Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 47.1894

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«Kztz Driefkasten.

Aachen. Kctzcrtisch: Eine ganz unglaub-
würdige Mittheilung bringt die „Aachener Post"
lNr. 34). Sie meldet: „Bonn, 12. Februar.
Prinz Heinrich folgte heute einer Einladung

kneipe des Corps Borussia in Begleitung des
Prinzen Schaumburg theil, wo aus ihm ein
Salamander gerieben wurde." Das laßt sich
Prinz Heinrich nicht gefallen, auch sind die
Borussen zu gut erzogen, um so etwas zu »er-
suchen.

Berlin. F. G-: In dem Roman „Gefähr-
liche Waffen" von Doris Freiin vonSpättgcn
(1. „Unterhaltungs-Beilage zuni Berliner Lokal-
Anzeiger" vom 14. Februar) wird von dem Ritt-
meister Achenberg gesagt: „Zwar zeigte sich daS
dunkle kurz gestutzte Haar an den Schläfen bereits
leicht ergraut, wie auch die von der Nase bis zun.


n den Wangen hcrablanfenden tiefen Traini
beit reiches Leben od

falten aus -in an Geistesarbeit

auf ei" . * ""---

u.s.»

_ . [offen: Nur Geduld! Es kommt alles ans
Licht. llebrigens herzlichen Gruß und Dank. —

I. K.: „Das ihn betroffene Unglück" <f.„Vossische
Zeitung", Abendausgabe vom 20. Februar unter
Wilhelmshaven) gehört zu den lieblichsten
Slilblüthcn unserer Lokalpresse. — L. G.: „Elvire
schüttelte den aiisdrucksvoll schönen Kops, sie
hatte ihn seit so langer Zeit gar nicht mehr zu
Gesicht bekommen," sagt Leo Rorberg in seinem
Roman „Nur durch den Tod." („Kleines Journal"

Nr. 89.) Elvire scheint gar nicht eitel zu sein
und auf ihre Frisur keine« Werth zu legen. —

E. H.: Hermann Bahr, einer der greulichsten
unter den unreifen Gesellen, die gewerbsmäßig
die deutsche Sprache mißhandeln, erfreut die Leser
des „Kleinen Journals" «Nr. 93) durch eine
Plauderei „Warum?" Er behauptet darin, daß'

■ die Weiber, aus die er überhaupt schlecht zu
sprechen ist, auch dem zehnte» Geliebten gcgen-
. über nie etwas von ihren früheren Liebschaften
eingestehen. In der AusdruckSwcisc eines Quin-
taners, der auch im zweiten Jahre wieder sitzen
bleibt, schreibt er: „Es nützt nichts. Sie leugne»
es. Sie haben noch nie geliebt. Sie wußten
gar nicht, >oas Liebe ist.. Sic glaubten zu lieben.

Sic hotten eine rege Begierde.' Aber sie wurden
enttäuscht. Es darf sich mit diesem heiligen
Gefühle nicht vergleichen. Es scheint Laune,

Thorheit." Ohne Zweifel hält Bahr diesen
Sudelstil für ganz besonders originell und in-
teressant. - Lausanner Abend im Pschorr-
bräu: Sehr hübsch berichtet die „Staatsbürger-
Zeitung" aus Wilhelmshaven: „In den Straßen
bildeten die Schulen Spalier, während die Marine-
truppen Aufstellung genommen hatten vor ihre»

Kasernen, welche den Kaiser mit Hurrah begrüßten."—

Bonn. E. M.: S. Hamburg.

Brandenburg a. H. R. M.: Das wurde
auch hier vor kurzem erzählt, fand aber bei urtheils-
sähigen Leuten keinen Glaube». Graf B. muß
wissen, daß der Mann seit einer Reihe von Wochen
nicht mehr als satisfactionSsähig zu betrachten ist.

Breslau. C. M.: Mit Dank abgelehnt.

Buenos Aires. C. C.: Die „Deutsche. La
Plata Zeitung" lNr. 28) berichtet: „In der
Provinz Salta sind während des vergangenen
Jahres gestorben 866 Argentiner; 319 derselben
starben mit ärztlicher Hilfe, 247 ohne Interven-
tion der Wissenschaft." Wieder ein Beweis für
die Richtigkeit des alten Satzes, daß man mit
ärztlicher Hilfe sicherer stirbt.

Cassel, v. S.: Nein, wir haben die Sache
satt. Sechs Wochen hindurch haben wir in der
schärfsten Form darauf hingewicscn, daß zwei
hohe Rcichsbcamre ihre einflußreichc Stellung zu
allerlei"genieinlchädlichen Jnlriguen mißbrauchen.

Wie Sie als alter Kenner der Verhältnisse gleich
hcrausgefunden haben, ist v. Austernfreund
der Wirkliche Geheime Lcgalionsrath v. Hol-
stein, v. Spätzle der Geheime Legationsrath
v. Kidcrlen-Wächter. Vom ersten Augenblick
an hat man in Rcgierungskreise» ganz genau
gewußt, gegen welche Personen die Angriffe ge-
richtet waren; trotzdem haben die beiden Beamten
weder Klage gegen uns erhoben noch ihr Ab-
schiedsgesuch cingereicht, sie haben alles ruhig ein-
gesteckt. Es verliert schließlich jeden Reiz, sich mit
so passiven Herren weiter zu beschäftigen.

Erfurt. £. 9). Z.: In einer Garnison er-
halt ein Truppentheil eine Mitthcilnug aus N.,

Berantw R-daillur l. B.: W.Potstorff-— Vnanlw. für d-n Jns.-TH-il: L.«. Waligorrki. - Vkilc

„zioci Entnickeler" cintrcffen würden. („Ent-
nickcler" sind kleine Metallkörper, die durch den
Gewchrlauf getrieben werden, um die geringen
Rückstände des Nickelgcschosses aus den Läufen
zu entfernen.) Darauf Circular-Notiz von Seiten
ocS Truppen-Adjiitanten: „Der nie Truppen-
theil bat für die in den nächsten Tagen ein-
trcffcnoen zwei Entnickeler Ordonnanzen bereit zu
halten. Das Quartier ist ini Hotel £ bereit
gestellt." Sehr nett.

Essen. Dr. W. W.:JmGothaischcii„Ge»eral-
Anzciger" vom 16. Februar lesen wir: „Eincin
Schloffergchilfe» in der Brieglab - Hansenschen
Maschinenfabrik, der mit einigen College« an
einem Krahn beschäftigt war, lief ein Theil der
eisernen Kette über den Kops hinweg, und erlitt
dadurch nicht unerhebliche Verletzungen." Es muß
ein sehr harter Schädel gewesen sein, durch den
die Kette, indem sie über ihn hinlief, Verletzungen

" Halle a.S. Armin Rusticus, Mitglied
des Bundes der Landwirthc: Sie sagen
in Ihrem liebenswürdige», wenn auch nicht ganz
orthographisch abgefaßten Schreiben: „Eure Pfui-
teufelcien riechen nach Knoblauch!" Wenn Sie
tvirklich beim Lesen unseres Blattes dies Kraut
zu lvittcrn glauben, so muß das wohl au Ihrer
Nase liegen, llebrigens heißt es nicht „suum
qnique“, sonder» „suum eniquo“, was allerdings
ein „Bauer" nicht zu lvissen braucht.

Hamburg. R.: Jeder der „Mittelmeervriefe"
des Herrn Karl Böttcher übertrifft an Albern-
heit und Geschmacklosigkeit den andern. Vom
Kuskussu sagt der berühmte Reisende in seinem
VII. Brief: „Ich schnuppere .... Nanu? ....
Ich probire .... Die Zunge fährt erschrocken
ziirück, als hätte sic ein paar durcheiuanderge-
schmorte Injurien berührt. Dann aber spürt sie
etwas von gcwürzreichcr Pikanterie, reibt sich an
de» Lippen und möchte ausrnfen: „Hm — prächtig-
miserabel!" Nun, dergleichen criveckt tvenigstcns
uichtdcn Verdacht, daß Herr Böttcher cs anders-
tvoher genommen oder, ivic es im schlichten Deutsch
heißt, gestohlen haben könnte.—M.: Das „Deutsche
Blatt" bringt einen „Air. Barnes von New-Zork"
betitelten Roman von Archibald Clavcring
Gunter, dessen achtzehntes Kapitel in Nr. 38 mit

in einen, glücklichen Schlaf, während der Frühzng
die Schlange in Gestalt des Grasen Muffo Dancllo
mit dem Apfel der Erkenntnis; in der Hand, welcher
die Wurzel alles Hebels ist, Monte Carlo zuführte."

Hameln a. Weser. P. M.: In den „Allgcnicincn
Anzeigen für die Stadt Hanteln" iNr. 13) macht
Frau P. Wcdemeher bekannt: „Auf gleich oder
Ostern für ein sich verheirathen wollendes Mädchen
ein anderes, aber eins, das sich nicht auch gleich
Ivicdcr verheirathen Ivill." Wir glauben nicht,
daß es ein solches gibt.

Hannover. G. D.: Die „Hannoversche Post"
(Dir. 36) schreibt in ihrem Briefkasten: „DaS

Sche Witzblattt „Kladderadatsch" gehört einer
schaft von sieben Juden."' Das klingt sehr
nett, ist aber eine freche Lüge. Außerdem haben
die Besitzer nicht den geringsten Einfluß auf die
Haltung des Blattes.

Hcllcuthal. K.: Der „Kölnischen Zeitung"
(Dir. 131) wird aus London gemeldet: „Der
ausländische Anarchist Martial Bourdiu ist
im Greenwich-Park lebensgefährlich verstümmelt
worden durch Explosion von Sprengstoff, de» er
nach Hiding Place schaffe» wollte." Der Bericht-
erstatter dürste sich in „dicking placs" etwas
getäuscht haben, cs ist doch wohl ein Versteck
damit gemeint.

Herdeckc. F. G.: Die „Herdccker Zeitung"
vom 15. Fcbr. schreibt über ein Unwetter, das'in
der Dlacht zum 13. Fcbr. tobte: „Gegen 10'/,
Uhr, erhellte ein starker Blitzstrahl die Dlacht, der
von' heftigem Donner begleitet war. Heute
Morgen hat sich der Donner etwas gelegt."
Das muß ein langer Donner gewesen sei».

Jnowrazlaw. N. Dl.: Steht bereits im
Brieskasteu unserer vorletzten Nummer.

Köln. H. E. H.: Mil dem Vermerk „Eilt
sehr! Wichtig für Handlungen mit kathol. Kund-
schaft! Für die Fastenzeit besonders geeignet!"
empfiehlt eine Fuldaer Acliendruckerei die in ihrem
Verlag erschienenen „Sieben Predigten über des
Menschen Ziel und Ende und letzten Dinge" von
Philipp Hammer, vr. der Theologie, „die er

(der Genannte) ,clbst in der großen Jesuit-nkirche'
in Mannheim vor mehreren Jahren gehalten und
die so durchschlagenden Erfolg hatten, daß der
Andrang der Zuhörer so groß wurde, daß man
»», den «dien »im, flc»eu fä”,“
Warum hat man das nicht getha»? — D.: D-r
„Kölnischen Zeitung" von, 14. Februar wird aus
London geschrieben: „Wie der Standard aus
Berlin meldet, wird die Kaiserin Friedrich dj,
Königin Victoria aus ihrer Reise »ach Jtalieu
begleiten, um ihr den Landsitz Friedrichshof im
Taunus zu zeigen." Verwechslung des Taunus
mit dem Apennin.

Konstanz. P. H.: In, „Thurgauer Tagblatt"
vom 15. Fcbr. zeigt I. Jakob Rüngger an
daß er „eine prächtig blühende Skala" zu Der*
kaufen wünscht. Die „Skala" ist wohl eine eben
erst eingcsührte Pflanze?

Leipzig. H. P.: Für unser Blatt nicht
geeignet. — H.: Von Hans von Bülow sagen
die „Leipziger Dleuesten Nachrichten" vom 16. Febr.:
„Dort im Reiche der Pyramiden nahm vom
Diesseits Abschied er, dessen wunderbare« Ge-
dächtuiß oft genug von Freunden und Feinden '
ein pyramidales genannt worden war." Sehr I
geschmackvoll!

Marburg. £.: Das thut uns leid, aber ein
in der Form so hilfloses Gedicht sollte auch nicht
veröffentlicht werden.

Neuhaldeuslcben. H. L.: Mehr zur Ver-
öffentlichung in einem Localblatt geeignet.

Der Herr hat ja in vielen Dingen Dlecht, ist aber
auch ein großer Sprachpedaüt.

Prec«. E. W.: Die „Prectzer Zeitung"
(Nr. 15) meldet: „Der Eintritt des ThauwetterS
Ivurde von den Brauereien, Meiereien n. f. a,
eifrigst zum Einfahren von Eis für die Eiskeller
benutzt." Hier pflegt man das schon während
des Frosttvetters zu besorgen.

Ueckermünd c. £ + ?).: Mit Dank abgelchnt.

Schmalkalden. F. 11.: Die „Hersfelder
Zeitung" (Dir. 21) meldet: „Eschwege, 13.Febr.
Ein Schtviudler schlimmster Sorte verhaftete gestern
Abend nnsere Polizei auf dem Bahnhöfe."''Muß
das ein frecher Patron sei»!

Schwcidnltt. B. A.: Nach dem „Schlesischen
Tageblatt" ,Nr. 39) hat in der Neichstagssitzung
vom 14. Febr. der Abg. Lenzmann gesagt,,,»
sei schon einmal vorgekommcn, daß-ein rabiater
Wähler mit der ganzen Wahlurne durchging, und
daß man hinter ihm hcrsaufen mußte, um sie ihm
wieder abzunchmen." Das Iväre wohl nicht da?
richtige Mittel geivcsc», um den Wähler eiuzuhole»,
tvir glauben daher auch nicht, daß Herr Lenz-
mann sich so ausgedrückt hat.

Schinetkingen. O. S.: Die „Schwetzingcr
Zeittmg" (Dir. 38) berichtet über die Jubiläumsfeier
der vor fünfundzlvanzig Jahren in Ihrem „Wilden
Manu"gegründeten Gesellschaft „Runder Tisch"
und schließt: „Dem „Stunden Tisch" ein vivat
gloria crescatl" Nicht ganz correct, aber auch

^^Strastebcrsbach. Chr. P.: Wegen der Ihnen
schletidcn Nummern wollen sie sich an unsere
Expeditton, Berlin W., Lcipzigcrstr. 135, tuenden.

Stuttgart. B.: Ihre „Schtväbische Krönst"
vom 13. Febr. schreibt: „Der Fatiiilienzirkel ged
ani Samstag in den Säle» des Kötiigsbaus
seinen F-aschingsball, übrigens ohne Kostüm." -
Das erscheint doch für einen Familienzirkel '.nicht
recht paffend. '

Trirglaff. v. T.: Leider nicht zu verw-itde».

Tübingen. A. G.: Sehr schön heißt es in
einer Thcaternotiz der „Tübinger Chronik" vom
14. Febr.: „In die dornige und steinige Wander-
bahn des Schauspielcrlcbens hat' ein gütiger
Geschick die Bcnesizvorstclluugen als Kühlung
und - schattcnspendende Lorbeerbäume hingcsttllt,
damit der arme Mime unter beut berauschenden
Druck (soll wohl „Duft", heißen) ihrer Zweige
von errungenen Jiele». von Dtuhm und Ehr.,
von Achtung und Liebe seiner Zeitgenoffcn träume
— damit er sich hinübcrträumc über die Hans-
tvurstbcstimmung seines Daseins zu jenen hohen
Culturaufgaben, an denen die Erzieher des Volle«
arbeiten." „ .

Wernshausen. R. L. P.: Im „Schmalkalber
Tageblatt" vom 13. Februar lesen tvir: „Morgens
bleibt cs jetzt länger dunkel, als man in sruhere
Jahren gewohnt war. Dieser Umstand ist M
die Einführung der mitteleuropäischen Zeit zurua-
— „ 3fl| da« kommt davon I

er. Hotmann L To.. Leikiwerttr. iss I. — Druck von Hemprl & To. — ESuimtlich In Bi
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