Kunst- und Denkmalpflege in Schlesien: Niederschlesien — 2.1939

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Wolfgaug Bleyl

Silberberg, die PaJßfestung Schlesiens

Gewaltig ist die Leistung, die sieh dem forschenden Auge auf dem
Eulengebirgspasse von Silberberg offenbart. Ein Meisterwerk der
Kriegsbaukunst, dessen Wurzeln bis zu Albrecht Dürers voraus-
schauenden Plänen zurückreichen.

Die Wiederentdeckung dieses friderizianischen Bauwerkes bedeutet
das Einsetzen des Schlußsteins in das alle Wissensgebiete umfassende
Gewölbe der Wesensart Friedrichs des Großen. Wo lesen wir etwas
über den König als Festungsbaumeister? Wer von den Deutschen im
Reich weiß, daß zu der Zeit, als die reizenden Lustschlösser im Barock-
und Rokokostil in Europa entstanden, von Friedrich dem Großen zur
Sicherung seiner neu eroberten Provinz Schlesien mächtige Basteien
am Rande der Grafschaft Glatz aufgetürmt wurden, deren gespensti-
sche Ruinen endlich völliger Vergessenheit entrissen werden?
Silberberg ist der Lage und Geschichte nach ein Glied in der Schick-
salsgemeinschaft der Grafschaft Glatz, die seit grauer Vorzeit als
Pforte Schlesiens im Sudetenkamme Durchmarschgebiet der Völker-
stämme bildete. Grafschafter Geschichte bedeutet ständigen Kampf
um deutschen Ostraum.

Zur Zeit der Völkerwanderung kämpften Kelten und Wandalen und
um das Jahr 1000 Polen und Böhmen um den Grafschafter Gebirgs-
kessel. Im Jahre 1241 brachen Horden der Mongolen und 1419 bis
1456 die Hussiten durch die Pässe der Sudeten. Am 21. Mai 1655 er-
richtete Wallenstein sein hager in Silberbergs Nähe, einem Städtehen,
das 1570 von Bergleuten aus der Markgrafschal'l Meißen gegründet
wurde.

Erst in den drei Schlesischen Kriegen besiegelte Friedrich der Große
im Kampfe mit den Österreichern endgültig das Schicksal Schlesiens
und der Grafschaft Glatz. Im Jahre 1765 wurde auch Silberberg
durch den 11uberiusburger frieden preußisch.

Aus dieser tausendjährigen Geschichte erklärt sich die große Be-
deutung der Grafschaft Glatz und damit Silberbergs für das gesamt-
deutsche Schicksal.

Nur 14 km von der böhmischen Grenze entfernt, bildete der Silber-
berger Paß (540 m Seehöhe) als ausgebaute österreichische Geschütz-
stellung einen ständigen Gefahrenherd für die preußischen Truppen.
Durch die Erfahrung der langen, schweren Kriegsjahre und die
darin gewonnenen festungstechnischen Erkenntnisse bestärkt, ent-
schloß sich Friedrich der Große im Jahre 1765, also erst nach dem

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