Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 27.1874

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3tr.

Wodjenliafenöcr.

Montag, den 8. Juni.

Es UcgI i» Icviein TodcSweb'

Der Garibaldi ießt — juchhe! —
Desi iceut sich Mönch und Nönnlei».

Dienstag, den 9. Juni.

Van Garibaldi, ach!

("ino aus der grobe Krach.

Der bat geslürzl Altar und «Thron:

^cb freut sich SRciii) und Nönnlel».
Mittwoch, den 10. Juni.

A». wie viel Anflst und Pein

Gebracht Earrcra's Eremit!
Iedi ivottei sein der Zcsutt —

Dcb freut sich Mönch und Nvnnlein.

Iltlichrnknsi'ndn'.

Donnerstag, de» II. Juni.

Vielleicht in^Nötben schwer

Freitag, den 12. Juni,
jedoch der Kirche Sobn ^

Du hast flesturzt den bei, gen Stüh,.
So ,abv ,evl bin zum Holienviubl! —
Dcsi sreut sich Mönch und Nonnlein.

Sonnabend, den 13. Juni.
Erleunt^auö «diesem ^all,

Wird'S°ander» EVcm^t^ O^^^n.

Tcg sreut sich Mönch und Nonnlein.

Kladderadatsch.

Hnmm islisch--satirisches Wochenliiatt.

3Crh

Jn)lotnl=fpiil|onif(l|f

j£|roiitme Scheitel, hnljle Glatzen,

Fräcke, seltsamzugeschuitten,
^S^Äbgelebte Muckerfratzen,

. Uommt itzr durch die Stadt geschritten.

J Und itzr schreit, Latz Lirch' und Thron
j Letzt in schwerer Uöttze Zeit sei,

5 Und datz Sprea-Üabylon
Schier dein Untergang geweitzt sei!

Und ihr schaltet und itzr geifert
Uebcr das, was jüngst geschehen;

Doch, lvie itzr euch auch ereifert —
Uicmand will euch mehr verstehen.

Niemand will euch mehr verstehe» — | Denn cS muß von Herzen gehen,
Fordern wir doch höher» Zoll: j WaS auf Herzen wirken soll.

Goethe. (Faust, ILSteil)

Einsam — klagt itzr — stehn die Sessel,

Da sich sonst bei unsrer predigt
Uon der Sünden schwerer Fessel
Hat das glänb'ge Volk entledigt;

Denn es treiben L'atansfpnk
Letzt Lrrletzrer nnd Detrüger,

Und die Welt wird gar so klug,

Und der Dauer täglich klüger! —

Thoren itzr! Cs merkt der Fromme,

Datz das Wort in Ängst nnd Wetzen
Euch nur von den Lippen komme;

Doch es mutz von Herren gehen.

Unaufhaltsam fortgeschritten
Ucber euch ist das Latzrtznndert:
Ändre Zeiten, andre Litten.

Doch itzr steht und schaut verwundert,
Und in todten Sprachen rechtet
Ltzr um Wunder und Duchstaben,
Fordert, datz das Volk, geknechtet,
Euch darbringe reiche Gaben,

Datz jed' Schnflein der bedrohten
Üirche opfrc seine Woll'.

Zollt ihr Achtung nur dem Todten,
Fordern wir doch tzötzern Zoll.

Zieht denn heim, itzr Ängstproptzeten!

O datz hier gelernt itzr hattet:

Uicht durch heulen noch Lurch Deten
Wird die sünd'ge Welt gerettet —

Uicht Lurch Dogmen noch durch Wunder,
Uoch durch Lirchenpolizci-Macht;

Denn es ist der Geist itznnder,

Oer die Welt beglückt und frei macht.
Und geschehn mutz das Uottzwcnd'ge —
Drum bezähmet euren Groll,

Denn Las Wort ist's, das tebend'ge,
Was auf Herzen wirken soll.

Klirdderndntsch.
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