Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 10.1913

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DER KUNSTMARKT

Qedr. Horae, T. Kervers Ausg., Paris, 1522 . . 130 £
Horaz, ital. Ausg., 15. Jahrh. (1859 50 £) . . . 240 £
H. Hudson, »Descriptio . . Detectionis Freti«,
Amsterdam, 1613.150 £

Mit dem Ertrag dieses Tages (14030 £) sind für die
1334 Nummern des dritten Teiles der Huth-Bibliothek
38692 £ 17 s 6 d eingegangen, womit sich der Gesamt-
erlös bis jetzt (Buchstabe A—H) auf 119683 £ 14 s 6 d
stellt, abgesehen von dem Preis, der für die privatim en bloc
verkauften Shakespeare-Ausgaben bezahlt wurde und der
50000 £ betragen haben soll. Dr. G.

Bei Christie wurden am 23. Juni folgende hohen Preise

für farbige Stiche gezahlt:
W. Ward, »Cottagers« u. »Travellers«, Morland p. 360 Gs
Keating, »Children playing soldiers«, Morland p. 220 Gs
W. Ward, »Children Bird-Nesting«, Morland p. 200 Gs
Grozer, »Morning« u. »Evening«, Morland p. . 360 Gs
Ward und Keating, »Party Angling« und »The
Angler’s Repast«, Morland p. 360 Gs

Ward, »The Visit to the Boarding School« und
»The Visit to the Child at Nurse«, Morland p. 260 Gs
Ward, »The Romps« u. »The Truants«, Bigg p. 200 Gs
W. Say, »Crossing the Brook«, H. Thomson p. 250 Gs
Ebenda wurden am 26. Juni für einen altirischen
»Kartoffelring«, ca. 1760, 219 £ 9 s, oder 330 s die Unze,
gezahlt, und am gleichen Tag bei Robinson, Fisher & Co.
1650 Gs für eine felsige Landschaft mit Schloß Bentheim
in der Entfernung, von J. van Ruysdael, 40x53, gez. (1890
480 Gs, 1907 744 £).
Bei Sotheby gingen am 30. Juni für die Bibliothek eines
verstorbenen ungenannten Herrn 5658 £ 18 s 6 d ein. Unter
den 187 Nummern waren die bestbezahlten folgende:

Das sogenannte »Bologna Missal«, Ms. Ende
15. Jahrh., ausgeführt für die Kathedrale des
hl. Petronius in Bologna, 139 S., 38 große u.
420 andere Miniaturen. 1000 £
Franz. Stundenbuch, 15. Jahrh.195 £
Engi. Stundenbuch, 15. Jahrh.165 £
Psalterium Davids, holl. Ms., 13. Jahrh. 85 £
Lat. Ms. des Neuen Testaments, 12. Jahrh. . . 195 £
Engi. Ms. des Neuen Testaments, Wycliffes Übers.,
1430 . 300 £
John Wotton, »Speculum Christiani«, gedr. von
W. de Macklinia, ca. 1480 . 241 £
»Life of St. Francis«, gedr. von R. Pynson . . . 125 £
»Chronicle of England«, gedr. von W. de Mach-
linia, 1484 . 125 £

Aus einer Christie-Auktion desselben Tages heben wir
folgende Preise hervor:
56 Kreidezeichnungen Gainsboroughs,Szenen aus
dem Landleben. 350 £
A. van Beyern, Stilleben, 34y2X31, gez. m. Init.
u. dat. 1657 280 Gs
Ruysdael, Flußszene, 15x20 . 230 Gs
J. C. Ibbetson, »The Miller and the Maid« und
»The Farmer and the Milkmaid«, beide 21X16 270 Gs
Downman, Damenporträt, 73/4x61/4-, oval, Aqu. 125 Gs

Am nächsten Tag versteigerte dieselbe Finna die Kunst-
gegenstände der Sammlung der verstorbenen Lady Dorothy
Nevill, wobei für 175 Nummern 6546 £ 4 s eingingen,

darunter:
Kleine Louis XV.-Marqueterie-Kommode . . . 460 Gs
Längl. Louis XVI.-Parqueterie-Tisch. 560 Gs
Sevres-Jardiniere, 61/4X51/2> 1767 . 300 Gs
Zwei Sevres-Vasen, 83/4 Zoll h., 1756 .... 220 Gs

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KUNSTAUKTIONEN

Henri Rochefort als Kunstsamm-
ler. Der kürzlich im Alter von 83 Jahren
in Paris verstorbene Journalist Henri
Rochefort war nicht nur der unermüd-
liche Arbeiter und geistreiche Polemiker,
der fast 60 Jahre lang selbst die Gegner
zu Achtung und Bewunderung zwang,
sondern wie alle seine Pariser Kollegen
hatte er ein Steckenpferd, das er be-
stieg, sobald er die Brotarbeit getan
und den tagtäglichen Artikel geschrieben
hatte. Rochefort ist eigentlich nur durch
die Gewalt der Umstände zum schreck-
lichen Ikonoklasten geworden, sein
innerstes Sehnen trieb ihn doch zu ganz
anderen Dingen. Seine eigentliche Liebe
war die bildende Kunst, und viel lieber
hätte er über Maler und Bildhauer,
als über Politiker geschrieben. Roche-
fort mußte also die Liebe zur Kunst für
den Privatgebrauch aufheben. Er war
einer der eifrigsten Besucher aller öffent-
lichen und privaten Sammlungen, einer
der besten Kenner der englischen, fran-
zösischen und niederländischen Kunst,
einer der ersten, der in Frankreich die
Engländer und Franzosen des 18. Jahr-
hunderts sammelte und pries, und einer
der aufmerksamsten und tätigsten Gäste
des Hotel Drouot.
Wie alle echten Sammler, denen nicht
unbegrenztes Geld und unbeschränkter
Raum zur Verfügung steht, sah Roche-
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