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Metzger, Johann; Caus, Salomon de
Beschreibung des Heidelberger Schlosses und Gartens: nach gründlichen Untersuchungen und den vorzüglichsten Nachrichten bearbeitet; ; Mit 24 in Aquatinta, von C. Rordorf gestochenen Kupfertafeln ; Enth. außerdem: Hortus Palatinus / A Friderico Rege Bohemiae Electore Palatino Heidelbergae Exstructus Salomon — Heidelberg, 1829

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https://doi.org/10.11588/diglit.1646#0013
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sind Werke, die er während seiner Regierung mit vielen Kosten
aufführen liefs.

Im Jahre 1524 veranstaltete Ludwig in dem Seegarten ein
grofses Stahlschiefsen mit der Armbrust, wozu er viele deutsche
Fürsten einlud, die sich damals über die Maasregeln bespra-
chen, durch welche sie dem bereits ausgebrochenen Bauern-
kriege so wie der in Deutschland allgemeinen Sittenverderbnifs
und Schwelgerei begegnen wollten. Und sie beschlossen des-
halb unter sich und für ihre Untergebenen einen Vertrag. *)

Den 25. April 1537 erhob sich Nachmittags um 3 Uhr ein

*) Mich. Heberer p. q.

schreckliches Gewitter mit furchtbarem Sturm über Heidelberg
und entleerte sich daselbst; ein Blitzstrahl schlug in das alte
Schlofs ein, entzündete das dort vorräthige Pulver, wodurch
eine solche Explosion entstand, dafs das ganze Scblofs mit allen
darin vorhandenen Kriegsgeräthen in die Luft sprang und das
untere Schlofs und die Stadt, so wie auch viele Menschen be-
schädigte.

Noch ehe dieser Fürst alle Werke, die er im Plane gehabt,
und wegen deren Kosten ihm sein Bruder und Nachfolger
Friedrich IL, oft Vorwürfe gemacht, beendigt hatte, starb er
im Schlosse im Jahre 1544 ohne Kinder und wurde in der Hei-
liggeistkirche beigesetzt.

FÜNFTER ZEITRAUM.

Von der Erbauung der großtentheils noch stehenden grofsen Wohngebäude, Erhöhung der Thürme, Erweiterung der Fortifica-
tionen und Anlegung des Schlofsgartcns von 4544 bis nach der Zerstörung des Schlosses und Beendigung des drcifsig-~
jährigen Krieges 4'649-

18. Friedrich IL, Pfalzgraf und Kurfürst,
ein Bruder Ludwigs V., geboren zu Winzingen an der Haardt
den 9. Decemher 1482, vermählt mit Dorothea, Tochter Chri-
stians IL, Königs in Dänemark, übernahm die Regierung im J.
1544. Obgleich er seinem Bruder wegen der allzu grofsen
Baulust früher Vorwürfe gemacht hatte, vollführte er dennoch
die von diesem angefangenen Gebäude und legte sogar den
Grund zu mehreren neuen Bauten. Zu dem Ende rifs er die

Reste der alten Jettakapelle, so wie einen Theil der Schlofs-
mauern gegen den Friesenberg, beim achteckigen Thurme, ab,
überschritt zuerst die östliche Grenze des Schlosses und erhaute
daselbst im Jahre 1549 den sogenannten neuen Hof, Taf. I. 33.
Ebenso liefs er das Dach des Unterbaues vom jetzigen achteckigen
Thurme abheben und setzte darauf den achteckigen Ueberbau
bis zur obersten Gallerie. Um die östliche Seite des Schlosses
zu sichern liefs er sehr wahrscheinlich die siimmtlichen Case-

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