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Erscheinen monatlich dreimal. — Man abonnirt bei allen Buch- FH Preis für einen Band von 24 Nummern 3 fl. rhein., oder 1 Rthlr.

undKnnsthandlungeu, allenPostämternundZeitungserpeditionen. 21 Sgr. Einzelne Nnmmern kosten 9 kr. rhein., oder 3 Sgr.

Salon und Wüste.

Humoristische Crntroverse geaen Emaiicipatioii nnö ihre Lortschritte.

Emancipation ist jctzt an der Tages-Ordnung. Allcr-
orts hört man von Emancipation, in-jeder Zeitung liest man
von Emancipation und bald wird man mehr Emancipatio-
ncn haben, als Titel, mit dcnen man ste taufen will.

Die meisten Emancipationen versucht Deutschland, die
wenigsten Rußland, die eklatantesten Frankreich. Jtalien
fängt mit dem Emancipiren bei sich selbst an; Spanien und
Portngal sind dcr Spielplatz dcr Emancipation; und Däne-
mark ward erst kurz auf die Fingcr geklopft, weil es falsche
Begriffe von diescm Worte hatte. Doch meine Aufgabe ist
weniger cine Definition, wer emancipirt, sondern was und
wie emancipirt wird.

Emancipation der Fraucn ist ein altes Mährchen, cinc
poetische Hhperbel. Die Frauen haben das Heft in dcrHand,

lassen es nicht aus, wenn ste auch noch so sehr mit der an-
dern den Pantoffel schwingen müssen. Von einer Emanci-
pation wollen sie daher selbst nichts wissen.

Emancipation der Juden wird viel und häufig bespro-
chen. Doch was heißt hier „Emancipiren" ? Dte Juden ha-
ben das Geld in der Hand, zum Ueberflusse Verschreibungen
auf Leib und Seele in ihren Büchern, mithin die Christen
in der Tasche.

Emancipation der Bauern ist bereits keine Frage mehr.
Sie waren emancipirt als der bon ton bauernhastes Beneh-
men für graciöse Nonchalanye ansah.

Emancipation der Sklaven! Diese ist unausführbar.
Der Niedrigste ist Sklave dcs Höheren; der Höhere Sklave
des Höchsten; der Höchste Sklave des Günstlings; der Günst-
ling Sklave der Leidenschaft.

Woher nun eine weitere Emancipation nehmcn? End-
lich half die Barmherzigkcit der Verlegenheit ab und projck-
tirte eine Emancipation der Thtere. Freudig griff man nach
dem Projekte; freudig gab man, was man selbst nicht hatte.
Jch spreche hicr nicht von „Ochs" und,„Esel." O nein!
Die sind seit Menschengedenkcn allcrorts emancipirt, und ha°
ben bei einiger Protcktion sogar Ansprüche auf Anstellungen.
Allein durch die ncue Emancipation wurden dicse Rechte und
Ansprüche „erblich," und auf die Kälber übergetragen. Ein
Mensch in einfachen Lumpen fährt Kälber auf gcpolsterten
Wagen, und eben der Mensch, welcher in jeder Rede, jeder
Handlnng, jedem Blicke gcbunden, geschnürt und gcfesselt ist,
räumt dem Kalbe das Recht ein, solches als üvle Behandlnng
anzusehen und klagbar gegcn ihn aufzntreten.

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