Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 5.1852

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Wochenkalcnder.

Montag, den 7. Juni.
Die Zollconscrenzen bcslblicße» nach eini-
ger Erholung ihre Sitzungen wieder be-
ginnen lassen zu wollen.
vienllag, den 8. Juni.
Die Kleinstaaten der Darmstädter Eoati
lion, mit Permission zu sagen, erklären an
dem Programm derselben festhalten zu wollen.
Mittwoch, den !>. Juni.
Die Kleinstaaten der Darmstädter Coali-
non, mit Respect zu sagen, weiden auS dem
Zollverein 'rauSgeschmissen.


Wochenkalender.
vonncrstag, den 10. Juni.
Die Kleinstaaten der Darmstädtcr Coali-
lion, mit Erlaubnis zu melden, können nicht
bestehen und besitzen bereit- völligen Mangel
an Kleingeld.
Freitag, den II. Juni.
Die Kleinstaaten der Darmstädter Coali
lion, s. r. i-., wenden sich an Oesterreich
um eine kleine Unterstützung.
Sonnabend, den 12. Juni.
Sic werden wegen Betteln» von der
österreichischen Polizei verhaftet und in eine
ArmcnbcschästigunzSanstalt mediatisirt.
Kladderadatsch.

Hllmristisch-satyrischkö Wochenblatt.

Diese- Blatt erscheint täglich, mit Ausnahme der Wochentage. — Man abonnirt mit 17>§ Sgr. vierteljährlich bei allen Buchhandlungen
wwie bei den König!. Postanstaltcn de- In- und Auslandes. Jede einzelne Nummer kostet 1>^ Sgr. vic Lcdaction.

EM- UaNstiN Nmd Fauftine,
d oder
Kaiser und Fischerin.
rragikomischcs Schanspict, genau nach den Millhellungen miniflericller Llätter bearbeitet, von M. I. LH.

Erster Act.
(Scene: Gegend am Meer. Soulouquc auf einem Gummibaume am Ufer
sitzend, stimmt seine Guitarre und pröbirt einige Griffe.)
Soulouque.
Die Noten kenn' ich nun, man muß sie auch verstehn,
Wenn seine Stimme man will hochgeachtet sehn.
Vorzeichen, Schlüssel und den richtigen Takt daneben —
Darauf kommt Alles an — die Noten sollen leben!
So sei es denn der Welt gezeigt mit seltner Kraft,
Wie man durch Noten selbst'sich eine Frau verschafft.
Heil sei dem Meierbeer in seinem Lorbeerkranze,
Daß er für mich erpreß schrieb folgende Romanze:
tEr singt:> „Du schönes Fischermädchen,
Treibe den Kahn ans Land;
Komm ru mir und setze dich nieder,
Wir kosen Hand in Hand."
Faustine (thut dies).
Soulouquc. Wie heißt Du schwarzes Kind?
Faustine. ^ Wenn ich Dich sonst gefalle,
So wisst, ich schmeichle mir als Dame von der Halle;
Faustinchen nennt man mir —
Soulouque. Das freut mich sehr, denn weiland,
Als ich noch Präsident von diesem warmen Eiland,
Da schwärmt' ich schon —
Faustine. O Gott! mein Kaiser steht vor mich? —
Soulouque. So ist es! anders nicht! komm her und tröste Dich!

Faustine. WaS wollt Ihr, Herr, von mich?
Soulouque. ^ ES ist die höchste Zeit,
Daß ich jetzt Sorge trag' für meine Erhlichkeit;
Ich brauche eine Frau, Heirathen ist mir Pflicht;
Sprich willst Du Kais'rin sein?
Faustine. Ei warum dieses nickt?
Soulouque. So komm und speise heut zu Nacht mit mir zuTische.
Faustine. Sind Deine Worte auch nickt etwa faule Fische?
Soulouque. Gewiß nicht! su eontrsire! sieh, daß ich Kaiser bin -
(Er greift in die Tasche und zeigt ihr eine Handvoll Orden.)
Die Fischvcrkäuferin ist morgen Kaiserin!
(Sie läßt sich die» gefallen. Der Vorhang fällt.)
Zweiter Act.
Der Ceremonienmeistcr zum versammelten Hofstaate:
Zu der um 6 Uhr stailfindendcn Krönung haben sich die Herren
einzufinden in weißer Weste mit entsprechenden Beinkleidern; die-
jenigen, welche nicht im Besitze dieser Gegenstände sind, sollen sich
schämen; die Dame» erscheinen in Hellen Unterkleidern und Schuhen;
die Schwärze der Haut ist als LandcSfarbe nirgends zu verdecken.
(Der Hofstaat ab, um nach Vorschrift Toilette zu machen.)
Nun bin ich fertig bald: bereit liegt Stück für Stück,
Auch sind schon Pfaffen da — was fehlt jetzt noch zum Glück?
Die Krone von Paris zeigt, daß in dieser Stadl
In solcher Goldarbeit man große Uebunq hat:
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