Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 5.1852

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-M>) GÄMiüb-M
des Schneidergesellen August Walker in Paris an seinen College» Ludwig Preller in Lcrlin.
Jutster Ludcwich! Paris, den 25. Februar 1852.
Mit Dcrjnüjen erjreifc ich die Feder, um Dir von mein Wohlbefinden zu versichern, welches bis auf die Paar blaue Flecke von jestcr» Abend janz
nach Wunsch iS. Aber es war auch wirklich zu schc-ne! Ich bin mit Luji'n auSjcsöhni und seil jcstern Abend kein Lejitimistc mehr, den» es war wirklich zu
scheene! Also ich habe doch Arnaud'n seine Senaiorhoscn jcmacht, des iS nämlich was so bei Euch allcweile Bonin iS, aber man bloß mik den Unkcrschied,
jar keen Jcld »ich un man bloß Schulden. Also wie ich meine Rechnung bringe, sagt er zu mir: Llonsieur, sagt er, denn er iS sehr arlig un jar nich stolz,
denn am Ende auch wodraus? Also Llouaieur, sagt er zu mir, voulcr-vous »rgcnt? sagt er. Wui, ErlenS, sag' ich Loa, sagt er, denn warte» Sie man
bis der Prinz-Präsident sich die Kaiserkrone auffetzen wird, denn krieg' ich welche». Aber damit Sic sehen, Llon-ieur, daß ich auch für dem Wohle der nieder»
Klassen bin, 5Ioo,!eur, heut Abend iS Fastnacht un jroßer Ball in den Tuillericn. Hier baden Sie ein Biljett, verkaufen Sie cS, Sie kricjen immer noch
Ihre acht Jute davor. Jut, sag' ich, un nehme es un sehe wcch. Jloobst Du, deß ich es habe los werden können? Nich vor zwee Jute! Een Mark hat
mir sechs Dreier jcboten. Ne, denk' ich, da jchst de lieber selber vor. Und so war e» auch. Also ich borje mir 'n Hut, mache mir meine Stiebcln mit Spucke
blank und ziehe meinen Kadrilchenschwcnker an, Du kennst'» ja, den wir alle Becdc immer Mittwochs in Moabit umzechtig jedragen haben, un jche hin. Nein,
es war aber auch wirklich zu scheine! Vcrpflcjung jut, Drinken reichlich, Musik propper, Lokal jeräumich, un die Jesellschast — nee, diese Jcscllschaft! Jar nich
so vornehm un fein. Zuerst, wie ich ankam, war cs mir doch etwas stupide zu Mutbc, denn ich dachte mir, so 'ne Jesellschast iS jewiß sehr anständig, un de
Tulgcrichcn, Donnenvettcr, des iS doch nich wie bei Prüfern oder bei Oeii'n. Aber Jott bewahre! Janz akcrat wie bei unS, tout cowme oder von»,
wie man hier in Paris sagt. Mit die Dcinidofstn Hab'ich Schottisch jcdanzt. Persigny kennt mir noch von Berlin her, wecßt Du woll, den eenen SIbcnd
in de Schützen straße? Er kannte mir jlcich wieder, aber denke Dir, was so ein Franzose dämlich iS, er dachte, ich hieße wirklich Louis. Nein, aber erst
dieser Prinz-Präsident, dieser Louis! ES iS wirklich nich zu jlaubcn, wie nett. Er hat seinen Name» mit Recht. Schwcrcnoth, wenn ich so 'n jroßer
Mann un Feldherr und Charakter »n allcnS de» wäre un hätte allen» des schon durchjemacht, was er durchjcmacht hat, ich staube, ich thätc mir doch was drauf
cinbilden. Aber er jar nich. AllcnS für dem Volke un allcnS durch dem Volke, so denkt er un so iS er auch. Und um damit de Dir so recht überzeujen
kannst, so iS bei jedes Danzverjnüjen in de Tulgcrichcn zuletzt auch Keilerei, janz wie bei uns in Moabit. Diesmal war es bloß der Sohn von einen Jcneral
mit einen Spanischen Ofsizicr um ein bloßes Frauenzimmer. Aber ich sage Dir, eklich! Wie cs anjefangen hat, weiß ich nich so recht, 'Allein ich höre einen
Scandal, un jehc natürlich in die Stube rin, wo er iS. Da hör' ich bloß noch, wie der Spanier zu dem Andern auf Spanisch sagt: „Was? Sie wollen
hier noch aufbejehren?!" Worauf ihm der Franzose eine Maulschelle jibt, worauf der Spanier ihm einen Fußtritt verreicht, worauf der Franzose hinsällt,
worauf der Spanier ihm noch einmal trete» will, aber man bloß 'ne Dame trifft, welche durch diesen Fehltritt auch zu Falle kommt. „Nanu!" schrie sie aus
Französisch, und nanu war eS auch so weit. 'Aber jchaucn haben wir uns, deß es 'ne Frcidc war. Mohpa'n, was der Polizeixräfcit iS, haben sc seine» bis
uf de Schultern anjctrieben, M orny'n habe» se'S janze Oberhemde aus'n Leibe jeriffen, ach un meinen Frack haben sc Dir vcrarbect't. ich sage Dir, viel doller
wie dazumal de JardekobrS in Moabit, wo cS auch um ein Frauenzimmer herkam. Der Spanier wurde an de Lust jcsctzt, weil er die alljcmeine Menge jejcn
sich hatte, un ich ließ mir auch rauöschmcißcn, weil ich des Drinkjcld sparen wollte. Aber ich kann sagen, cS war wirklich zu scheine, un ich habe mir lange nich
so jut amisihrt. Schreibe bald in Ewigkeit Deinem trcien Zreindc
Aujust Walker.

Fcu i l
Der Abgeordnete Professor Ouncker
soll auf den ihm von Seiten der Berliner Kinderwartcschülcr überreichten
Protest folgende Antwort erthcilt baden:
Hochgeehrte Herren!
Sic verwahren sich in Ihrem Schreiben vom gestrigen Tage gegen eine
Acußcrung, die ein Abgeordneter vor kurzer Zeit in seiner Behausung gegen
seine beiden jüngsten Knaben gctban, welche die Ebrc haben, sich Ihre Com-
niililoncn nennen zu dürfen. Sie lautet nicht, wie sic von Ihnen wicdcrgcgebcn
wirb, sonder» wörtlich: „Verdammte BengclS! wenn Ihr Euch noch einmal
untersteht drein zu sprechen, wenn Erwachsene reden, so werdet Ihr waS auf
den Mund bekommen!" Sic sprechen die Bitte gegen mich aus, Ihren Protest
öffentlich zu dem mcinigen zu machen. Allein erst gestern war ich selbst gc-
nöthigt, meinen siebenjährigen Sohn Wilhelm, lovaleS Mitglied der Klaffe A,
Abthcilung I, in seinen Studien mit drei hintereinander folgenden Knallschoten
zu unterstützen. Hallen Sie cS daher im Interesse Ihrer sännntlichc» Corps
für wünschcnSwerth, daß diese Angelegenheit in der Kammer weiter verfolgt
werde, so ersuche ich Sie, mich außer Ihrem Protest mit den objektiven Be-
weismitteln versehen zu wollen, daß Sie sämmtlich das Alter von dreißig
Jahren erreicht haben, in welchem man bekanntlich erst ansängl, Menschen und
menschliche Verbältniffe einigermaßen richtig zu beurtheilcn.
Berlin, den 5. März 1852. vr. M. Vuncker.

l e t o n.
Zu Halle auf dem Markt
Da stehn zwei große Löwen.
Ei, du haitischer Löwentrotz,
Wie hat man dich gczähmet!
Vuncker.
Zu Halle auf dem Markt
Da steht ein großer Riese;
Er hat ein Schwert und regt sich nickt
Von wegen seinem Freitisch.
v. Vincke.
Zu Halle aus dem Markt
Da steht eine große Kirche;
Die Burschenschaft und die Landsmannschaft
Die haben dort Platz zum Bete».
Lladderadaksch.

Auch ich schließe mich dem Wunsche des Abgeordneten Reichensperzn
in der Kammer vollständig an, erkläre mich für ein gesundes Mittelalter iiad
bin gegen jede krankhafte Richtung in'S griechische Bauwerk.
Luise Pikenberger.

Noch niemals ist der Strom der Auswanderung auS Kurhcsscn so stark gewesen °l»
in diesem Jahre, denn — Hr. Haffcnpflug denkt: Bleibe im Lande und nähre dich
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