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Metzger, Johann; Caus, Salomon de
Beschreibung des Heidelberger Schlosses und Gartens: nach gründlichen Untersuchungen und den vorzüglichsten Nachrichten bearbeitet; ; Mit 24 in Aquatinta, von C. Rordorf gestochenen Kupfertafeln ; Enth. außerdem: Hortus Palatinus / A Friderico Rege Bohemiae Electore Palatino Heidelbergae Exstructus Salomon — Heidelberg, 1829

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https://doi.org/10.11588/diglit.1646#0019
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ohne Erfolg blieben, so zogen sje, nachdem sie die Stadt ge-
plündert, am 20. November ab.

Während dieser Belagerung geschahen 900 Schufs auf das
Schlp'fs. Aus 14 halben Kartliaunen wurden allein 136 24pfün-
dige Kugeln hineingeworfen, wodurch, obgleich wohl wenig
Menschen verunglückten, das Schlofs aufserordentlieh beschä-
digt worden ist.

Vierzehn Tage später kamen abermals die Kaiserlichen
und Bayern und aecordirten mit der Stadt, die sich nicht halten
konnte, zogen darauf gegen das Schlofs und warfen Feuerku-
geln hinein, wurden aber durch 12000 Franzosen, die der
Besatzung zu Hülfe kamen, mit Verlust von 80 Mann Todten,
6 halben Carthaunen, 3 Feldschlangen, 3 sechspfündigen Stü-
cken und einem Feuermörser, den 12. December 1634, nach-
dem sie bei 76 Häuser verbrannt hatten, wieder vertrieben.

Im Sommer 1635 wurde das Schlofs ebenfalls durch die

Kaiserlichen und Bayern eingeschlossen, und da es sich nicht
halten konnte, so wurde es den 17. Juli von Abel Moda nach
einem Vertrage übergeben. Bei dieser Blokade blieb der um
die Belagerung so sehr verdiente Schwedische Obristlieutenant
Hounck, ein geborner Engländer, der mit seinem Waffenge-
fährten Abraham Mepell am westlichen Fufse des Schlofsaltanes
in ein gemauertes Grab gelegt wurde, wovon jetzt noch der
Grabstein auf Taf. I. 30 a ersichtlich ist.

Friedrich V. starb während des Krieges im Elende zu Mainz
den 19. November 1632, und wurde darauf nach Sedan ge-
bracht, wo er begraben liegt.

Endlich kam der Friedensschlufs, nachdem der Krieg 30
Jahre lang gewüthet hatte, ^zu Münster zu Stande, wornacli
Friedrichs Sohn, Carl Ludwig, in seine rechtmäfsigeu Erblande
eingesetzt wurde und die Bayern den 25. November von Heidel-
berg abzogen.

SECHSTER ZEITRAUM.

Von der allgemeinen Herstellung des durch den 3ojährigen Krieg zerstörten Schlosses von i64o ^s zur gänzlichen Foliendung
desselben und der Festungswerke vor dem Orleanschen Kriege 4,685.

25. Carl Ludwig, Pfalzgraf und Kurfürst,
ein Sohn Friedrichs'V., geboren zu Heidelberg 1617, vermählt
den 12. Februar 1650 mit Charlotte, Prinzessin von Hessen
Cassel, wurde 1649 als wirklicher Kurfürst in seine Erblande
eingesetzt, nachdem, so wie das ganze Land, auch vorzüglich

die Stadt und das Schlofs zu Heidelberg durch den 30jährigen
Krieg schonungslos zerstört worden war.

Am 7, October 1649 kam Kurfürst Carl Ludwig hier an
und schlug seine Residenz wieder in dem alten jetzt verödeten
Sitze seiner Väter auf. Das Schlofs, welches durch den lang-
 
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