kunststiles.
Budapest. A n t 0 n Hehler.

NACHTRAG.
DIE DARSTELLUNGEN AUF DEN GEFÄSSEN VON EGYED.
Wenn ich auch nicht in allem einzelnen den obigen Ausführungen Hehlers
beipflichten kann, so scheint er mir darin unbedingt recht zu haben, daß die beiden
Gefäße von Egyed alexandrinische Originale aus der ersten Ptolemäerzeit sind.
Mit Recht hat Hehler die Formenstrenge, den nahen Anschluß an attische Werke
des 4. Jahrhunderts betont und den Gegensatz zur augusteischen Kunst, in der er
aber doch das Fortleben mancher hier vorhandener Elemente nicht verkennt. Ich
bin geneigt, die Entwicklung, die zur augusteischen Kunst führte, zum guten Teil
wenigstens auch in Alexandria sich abwickeln zu lassen, aber erst in der späteren
Ptolemäerzeit. Daß neben Alexandria Kleinasien eine selbständige Rolle spielte und
auf Rom stark einwirkte, ist gewiß.
Doch sei dem, wie ihm wolle, sicher ist, daß auch die ägyptischen Elemente in
einer Reinheit vorliegen, die sich nur an einer echten, und zwar frühptolemäischen
Arbeit denken lassen. Bei der Pfanne tritt das weniger hervor; dennoch darf man
auch für ihr Innenbild auf altägyptische Vorlagen verweisen: das Nilpferd mit dem
Krokodil im Maul, die Vögel auf den Blüten der Sumpfpflanzen gehören zum

39) Furtwängler, Samml. Sabouroff I Einl. S. 7 ff.
Sehr wichtig für die Beurteilung der Frage, wie
das phantastische Element in die ornamentale
Kunst Attikas eindringt, ist der Sessel, der im
Jahre 1834 in der Vorhalle des Parthenons ge¬

funden wurde. Zu beiden Seiten Greife, die in
Rankenspiralen enden; an der Rückseite in der
Mitte eine Mädchenfigur, von der nach beiden
Seiten Akanthusranken abzweigen.
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