Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 24.1909

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B. Schulz, Die Porta aurea in Spalato.

Andererseits vergleiche man die Darstellungen von Kom esch Schukafa und
den römisch-ägyptischen Denkmälern, die dort in Schreibers Werk zusammengestellt
sind: wie verwildert sind da alle Formen, wie viel näher stehen diese Malereien und
Reliefs den Vorlagen der pompejanischen Künstler. Und wenn die Reliefs des Haupt-
grabs selber noch vergleichsweise viel rein ägyptische Elemente vereinigen, wie
entartet ist doch auch diese Kunst, verglichen mit der Kanne von Buda-Pest !
Neben diese kann man noch ohne Scheu die Bilder der Takuschit und ähnlicher
V erke stellen, die ja in der gleichen Technik ausgeführt sind. Diese Technik ist gleich-
falls eins der nationalägyptischen Elemente in der Kanne von Egyed. Sie läßt sich,
wie ich ein andermal zu zeigen hoffe, bis an den Anfang des neuen Reichs zurück-
verfolgen; vielleicht ist sie sogar noch älter.
So bestätigt die Analogie der ägyptischen Darstellungen aufs schönste die
Ergebnisse der Untersuchung Heklers: die Kanne von Egyed kann nur in der
ersten Ptolemäerzeit entstanden sein; wie wenig andere Kunstwerke ist sie ein Zeug-
nis für die Verbindung griechischer und ägyptischer Kunst in jenen Tagen, die zu
keiner Vereinigung geführt hat, wohl aber gelegentlich bei besonders kostbaren
Werken wie diesen zu einem gefälligen Nebeneinander.
F r. W. von B i s s i n g.

DIE PORTA AUREA IN SPALATO.
Der großartige Palast, den sich Diocletian als Ruhesitz bei seiner Thronent-
sagung in seiner Heimat Dalmatien am Strande des Meeres bei Salona errichtete
und aus dem die heutige Stadt Spalato entstanden ist, nimmt in der Entwickelungs-
geschichte der Baukunst eine eigentümliche Stellung ein und beschäftigt namentlich
in neuester Zeit die Forschung wieder eifrig. Einer von den uns erhaltenen Bauteilen
des Palastes, das Haupteingangstor auf der Nordseite, die sogenannte Porta aurea,
wird wegen der Neuheit des daran angewandten Dekorationsmotivs der Blend-
arkade in allen Lehrbüchern der Baugeschichte angeführt, ist aber trotzdem meines
Wissens bisher nie wirklich vollständig verstanden und richtig erklärt worden. Das
soll im folgenden versucht werden.
Die Toranlage besteht aus einem rechteckigen Zwinger mit einem inneren und
einem von zwei achtseitigen Türmen flankierten äußeren Tor. Davon hat nur die
äußere Torwand zwischen den Türmen eine eigentümliche architektonische Aus-
bildung erhalten, alles übrige ist ganz schlicht und schmucklos geblieben. Die Aus-
schmückung besteht abgesehen von der Tür in zwei Nischen neben deren Sturz und
einer Blendarkade darüber (Abb. i). Die Tür selbst hat eine lichte Breite von 3,56 m.
Da sie stark verschüttet ist, ist ihre Flöhe ohne Grabung nicht festzustellen. Ihre
Konstruktion weicht von der sonst üblichen ab. Ohne besondere Gewändepfosten
ist die Türöffnung in die Quadermauer eingeschnitten, und der Sturz, der nicht
durch die ganze Tiefe der Mauer reicht, ist als scheitrechter Bogen aus Hakensteinen
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