Meinert, Friedrich
Die schöne Landbaukunst oder neue Ideen und Vorschriften zu Landgebäuden, Landhäusern und Oekonomie-Gebäuden ... in Grundrissen, Aufrissen und Durchschnitten: dargestellt durch Kupfertafeln von einigen der besten Baumeister und Conducteure in Sachsen (Band 1, Abtheilung 2) — Leipzig, 1798

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- XII und XIII. -

Ein Landgebäude im veredelten Aegyptischen Style.

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Das entfernte und in Ansehung des Himmelsstrichs, der Sitten, Gebräuche
und des Charakters der Bewohner von uns so verschiedene Aegypten hat
sich aus tien ältesten Zeiten her durch einen eigenen Styl in der Baukunst
charakterisirt. Hiervon geben die dem Alter nach unberechbaren Pyrami-
den den Beweis.

Die Bauart der Aegyptier drückt auf den ersten Blick Festigkeit und
Gröfse aus. Ihre Prachtgebäude sind ungeheure Steinmassen, erregen an-
fänglich Erstaunen, so wie Alles was sich durch ungewöhnliche Massen mar-
kirt. Da aber ihren Formen das Edle oder Gefällige fehlt, so verliert
sich der erste Eindruck; die Gröfse geht in Roheit über, denn durch den
Mangel am Edlen vermifst man zugleich das Angenehme, und Schöne und
findet nirgends gut gewählte Verhältnisse.

Die Form der ägyptischen Gebäude ist im Ganzen den Pyramiden
ähnlich, die sich vermöge ihrer eigenthümlichen Form nach der Höhe ver-
jüngen, doch so, dafs bei den Gebäuden die Spitze wegfällt, an deren Statt
eine Abdachung tritt und das Ganze zur abgekürzten Pyramide macht.

Diese Tdee liegt dem gegenwärtigen Gebäude zum Grunde. Der
Hauptcharakter, Festigkeit und Gröfse ist aus dem ägyptischen Style beibe-
halten, und das Fehlende ist durch das Genie des Baukünstlers ersetzt.
Nach dem Urtheile mehrerer Kenner der schönen Architektur ist die
Wahl glüklich ausgefallen und in der Ausführung hat der Architekt ein
Ganzes aus ägyptischen und eigenen Ideen dargestellt, welches nicht
ohne Beifall nachgeahmt werden wird.

N. XII. enthält den Grundrifs und die Hauptfaçade.

Im Grundrisse enthält A ein Vorzimmer mit Kamin; B ist ein
Gesellschaftssaal und C ein Kabinet.
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