Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 10.1829

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Pferde ist meisterhaft und mit eben so feinem, als mar-
kigem Pinstl wiedergegeben, auch die Landschaft würde
von vielem Verdienst se»n, wäre sie nicht in der Total-
wirkung etwas unruhig und zerstreut. Nicht minder le-
bendig ist eine Bande Bärentreiber von demselben Künst-
ler geschildert.

In Adam's dre» Pferdestücken erkennt man dieselbe
gründliche Zeichnung und wahre Auffassung, wie in seinen
frühern Bildern, doch liegt es vielleicht an der einge-
schlagenen Farbe, daß jener sanfte Schimmer des Lichts,
jener luftige Ton, den er sonst öfter zu erreichen wußte,
hier nicht zu erkennen ist. Die Form und Muskulatur
erscheint dadurch zu streng angegeben, welches um so mehr
auffällt, je weniger eine so starke Andeutung des Baues
de» ruhig im Stall, in der Tränke oder auf der Weide
befindlichen Pferden sichtbar zu se»n pflegt.

„Schiffspferde vor einer Schmiede am Inn;" — „ein
Landgeistlicher, der sich auf einer Fahre über den Inn
setzen läßt;" — „Tproler Bauern, welche Waarcn über
das Gebirge schwärzen" und „Tproler Wildschützen, die
einen Hirsch ausweiden," diese sämmtlichen Bilder von
Karl Altmann aus Augsburg, sind mit Laune und
Lebendigkeit, zugleich mit. natürlicher Färbung und feinem
Pinsel ausgeführt. Die bepden lezten, von sehr kleinem
Format, sind besonders geschickt und geistreich vollendet.

Wilhelm Gail. „Das Innere des Neptunus-
tempels zu Pästum." „Heimkehr der Fischer von Amalsi"
und „Scene in einer Alpenhütte." Das erstere Bild ist
mit vieler Wirkung gemalt, auch die Figuren und eine
ländliche Famile, die im Seitenschiffe des Tempels Feuer
angemacht hat, so effektvoll behandelt, daß man zweifelhaft
wird, ob das Bild zu der Architektur oder zu den Genre-
stücken zu zählen sey. Nur.die Farbe des Gebäudes, die
in der Natur allerdings einen sehr warmen, ockerartigen
Ton hat, ist durchgängig etwas zu braun gerathen. Das
zwcpte Gemälde ist warm und lieblich gehalten, und den
heitern, lebendigen Figuren wäre yur eine zartere Aus-
führung im Detail zu wünschen; dieselbe Bemerkung kann
man bey dem dritten und kleinsten Bildchen machen, wo
der heimkebrende Jäger sein Kind in der Wiege betrach-
tet ; es ist in der Färbung zu bunt und in der Behand-
lung des Pinsels nicht zart genug.

Sehr fleißig und hie und da etwas zu scharf im De-
tail ausgeführt, aber klar und kräftig in der Färbung, ist
Neher's römischer Fischmarkt; solcheScenen sind haupt-
sächlich durch Schilderung von Charakteren und Leiden-
schaften interessant, der Künstler hat aber nur ruhige
Gruppen angebracht. Ein Zank, ein Schreck oder sonst
ein Unglück '"sollte diese Käufer und Verkäufer unter ein-
ander treiben, dann würden sie länger unsre Aufmerksam-
keit in Anspruch nehmen.

„Die Mittagsruhe im Walde," von Joseph Petzl,
scheint in Farbe und Wirkung dem Rembrandt nachge-
ahmt, auch ist viel Effekt in der Beleuchtung, nur ist der
Bursche, der da mit seinem Mädchen koßt, gar zu kolos-
sal, obgleich auch sie nichts weniger als zart ist.

Mit Talent und Laune dargestellt ist „ein über Land
fahrender Gutsbesitzer, der einem Handwerksburschen ein*"
Almosen reicht," von Franz Schelver ans Osnabrück;
ferner „die Attake polnischer Lanciers auf einen Marke-
tenderwagen" und „Ungarische Husaren, in einem Kloster-
hofe plündernd" von Ambros Eckart aus Würzburg;
heiter erfunden, gut grnppirt und frisch gemalt. Die
Gruppe Landmädchen aus dem Gebirge von Phil. Hei-
ne! aus Bapreuth und die Weinlese in Oberöstreich von
Philipp Rein hold in Wien, fleißig gemalt und mit
Ausdruck behandelt; Kirner's Schmelzofen nach Hebel's
Gedicht; auch Fr. Dü r k's Alpenjäger nach Schiller zeugt
von Talent und technischer Gewandtheit, und Mende's
Künstler, der einen Landwirt!) zeichnet, ist ein launiges
Bild, worin nur der Pinsel nicht überall dem Gedanken
des Malers hat Nachkommen können.

(Die Fortsetzung folgt.)

Aus dem B a d e n sch e n.

Die Preismedaillen haben be» der lezten Kunstaus-
stellung, worüber das Kunstblatt demnächst einen Bericht
geben wird, die Herren Haldenwang, Fromme! und
E. Fries aus Heidelberg erhalten. Unter den neuesten
artistischen Produktionen dürfte wohl ein großes, von
Nöllinger lithographirtes Blatt, die pissende Kuh nach
Potter, als eine der vorzüglichsten Leistungen gelten. Be-
kanntlich wurde das von Cassel nach Paris und Petersburg
gewanderte Original früher vom Galleriedirektor und Hof-
maler Kuntz trefflich in Aquatinta copirt. Gute Ab-
drücke haben sich jedoch sehr selten gemacht, und werden
zu hohen Preisen bezahlt. Die Veltensche Kunsthandlung
verdient daher warmess Dank, daß sie nach der Original-
zeichnung des oben genannten wackern Künstlers und
unter seinen Augen eine mit so viel Sorgfalt und
Einsicht behandelte Lithographie besorgen lassen. Hur-
ter, ein junger, talentvoller Künstler in Carlsruhe,
hat ein sehr ähnliches und gelungenes Vildniß von Jo-
hannes Müller in Steinzeichnung geliefert, welches
den Freunden des großen Historienmalers nicht anders
als höchst willkommen sepn kann.

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