Weinfurter, Stefan [Oth.]
Stauferreich im Wandel: Ordnungsvorstellungen und Politik in der Zeit Friedrich Barbarossas — Mittelalter-Forschungen, Band 9: Stuttgart, 2002

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JOHANNES LAUDAGE

Gewinner und Verlierer des Friedens von Venedig

»Im Jahre der Fleischwerdung unseres Herrn Jesu 1177 sah der Herr von seinem
erhabenen Thron herab auf die Menschenkinder, und es entstand ein Tag des Ju-
bels und der Freude in der Kirche Gottes; denn das Schisma endete, das die Kir-
che zwanzig Jahre lang gespalten hatte. Auch wurde Friede gemacht zwischen
regnum und sacerdotium und Einheit am Apostolischen Sitze, und die Kirche wur-
de geeint unter Alexander, und es ward ein Schafstall und ein Hirte«1. Diese Wor-
te des Geschichtsschreibers Arnold von Fübeck (t 1211/14) markieren im Grunde
bereits die ganze Dimension meines Themas. Denn vom Frieden waren viele
Menschen betroffen. Neben Alexander III. und Friedrich Barbarossa waren dies
zunächst die zweimal sieben mediatores, die im Auftrag von Papst und Kaiser an
die Stelle der ursprünglichen Schiedskommission aus sieben Kardinälen, sieben
Repräsentanten des staufischen Hofs und sieben Vertretern des Lombardenbun-
des getreten waren2. Ferner wären zu nennen die Städte und Reichsfürsten, die

1 Arnoldi Chronica Slavorum, ed. Johann Martin Lappenberg (MGH SS rer. Germ, in us. schol.,
14), Hannover 1868, lib. II, c. 3, S. 39: Anno incarnationis Domini nostri Ihesu 1177. respexit Dominus
de solio suo excelso super filios hominum, et ortus est in ecclesia Dei dies exultationis et letitie, cessante
scismate quod viginti annos ecclesiam dissipaverat. et facta est pax inter regnum et sacerdotium et unitas
in sede apostolica, et coadunata est ecclesia sub Alexandro, et factum est unum ovile et unus pastor.
2 Vgl. dazu MGH DFI. Nr. 658, S. 163, Z. 24-30 (Verfahrensregeln von Anagni); Romualdi Salemi-
tani Chronicon, ed. C. A. Garufi (L. A. Muratori, Rerum Italicarum Scriptores, VII, 1), Cittä di
Castello 21935, S. 274-283, bes. S. 274, Z. 6-22 (personelle Zusammensetzung der ursprünglichen
Kommission); ebd., S. 277, Z. 16-29 (Scheitern der dreiseitigen Verhandlungen) und ebd., S. 279,
Z. 27-30 (Zusammentritt der bilateralen Kommission); Le Liber Pontificalis 2, ed. Louis Du-
chesne, Paris 21955, S. 437-440, bes. S. 440, Z. 20 f. (bilateraler Charakter des Vertragsfriedens).
Die 1176 in Anagni verabredete Verfahrenspraxis wurde hiernach prinzipiell eingehalten, doch
verkomplizierten sich die Verhandlungen u. a. dadurch, daß die Gespräche mit den Lombarden
scheiterten und Barbarossa mit Abt Hugo von Bonnevaux, Bischof Pontius von Clermont und
dem Kartäuser Dietrich von Silve-Benite mindestens drei zusätzliche Friedensvermittler ein-
schaltete, was den Unwillen der von ihm selbst bestellten Kommissionsmitglieder um Erzbischof
Christiarl von Mainz hervorrief. Vgl. dazu MGH DFI. Nr. 690, S. 209, Z. 13-19; JL 12895 vom
30. Juli 1177/Migne PL 200, Sp. 1133; Romualdi Chronicon, S. 279, Z. 3-15 und ebd., S. 282,
Z. 32 - S. 283, Z. 5. Ausdrücklich erwähnt sei darüber hinaus die Tatsache, daß es über Pontius
von Clermont und Hugo von Bonnevaux in: Historia ducum Veneticorum, ed. Henry Simons-
feld, in: MGH SS 14, c. 12, S. 84, Z. 14 f. heißt: cjui ambo a rege Francie et a rege Anglie missi sunt
huius pacis exsistere mediatores. Da dieser Teil der Historia offenkundig auf Abrechnungslisten der
Venezianer fußt, die für die Beherbergung der auswärtigen Gäste in ihrer Stadt zu sorgen hatten,
darf man der Nachricht hohe Glaubwürdigkeit zuerkennen. Dadurch erhält der Charakter der
Gesandtschaft ein etwas anderes Gesicht als bei Knut Görich, Ein Kartäuser im Dienst Friedrich
Barbarossas: Dietrich von Silve-Benite (c. 1145-1205) (Analecta Cartusiana, 53), Salzburg 1987,
S. 61-74, der die diplomatischen Aktivitäten der beiden Gesandten allein »aus handgreiflichen
ordenspolitischen Interessen der Zisterzienser« (S. 73) herzuleiten versucht. Daß die Vermitt-
lungstätigkeit Dietrichs von Silve-Benite im Gegensatz dazu hauptsächlich mit persönlichen Din-
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