Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 11.1830

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N°. 40

Kund

latt.

Donnerstag, 20. M a i 1 8 3 0,

Thorwaldscn's Christus- und Apostel-Statuen.

Venite ad me omnes, Serenissimo Principi Da-
norum Regi Andreas Accjuistapace D. D. D.
Car. Alberto Thonraldsen scolpi. Tom. Mi-
nardi dis. Gio. Folo inc.

S. Matthaeus. (Mit gleicher Dedi'kation des-
selben Verlegers.) Car. Alberto Thonraldsen
scolpi. Leonardo Camia disegno. Pietro Folo
incise.

S. Joannes. (Mit gl. Dcd. dcff. Verl.) Car.
Alb. Tborvraldsen scolpi. Leonardo Camia
disegno. Pietro Bettelini incise.

S, Paulus. (Mit gl. Dcd. dcff. Vcrl.) Car.
Alb. Thonraldsen scolpi. Leonardo Camia
disegno, Pietro Folo incise.

^ S. Jacob us. (Mit gl. Dcd. best. Verl.) Car.
Alberto Thonraldsen scolpi. Leonardo Camia
disegno. Pietro Bettelini incise.

S. Jacobus Minor. (Mit gl. Dcd. dcff. Vcrl.)
Car. Alb. Tborvraldsen scolpi. Leonardo Ca-
mia disegno. Pietro Fontana incise.

S. Bartholomaeus. (Mit gl. Dcd. dcff. Vcrl.)
Car. Alb. Thonraldsen scolpi. Leonardo Ca-
mia disegno. Pietro Folo incise.

8. Petrus. (Mit gl. Dcd. dcff. Verl.) Car.
Alberto Thonraldsen inr. e scolpi. Leonardo
Camia disegno. Pietro Folo incise.

S. Simon. (Mit gl. Dcd. dcff. Vcrl.) Car.

A. Thonraldsen inr. e scolpi. Leonardo Ca-
mia disegno. Pietro Bettelini incise.

S. Philippus. (Mit gl. Dcd. dcff. Vcrl.) Car.
A. Thonraldsen inr. e scolpi. Leonardo Ca-
mia disegno. Dom. Marchetti incise.
Sämmtlich in Folio.

Nach einer Zeit, in welcher Wissenschaft und Kunst
von der Religion gewichen waren und der Glaube von
der einen für Speise der Unmündigen erklärt, von der
anderen der christliche Gottesdienst mit dem Hellenischen

Naturknltus vertauscht worden war, sind beide von einem
tieferen Bedürfniß, welches draußen in der Welt und in
dem auf sich selbst beschränkten Menschengciste keineBefriedi-
gung finden kann, zum Evangelium und zur Kirche des
Erlösers zurückgeleitet worden. Sie Haben MntHeil ge-
nommen an dem gewaltigen Umschwung aller Dinge in
diesen leztcn Jahrzehenten. Wie die Völker und Fürsten
aus ihrer politischen Erniedrigung mit wunderbarer Kraft
hervorgingen; so mußte das glaubensarme Herz als ein
verlorener Sohn den verkannten und verlassenen Vater
wieder suchen. Beides aber ging Hand in Hand. Nur
im religiösen Gefühle fand das Geschlecht unserer Zeiten
sein moralisches Selbstbewußtseyn, seine nationale That-
kraft und politische Bedeutung; und hinwieder entfalteten,
läuterten, stärkten sich die frommen Empfindungen und
Erkenntnisse an den herrlichen Blüthen und Früchten des
neuerwachten volksthümlichen Lebens. Beides fand einen
Ausdruck und ein Beförderungsmittel in den begleitenden
Erzeugnissen der Kunst. Die redenden Künste schritten
voran, den Kampf der Freiheit und des Lichtes zu ent-
flammen. Von den Kriegsliedern und geharnischten So-
netten, von den Reden des großen Fichte an sein deut-
sches Volk wurden die Gemüther zum Nativnalgefüble
gestimmt. Auf ähnliche Weise ward durch Schleiermachers
Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren
Verächtern dem religiösen und christlichen Elemente Bahn
gebrochen unter einem, dem Glauben des gelauterten Chri-
stenthums entfremdeten und denselben unter falschen Bil-
dern und verkehrten Formeln bestreitenden Geschlechte.
Als nun aber das religiöse Leben mit. der politischen Selbst-
ständigkeit namentlich unter dem deutschen Volke wieder
Raum gewonnen hatte; so zeigten sich die belebenden
Kräfte in dieser neuen Gestalt der Dinge nicht zulczt an
den bildenden Künsten. Einem frommen Könige, den
innerer und äußerer Berns zum Schirmherrn der prote-
stantischen Kirche gemacht, liegt die Ausbildung der ästhe-
tischen Seite des kirchlichen Lebens eben so sehr am Her-
zen, als er in großartigen Monumenten die Verdienste
seiner Feldherrn und die Treue seines Volkes geehrt hat.
Vornämlich aber sind cs die ersten Meister in Malerei
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