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Metzger, Johann; Caus, Salomon de
Beschreibung des Heidelberger Schlosses und Gartens: nach gründlichen Untersuchungen und den vorzüglichsten Nachrichten bearbeitet; ; Mit 24 in Aquatinta, von C. Rordorf gestochenen Kupfertafeln ; Enth. außerdem: Hortus Palatinus / A Friderico Rege Bohemiae Electore Palatino Heidelbergae Exstructus Salomon — Heidelberg, 1829

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https://doi.org/10.11588/diglit.1646#0008
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und daraus verjagt, worauf er sich wahrscheinlich nach Oest-
reich flüchtete und daselhst 1319 starb.

Derbedrängten Lage halber, in welcher dieser Kurfürst
während seiner Regierung sich befand, mag er wohl nichts fäv
das Schlofs gethan haben, es ist vielmehr anzunehmen, dafs
unter ihm dasselbe vollends durch Krieg und Mangel an Un-
terhaltung zerstört worden ist. Hierauf folgte sein Sohn

8. Adolph, genannt der Einfältige,
geboren den 27. September 1300 zu Wolfrathshausen, wurde
nach dem Tode seines Vaters durch seinen Oheim, Kaiser

Ludwig, in die seinem Vater abgenommenen Länder wieder-
um eingesetzt, worauf er sich enlschlofs, sich mit Frau und
Kindern nach Heidelberg zu begeben. Nicht lange währte sein
Aufenthalt daselbst, indem er aus Liebe zur Ruhe die Regie-
rung seinem Bruder Rudolph II. 1327 übergab *) und nach
Oggersheim zog. Er starb zu Neustadt an der Haardt und
wurde zu Schönau begraben. Es ist anzunehmen, dafs dieser
Kurfürst, obgleich seine Regierung nicht sehr lange dauerte,
dennoch das zerfallene Schlofs wieder in bewohnbaren Stand
gesetzt habe.

*) Kaiser p. 2i3.

ZWEITER ZEITRAUM,

Von den ersten sicheren Nachrichten über die Existenz des untern Schlosses ^3^0 bis auf die Erbauungszeit einiger noch

vorfindlichen Schlqfsgebäude i346.

9. Rudolph H., Pfalzgraf und Kurfürst,
ein Sohn Rudolphs I. und zweiter Bruder Adolphs, geboren zu
Wolfrathshausen 1306 d. 8. August, vermählt mit Anna, Toch-
ter des Herzogs Otto von Kärnthen, 1327, folgte seinem älte-
sten Bruder 1327 in der Regierung, die er geraume Zeit mit
Ruprecht I., seinem Jüngern Bruder, gemeinschaftlich verwal-
tete. Im Jahr 1329 den 18. August verglich sich Kaiser Ludwig
mit den nachgelassenen Bruderskindern Rudolph II. und Ru-
precht I. zu Paviaj und gab ihnen alle ihrem Vater genomme-

nen Lande wieder zurück. In der darüber ausgefertigten Ur-
kunde ist auch das untere und obere Sohlofs begriffen, woraus
sich vermuthen läfst, dafs das untere HeidelhergerSchlofs längst
gestanden hat und von den ersten Pfalzgrafen, als sie ihre Resi-
denz hierher verlegten , gleichzeitig gegründet und erbaut wor-
den seyn möchte. Kurfürst Rudolph starb den 4. Oclober 1353,
und hat wahrscheinlich unter seiner Regierung Manches zur
Verbesserung des Schlosses beigetragen.
 
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