Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 24.1909

Page: 224
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jdi1909/0236
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
224

W. Dörpfeld, Zum Dionysos-Theater in Athen.


Es waren vielmehr Quadern da hinein gesetzt, die die Rippen innerer Ver-
stärkungen bildeten. Man hatte bemerkt, daß die Rückwand trotz ihres großen
Mittelpfeilers doch nicht fest genug war, daher mußte man nachträglich noch andere
Maßregeln treffen, um die Wand zu stützen; und man verstärkte sie durch kleinere
Strebepfeiler, die organisch mit der Wand verbunden wurden. Wäre diese Verstär-
kung gleichzeitig mit der Erbauung der Rückwand vorgenommen worden, so würde
man gewiß wie bei dem großen Mittelpfeiler verfahren sein, dessen Quader-
schichten zum Teil abwechselnd in die Wand eingreifen.
Auf diese Verstärkungen ist auch zu beziehen, daß das Stück der Breccia-
wand, das den drei westlichen Einschnitten entspricht, in den zwei obersten Schichten
um etwa 0,20 m schmäler gemacht ist, zur Abtreppung für das Ineinandergreifen
der Quadern, wodurch man eine feste, wenn auch künstliche Verbindung erreichte.
Ich möchte die Verstärkungen der Zeit Lykurgs zuschreiben. Zwischen der
Errichtung des ersten alten Oberbaues, den wir uns natürlich viel einfacher denken
müssen, und der lykurgischen Zeit ist ein großer Zeitraum verflossen, und in einem
erdbebenreichen Lande wie Attika ist wohl möglich, daß der Bau stark gelitten hatte.
Da aber Lykurg nicht bloß den Oberbau vervollständigte, sondern auch vieles änderte
und neu hinzufügte, mußte er bei diesem Anlaß auch die nötigen Maßregeln treffen,
um die Festigkeit des Oberbaues zu sichern. Derselben Zeit gehören auch wohl
außer den skulptierten Teilen alle Bauglieder mit dem Schutzsteg und die sonst
unvollendet gebliebenen an. Das große Geison dagegen muß man wegen seiner aus-
gezeichneten Ausführung wie alle feineren Stücke des dorischen Gebälkes dem
älteren Bau zuschreiben.
Athen. Fr. Versakis.

ZUM DIONYSOS-THEATER IN ATHEN.
Die vorstehende Arbeit von Fr. Versakis in Athen habe ich leider erst hier
in Berlin durch den Herausgeber des Jahrbuches und erst nach dem Abschluß des
Druckes kennen gelernt. Hätte der Verfasser selbst mir früher in Athen davon
Kenntnis gegeben, würde ich ihn vor mehreren Irrtümern, die jetzt seine Arbeit
entstellen, haben bewahren können. Schon seit Jahren habe ich selbst eine neue
Veröffentlichung über das Dionysos-Theater geplant, weil seit dem Erscheinen meines
Buches über das griechische Theater (1896) ich selbst naturgemäß manche neue
Beobachtung an den Ruinen gemacht habe und auch mehrere Fachgenossen, wie
Flaigh, Puchstein, Furtwängler, Petersen usw., mehr oder minder wertvolle Beiträge
zur Aufklärung der Ruinen geliefert haben. In der geplanten Veröffentlichung soll
eine ausführliche Besprechung der Arbeit von Versakis erfolgen. Idier mögen nur
einige Bemerkungen auf Wunsch des Herausgebers veröffentlicht werden:
I. Die Ergänzung der neronischen Skenenfassade zu einer zweigeschossigen
Dekorationsarchitektur scheint mir richtig. Ich selbst habe sie früher nicht gewagt,
loading ...