Weinfurter, Stefan [Oth.]
Stauferreich im Wandel: Ordnungsvorstellungen und Politik in der Zeit Friedrich Barbarossas — Mittelalter-Forschungen, Band 9: Stuttgart, 2002

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SEBASTIAN SCHOLZ

Symbolik und Zeremoniell bei den Päpsten in der
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts

Symbolik und Zeremoniell bei den Päpsten ist ein so vielschichtiges Thema, daß
in diesem Rahmen jeweils nur einzelne Facetten der Gesamtthematik behandelt
werden können. Die Ausführungen werden sich deshalb auf die Frage nach Sym-
bolik und Zeremoniell bei den Begegnungen zwischen Päpsten und Königen oder
Kaisern beschränken. Im Mittelpunkt sollen die Begegnung zwischen Papst Ha-
drian IV. und Friedrich Barbarossa 1155 bei Sutri sowie der Friede von Venedig
1177 stehen.
Als Friedrich I. im Mai 1155 in Richtung Rom zog, war Papst Hadrian IV.
über das schnelle Vorrücken des Königs beunruhigt und schickte ihm seine Lega-
ten entgegen. Es kam zu Verhandlungen über die Kaiserkrönung, deren Ergebnis
ein Sicherheitseid des Königs für den Papst, die Kardinäle und die römische Kir-
che war. Für Barbarossa leistete ein Ritter den Eid, den Papst und die Kardinäle
nicht an Leib und Leben zu schädigen, sie nicht gefangenzunehmen, ihnen ihre
Ehre und ihre Güter nicht zu entziehen, sondern diese zu schützen und die alten
Verträge zu wahren1. Aufgrund dieser Vereinbarung stimmte der Papst einem er-
sten Treffen mit dem König bei Sutri zu. Als Hadrian IV. in das Lager des Königs
einritt, verweigerte ihm Friedrich jedoch den Stratordienst, also das Führen des
päpstlichen Pferdes am Zügel, was zu Verwirrung und Unruhe unter den Kardi-
nälen führte, die den Papst begleiteten2. Nach dem Bericht des päpstlichen Bio-
graphen Kardinal Boso flohen die Kardinäle sogar, während der Papst ausharrte
und sich auf dem für ihn bereitgestellten Sessel niederließ, woraufhin Friedrich

1 Le Liber Pontificalis II, ed. L. Duchesne, Paris 1886, ND Paris 1981, S. 390 f.; vgl. J.F. Böhmer, Re-
gesta tmperii IV/2,1: Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122) bis 1190,1. Lie-
ferung: 1152 (1122) bis 1158, neubearbeitet von F. Opll, Wien/Köln/Graz 1980, Nr. 306 und Nr. 313.
2 Liber Pontificalis II (wie Anm. 1), S. 391; Le Liber Censuum de l'eglise Romaine I, edd. P. Fabre/
L. Duchesne, Paris 1910, Nr. 142, S. 414; Helmold von Bosau, Cronica Slavorum 1, S. 81, ed. B.
Schmeidler, MGH SS rer. Germ. 32, Hannover 31937, S. 152-154; Regesta Imperii IV 2,1 (wie
Anm. 1), Nr. 314; zu dem Vorgang vgl. H. Simonsfeld, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter
Friedrich I., Bd. 1, Berlin 1908, S. 330 und 677-688; R. Holtzmann, Der Kaiser als Marschall des
Papstes (Schriften der Straßburger Wissenschaftlichen Gesellschaft in Heidelberg NF 8), Berlin/
Leipzig 1928, S. 1-3; E. Eichmann, Das Officium Stratoris et Strepae, in: Historische Zeitschrift
142, 1930, S. 16-40; R. Holtzmann, Zum Strator- und Marschalldienst. Zugleich eine Erwide-
rung, in: Historische Zeitschrift 145,1932, S. 301-350; D. von der Nahmee, Zur Herrschaft Fried-
rich Barbarossas in Italien, in: Studi Medievali, Serie terza, 15,2,1974, S. 587-703, hier 683-687; H.
Fuhrmann, Willkommen und Abschied, in: Mittelalter, hg. von W. Hartmann (Schriftenreihe
der Universität Regensburg NF 19), Regensburg 1993, S. 111-139, hier 126; J. Laudage,
Alexander III. und Friedrich Barbarossa (Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 16), Köln/Wei-
mar/Wien 1997, S. 77-79.
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