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Zum Lun;e.

Äcr Tanz gcht los: Trrnlpctcn töncn,
Und dic Kanvnc brummt den Bah,
Dic Kugcl pscift, dic Tromm c in dröhnen
Ei welch ein wilder Tan; ist das!
Dic Paare halten fest und fester
In wirrem Taumel fick gepackt,
Und droben steht auf dem Orchester
Ter Tod und schlägt dazu den Tact.
Wie viel der Tänzer auch erbleichen,
Hinstürzcnd in der Jugend Glanz —
Stets weiter, weiter über Leichen
Schwingt sich im Sturm der Wajfcntanz.
Und lauter stets spielt die Eapclle —
Der Boden gähnt, ein weites Grab;
Und frecher stets grinst der Geselle
Von seinem Notenpult herab.
Was grinsest du, o Herr der Todtcn?
Ter Tag ist da, das Maß ist voll!
Zerrissen sind dic faulen Noten,
Zerrissen ist das Protokoll.

Aus der Erscstlagncu Knvchcn steigen
Tie lang ersehnten Racher auf
Und sammeln sich zum blnt'gen Reigen,
Zu neuem Tanz und Siegeslauf.
Tu lachst uns an mit hohlem Blicke
Und scheinst uns zu verhöhnen schier?
Meinst du, dah man zum Tanz »ns schicke
Für ei» vergilbtes Blatt Papier?
Das Blatt — cs hat sich jetzt gewendet!
Zum Teufel mit den Schreiberei»!
„Die Ehre haben wir verpfändet" —
Wir lösen jetzt sie wieder ein!
Jbr Musikanten, spannt die Sehnen
Und spannt die Lungenflügel doch!
Zum lust'gcn Kehraus mit dem Dänen
Spielt uns das letzte Stücklein noch!
Daß, wann der Frühling schmückt die Räume
Mit seiner ersten Blüthcu Kranz,
Sich schaare hier um Freibcitsbäume
Ein freies Volk zum Friedenstanz!
MMf'inkwIsch.


8ce»en in den Tuilerien.
Der englische Gesandte. Nun, Majestät? Gehe» wir zusammen?
ER. So lasten Sie mich doch zufrieden!
Ter englische Gesandte. Majestät sind es aber nicht — ich weiß es!
SR. Adieu!
Ter englische Gesandte, tioost worniux, Majestät! Ader es wird
Ihnen leid thun!
Eine Viertelstunde später.
Der englische Gesandte. 6ooä st-,)', Majestät! Haben Sie sick s über-
legt? Wollen Sic nicht mit »ns gehen?
SR. Nein, nein, und abermals nein!
Ter englische Gesandte. Warum nicht, Majestät? So billig wie
jetzt werten Cie es nie haben!
SR. Ich will aber nicht!
Ter englische Gesandte. Warum wollen Majestät niebt?
SR. Weil es mir nicht paßt!
Ter englische Gesandte. Warum patzt es — —
SR. Adieu, mon ober!
Der englische Gesandte. tioost aklernoon, Majestät! Aber Sie sollen
sehen, es wird Ihnen leid thun, Majestät!
Eine halbe Stunde später.
Ter englische Gesandte. 6oo>t eveuiox, Majestät. Wie stcbk's? Noch
ist es Zeit! Schlichen Sic sieb uns an! Gehen wir gcmcin'chastlich vor!
SR. Sic sollen mich in Ruhe lasten!
Ter englische Gesandte. Sie haben aber keine Nubc — vor mir!
Majestät, cs kostet Sie jetzt wenig — oder gar nichts.
ER. Adieu, Adieu! Ein für allemal, Adieu!
Ter englische Gesandte, bare ereil, Majestät! tioost bz-e! Majestät!
Aber Sie werden sehen, cs wird Ihnen leid thun! 6oe»I moruiug, Majestät!
Eine Minute später.
Ter englische Gesandte, sstcctk den Kopf zur Thur hinein.)
Sonst gar nischt z» Hantel», Majestät?

Holst räche nu« stör Hege »wart.
— Wie rasch das 'Wetter umschlug!
— Vor einigen Tagen noch Alles steif und fest — gefroren!
— Schellengeläut und russische Pelze!
— Tiste Eisblumcn an den Fensterscheibe»!
— Keinen irrien Vlist! Nicht zum Durchsetzen!
— lind tieie Sorge um Seiten »nt Pariser!
— Und diese Glätte!
— Bei jedem Schritt vorwärts in Lcbcnsgefabr!
— Oder dost' wenigstens einen unteilbaren Bruch fürchtend!
— Und bei jedem Schritt rüstwärts nicht minder!
— Was nun jetzt?
— Diese plötzliebc Wärme!
— Wie 'Alles austbaul!
— Wie cs von allen Dächer» rieselt!
— Wie Alles binaus will! — Aber wo — will es hinaus?
— 'Nur erst den Schmutz wcgräumen!
— Kebrc nur Jeder vor seiner Thür!
— Wenn nur kein Rüstschlag kommt!
— Und es plötzlich wieder — friert!
— Dann würde» wir die Kälte erst reibt empfinden!
— Und dann die Glätte!
— Ja, dann müßten wir — Asche streue»!

In Tarmstadt fand dieser Tage eine böibst pikante Sitzung des stän-
dischen Finanzausschusses statt, deren Verbantlunzcn bis jetzt streng geheim
gehalten werden. Es bandelte iilb nämlich um gewisse L ibuIdcn der E > vil -
liste, welche die Kammer und das Land schon zweimal bezahlt zu baben
glauben, und die iist' jetzt plötzlich wieder in der Höbe von lgXXHUOO Fl. an
die Stände bcranwälzrn. Ten Finanzminister sollen einige Aeutzerungcn,
die von Mitgliedern des Finanzausschusses gemacht worden sind, derart über-
rascht habe», daß er vor Schreck beinahe — sein Portefeuille hätte
falle» lassen.

„Tie Freiheit hat nur dazu gedient, die Regierungen umzu- ^ Man schreibt aus Paris: Tbiers arbeitet sür de» Prinzen von
stürzen" — sagt Louis Napoleon. Und die Regierungen? Sollten sie ! Ioinvillc. Und in der Tbat, naeb dem Neffen des Onkels könnte viel-
nicht auch zuweilen dazu gedient haben, die Freiheit umzustürzen? ! leicht — der Onkel des Neffen Ehanccn haben.
 
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