Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 80.1930

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Zum Auffatz auf Seite 9!: Bild ;. Die fertige Radierung nach dem Abzug vom radierten Karten.

MITTEILUNGEN

Vorträge im Bayetifchen Kunftgewerbe-Verein Miindien e. V:
»Lieber Nymphenburgs Vergangenheit« fprach mit gründlicher
Sachkenntnis Hanns Frank. Befonders erfreulich war. dafi er
feinen Vortrag mit einer großen Anzahl von Lichtbildern er-
läuterte, die das Werden Nymphenburgs von feiner erften Er-
wähnung in der Gefchichte an bis in die neuefte Zeit vorführten,
während er das Nymphenburg, wie es heute dafteht, nicht im
Lichtbilde, fondern am folgenden Sonntage in der Wirklichkeit
zeigte. — C. Beyerlen-Sepp fprach über »Geftern, Heute und
Morgen im Kunfigewerbe« am Abend vor feinem Weggange
von München. Der Vortragende fieht in der heutigen Ueber-
bewertung des Mafchinellen und der Typifierung Uebergang
zu neuem raumkünftlerilchem Schaffen. Das große Kunffwerk,
heute fo lebendig wie je, bedarf zu feiner Wirkung des künft-
lerifch geftalteten Innenraumes; im nüchternen, rein auf Zweck-
mäßigkeit gebauten entfeelten Raum fehlt das Spannungs-
verhältnis, ohne das Kunftwerke nicht zur Geltung kommen
können.Wir wünlchen uns mehr folcher tief durchdachten, fprach-
lich gut geformten Vorträge im Kunftgewerbeverein, und wir
beglückwünfehen die Reimannfchule in Berlin dazu, dafi fie fich
einen fo klaren Kopf und einen fo bewußt auf das Morgige ge-
richteten Künftler wie den Innenarchitekten Beyerlen-Sepp als
Lehrer verpflichtet hat. — Der Vortrag von Heinrich Kreifiel
über »Münchner Gobelin-Manufakturen in vier Jahrhunderten«
war inhaltlich und durch die vielen Lichtbilder, die auch die
neueßen Gobelins für die neuen Lloyddampfer zeigten, außer-
ordentlich intereffant. Leider war er fehr fchlecht befudit. Wir
haben in München zu viele Vereine, die in regelmäßigen Licht-
bilder-Vorträgen, faft Abend für Abend. Einblick gewähren in
irgend ein Gebiet des Kunftfchaffens früherer Zeiten. Da es aber
den Vortragenden durchaus nicht angenehm fein kann, vor
zwanzig bis dreißig Hörern zu fprechen, fei an diefer Stelle
einer Anregung gedacht, die fchon wiederholt ausgefprochen
worden ifi: der Kunftgewerbeverein, der Künftlerhausverein,
die verfchiedenen Vereine für chriftliche Kunft, der Hiftorifche
Verein für Oberbayern, die Schillerakademie, der Kunftverein,
der Verein für Volkskunft und Volkskunde, der Münchener Bund
und noch viele andere mehr mögen doch endlich einmal eine
Arbeitsgemeinfchaft eingehen, die keinem von allen an der

Selbftändigkeit Abbrudi tun, die aber dazu dienen foll, daß alle
Mitglieder aller diefer Vereine immer rechtzeitig auf wertvolle
Veranftaltungen aufmerkfam gemacht und ausdrücklich dazu
eingeladen werden. Jetzt ift das Intereffe erlahmt. Da man nicht
überall fein kann, geht man nirgends hin; aus den kulturellen
Vereinen find Stammtifche geworden, die zufehends immer
kleiner werden. Der Zufammenfchlufi zu einer JG aller kultu-
rellen Verbände, wobei auch die Ausftellerkorporationen bil-
dender Künftler einbezogen werden follten, verträgt keinen Auf-
fchub mehr. Gerade bei dem Kreifielfchen Vortrag mußte man
bedauern, daß nicht alle die Künftler anwefend waren, die fich
in letzter Zeit mit Gobelinentwürfen befchäftigt haben. N.



Berichtigung. Die Ausführung des auf Seite 53 Heft III abge-
bildeten Kinderzimmerwandbehanges von Prof. Max Körner,
Nürnberg, erfolgte durch Frau Ifa Körner, Nürnberg. Die auf
Seite 61 und 67 des gleichen Heftes abgebildeten Bildteppiche
von Pellegrini und Stocklin wurden in der Gobelin-Manufaktur
München GmbH, hergeftellt.

Die in Heft II auf Seite 44 abgebildete Halskette in Silber und
Gold und der Goldring mit Brillant ftammen nidit von Erwin
Hölzle, fondern von Günther Lipp, Pforzheim.



Müncfiener Archireicfen als Preisträger in einem Internationalen Wett-
bewerb. Für Entwürfe zum Bau einer katholifchen Kirche in
Belgrad fielen von insgefamt drei Preifen zwei nach Mündien
an die Ardiitekten Zardel (2. Preis) und R. Steidle (3. Preis). N.



Münchener Ausftellungen:

An erfter Stelle der kunftgewerblidien Ausftellungen diefes
Monats fteht die großartige Laeuger-Aus/fel/ung in der »Neuen
Sammlung«. Sie zeigt den einzigartigen Keramiker und Pla-
ftiker und eine große Anzahl von Aquarellen und Zeichnungen;
das architektonifche Werk Laeugers und feine Gartengeftal-
tungen follen einer fpäteren Ausftellung vorbehalten bleiben.
Die Zeidinungen zeigen ganz die weidie ruhige Linienführung
feiner keramifchen Figuren, und die Aquarelle haben den Phan-
tafiereichtum, die Plaftik und die märchenhafte Farbigkeit feiner
Gefäße. Ueberhaupt ift der Gefamteindruck aller der zahllofen

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