Wanner, Peter [Compiler]
Heimatbuch der Stadt Lorch: Lorch: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Kloster — Lorch, 1990

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Eines der Stifterbilder in der Kirche des Klosters Lorch: Kaiser
Friedrich II.

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die Gräber mit Weihwasser besprengte. Am Morgen wurde
dann von dem Abt in seinem größten Ornate die Seelenmesse
gehalten und von ihm nebst den Mönchen Privat-Messen gele-
sen. Mittags versammelte das Todtenmahl, welches selten bei
den Jahrestagen fehlte, die Conventualen mit den Priestern des
Dorfes und mit den von auswärts zu dieser Feier gekommenen
Geistlichen«.39 1562 übertrug der letzte katholische Abt Bene-
dikt Rebstock den Stauf er jahrtag in die Pfarrkirche der katho-
lischen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (Graf 1984b, S. 104).
Mustert man die Texte der kaiserlichen Privilegien für Kloster
Lorch, so fällt auf, daß erstmals wieder 1398 ein Hinweis auf die
staufischen Stifter und Gönner, die »claren fürsten«, erfolgt.40
Am Ende des 14. Jahrhunderts fand die Lorcher Gründung auch
Eingang in ein kurzes deutschsprachiges Kompendium der
Reichsgeschichte, die sogenannte »Gmünder Kaiserchronik«
(Graf 198^ S. 166). Über die Regierungszeit Kaiser Heinrichs V,
die der Text irrig mit dem Jahr 1112 beginnen läßt, erfährt man in
der (älteren) Langfassung des Geschichtswerks: »In des kaisers
ersten iar do stifft hertzog Friderich von Schwaben Lorch das
closter«. Erklärbar ist diese Erwähnung durch die Nähe des
unbekannten Autors zur Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, in
deren Auftrag er das Werk verfaßt haben dürfte.
Eine allgemeine Kenntnis der Tatsache, daß Lorch eine Grün-
dung der schwäbischen Herzöge war, bezeugt etwa Gallus
Ohem, wenn er um 1490 schreibt, daß die Schwabenherzöge die
Klöster Lorch und Adelberg im Herzogtum Württemberg ge-
gründet hätten.41 Auch der Humanist Andreas Althamer ver-
klammerte die Gründung beider Klöster, nennt jedoch Herzog

39 Lorent 1867, S. 52; vgl. auch Mehring 1911, S. 141; OAB 1845, S. 185 mit
Anm.; Crusius 1733, II, S. 76.

40 Besold 1636, S. 746 - 748 in Anlehnung an das Privileg Rudolfs WUB
VII, S. 286.

41 »Scheviae duces fundarunt monasteria Lorch et Madeiburg in ducatu
Wirterbergensi«: Franz Joseph Mone in: Anzeiger für Kunde des deut-
schen Mittelalters 3/1834, Sp. 347 aus Landesbibl. Karlsruhe Cod.
Aug. 133 (Datierung und Zuschreibung an Ohem nach Felix Heinzer
in: Bibliothek und Wissenschaft 22/1988, S. 39). An anderer Stelle weiß
Öhem, Lorch sei von Herzog Friedrich von Schwaben gegründet wor-
den: Reichenauer Reichschronik (Zuschreibung Heinzer), ediert von
Gertrud Blaschitz: Eine »Deutsche Chronik« eines Anonymus [...].
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