Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 5.1852

Page: 1
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1852/0001
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

^ L.


Neujahrs
Akbizebnbundert zw eiund fünfzig!
Dick zu grüßen war rerbolcn —
Weil noch damals die Zukunft sich
Wölbte zun, Gespenst, den, rothen!
Deiner damals, sturm- und drangrcich,
Sich zu freuen war erlaubt nicht,
Weil des demokratische Frankreich
Damals balle noch kein Haupt nicht!
Anders ist das jetzt geworden:
Jeder Schwindel ist dort aus!
tzouiS ließ die Bummler morden —
Dank Dir, bcil'ger Nikolaus!
AuSgcfeqt ist jeder Winkel:
Jeder Nolbc machte weg sich;
K offulk spielt fidel mit Kinkel
In Ncw-?Iork jetzt Sechsundsechzig.


Gruß.
Froh sind alle Gutgesinnten;
Nur mit unbeilschwangcrn, düster»
Mienen bört man leis dort hinten
Gothas Söbnc ängstlich flüstern:
„Nab ist'S von Calais nach Dover;
l'ouiö ist ein Abenteurer,
Und der Rothspobn in Hannover
Wird auch bald vier Groschen thcurer!
Und aus solchem faulen Grunde
Soll n wir Staatsgcbäude bauen!
Sollen selbst zu dieser Stunde
Jmmcr prcd'gcn noch: Vertrauen!" —
Maul gehalten! Deutschlands würdig
Seid Ihr nur, wißt Ihr zu dulden!
Zweiundfunszig k revanchir dich'
Und bezahle uns re Schulden;
Kladderadatsch.

Humoristisch-slltyrisches Wochenblatt.

Dieses Blatt erscheint täglich, mit Ausnahme der Wochentage. — Man abonnirt mit 17'^ Sgr. vierteljährlich bei allen Buchhand-
lungen sowie bei den König!. Postanstalten deS In- und Auslandes. Jede einzelne Nummer kostet 1'^ Sgr. Die Ncdaction.

Unser Programm für das Zahr 1852.

Freiheit! Gleichheit! Mdertichkeit!
Bürger!
Ein gemeines Jahr ist abgetha»! Ein neues Jahr hat sich an die Spitze der Bewegung gestellt und mit unwider-
stehlicher Gewalt die Zügel der Herrschaft ergriffen. Fügen wir uns dem b'ait »ccompli!
Die Bedürfnisse der Gegenwart sind gedeckt. Der Hauswirth ist vertröstet. Die Pfandscheine sind
prolongirt. Alte Schulden sind vergessen, andre bereits gemacht. Neue Schneider sind gewonnen, und
fremden SchusterS ungewohnter D^ruck preßt blut'gc Thrän' auS frischem Hühnerauge.
Die Bedürfnisse der Gegenwart sind gedeckt — denken wir an die Zukunft!
In TodeSkrämpfcn ringend lag die Gesellschaft. Sie ist gerettet! „visu est avee I«, prösickcnt" — schaaren
wir uns nm den Netter!
Freies Wahlrecht in ehrlichster und unbeschränktester Anwendung — das war sein Programm. Es
soll auch das unsre sein!
Freie Wahl sämmtlicher Staatsbehörden, vom Minister bis zum Nachtwächter herauf — freie Wahl der Natio-
nalität, deS Geburtsortes, deS Alters und Standes — freie Wahl de» Geschlechts und der Getränke — fteie
Wahl der Aeltern und Großältern bis aufwärts zur Urgroßmutter — daS sind die Garantien der Freiheit, welche unser
System verheißt. Da wir aber wissen, daß die Freiheit ohne Ordnung nicht bestehen kann, so verlangen wir als nothwcndige
Garantie der Ordnung die Einführung der Polizeistunde um elf Ithr — des nächsten TageS.
Dies sind die Grundzüge unsres Programms, dies die Wünsche, deren Erfüllung im nächsten Jahre daS Ziel unsres ernstesten
StrebcnS sein soll. Wem dies Programm genügt — und wem sollte eS nicht?! — der eile seinen Name» auf einem
königlichen Postamt oder in einer soliden oder unsoliden Buchhandlung einschreibcn zu lassen.
Viril,US unit,8 — Eintracht macht stark!
vis ckst gui cito ckat — später können die früheren Nummern nicht immer sicher nachgeliefcrt werden!
Freiheit oder Ordnung!
Um der Freiheit willen leset, um der Ordnung willen aber abonnirt schleunigst auf den
Kladderadatsch.
loading ...