Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 24.1909

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P. Wolters, Bemalte Grabstele aus Athen.

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gleichmäßig nach innen zusammenrollend, eine jetzt ganz weiße Linie, welche in die
ebenfalls weiß erscheinende schmale Umrahmung des roten Mittelknopfes der Volute
einmündet. Vermutlich war auch diese Umrahmung und die mit ihr zusammen-
hängende jetzt weiße Schneckenlinie ehemals blau, und der zwischen ihren Windungen
liegende Streifen ungefärbt. Wie die Verzierung des Henkels weiter nach unten
verlief, ist nicht mehr zu sehen; man darf vermuten, daß die schmale — vielleicht
blaue — Linie am äußeren Rande des Henkels herablief, um im unteren Henkelansatz
wieder eine kleine Schnecke zu bilden, während die rote Linie in entsprechender
Entfernung ungefähr parallel mit ihr in dieselbe untere Schnecke hinein verlief.
Der kleine eckige plastische Vorsprung, den der Henkel über dieser unteren Volute
nach rechts hin macht, ist im Marmor etwas abgeschrägt -—- den dadurch entstehenden
Schatten deutet die dunklere Tönung in der Abbildung hier an — und über seine
etwaige Färbung ist nichts mehr zu sagen. Auch das ist zunächst unklar, ob der übrige
Teil des Henkels weiß war, oder irgendwie gleichmäßig gefärbten Grund zeigte.
Wenn wir aber bedenken, daß in der oberen Volute sich die besprochenen schmalen
Schneckenlinien farbig vom weißen, ungefärbten Grunde abhoben, und schwer vor-
zustellen ist, wie dieser Teil gegen die weiter unten und innen liegenden Teile des
Henkels organisch abgegrenzt werden könnte, so wird man sich den ganzen übrigen
Grund des Flenkels weiß vorstellen. Das paßt auch dazu, daß ja dieser Volutenhenkel
eigentlich nicht in seiner ganzen Ausdehnung fest geschlossen sein, sondern nur mit
der oberen und unteren Volute am Gefäß ansitzend dazwischen freien Raum lassen
sollte 2).
Die geringen roten Farbreste am Halse der Lutrophoros können von dessen
Musterung herrühren; beliebt ist dafür ein Schuppenmuster (z. B. Conze III Taf. 283;
284; 373; 374). Deutlich treten dann wieder auf der Schulter die Umrisse des Orna-
mentes hervor; es war ein fallendes Blatt (wie Conze III Taf. 283; 367; 368), und zwar
mit hellem Rand, aber bunter Füllung der Blätter und des Grundes. In dem darunter
freigelassenen horizontalen Streifen darf man nach den Analogien (Conze III Taf. 283;
367 ff.) ein Flechtband oder etwa auch ein Schuppenmuster vermuten. Spuren sind
hier nicht erhalten. Deutlich hebt sich aber durch die dunklere Farbe des Marmors
die obere und untere Begrenzung des einst ganz weißen Streifens ab, der die Namen
der beiden Dargestellten, IIapap.60tov und OstoGor^, die Buchstaben natürlich durch
Farbe hervorgehoben, trug. Von den Gestalten beider ist in dem Felde darunter
nur ein heller Schimmer auf dem halbdunkeln Grunde geblieben, aber es ist nicht
einmal zu sehen, ob die eine der Personen etwa saß. Daß diese sich aber dunkel,
farbig von hellem Hintergründe abhoben, ist wohl klar, und sicher scheint auch,
daß dieser helle Flintergrund technisch anders behandelt war als der ganz ungefärbte
und darum nachgedunkelte Inschriftstreifen. Dieselbe Verschiedenheit zeigt sich
auch an dem schmalen Bande über dem Inschriftstreifen. Wenn wir als Grundgedanken
festhalten, daß der Marmor, je besser er durch Farbauftrag geschützt war, desto

2) Es genügt, hierfür auf Beispiele wie Conze, Grab-
reliefs II Taf. 120, 658; Taf. 137, 660; III Taf. 283;
285; 286, 1359; 373 (wo die eingeflochtene Tänie

beweist); II Taf. 195, 1006; Taf. 216, 1062;
III Taf. 284; 368 hinzuweisen.
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