Weinfurter, Stefan [Oth.]
Stauferreich im Wandel: Ordnungsvorstellungen und Politik in der Zeit Friedrich Barbarossas — Mittelalter-Forschungen, Band 9: Stuttgart, 2002

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HANNA VOLLRATH

Lüge oder Fälschung?
Die Überlieferung von Barbarossas Hoftag zu Würzburg
im Jahr 1165 und der Becket-Streit1

Friedrich Barbarossa versammelte seine geistlichen und weltlichen Großen zu
Pfingsten 1165 in Würzburg. Pfingsthoftage gehörten zu den Regelmäßigkeiten
königlicher Herrscherpräsentation. Der Pfingsthoftag von 1165 aber war etwas
Besonderes, denn er stand vor allem, vielleicht sogar völlig, im Zeichen des päpst-
lichen Schismas. In der Forschung wird ihm seit mehr als 150 Jahren eine große
Bedeutung beigemessen2.
Das Papstschisma bestand seit 1159. Der Kardinal Roland Bandinelli, der sich
als Papst Alexander III. nannte, war von der Partei des Kardinalskollegiums ge-
wählt worden, die sich Hilfe in den stadtrömischen Bedrängnissen eher vom Kö-
nig von Sizilien versprach, während Viktor IV. für die Ausrichtung auf Friedrich
Barbarossa stand, als Imperator Romanorum traditioneller Schutzherr der römi-
schen Kirche. Friedrich Barbarossa hat in Wahrnehmung dieser Funktion, die er
sich nach wie vor zuschrieb, eine Synode nach Pavia einberufen, die am 2. Fe-
bruar 1160 zusammentrat. Sie sollte die Papstfrage entscheiden. Eine Entschei-
dung der Papstfrage durch Synoden unter kaiserlicher Oberhoheit war für
Alexander III. genausowenig akzeptabel wie für die Könige von England und
Frankreich und ihre Kirchen, so daß Viktor IV. immer mehr als Papst von des
deutschen Königs Gnaden erschien.
Viktor IV. starb am 20. April 1164. Falls Barbarossa damals die Beendigung
des Schismas durch Anerkennung Alexanders III. erwogen haben sollte, so wurde

1 Mein Beitrag geht auf zwei Vorträge zurück. Ich habe zuerst die Einstellung englischer Ge-
schichtsschreiber, Bischöfe und adliger Laien zum Schisma auf dem Kölner Kolloquium vom
30.4. bis 2.5.1998 zu Ehren von Odilo Engels vorgetragen. Die Eide der englischen Gesandten
auf dem Hoftag zu Würzburg schienen mir mit den dort vorgestellten Ergebnissen unvereinbar,
ich wußte aber in Köln keine Lösung anzubieten. Für den Vortrag zu Ehren von Hermann Jakobs,
der am 2. März 2000 seinen 70. Geburtstag feierte, habe ich deshalb das Thema noch einmal auf-
gegriffen, um durch die detaillierte Untersuchung der Überlieferung der zentralen Quellen die
Würzburger Eide einer erneuten Prüfung zu unterziehen. So sei der Aufsatz beiden gewidmet:
dem verehrten Kölner Lehrer und dem langjährigen Heidelberger Freund.
2 Zuletzt mit ausführlicher Diskussion der Quellenlage Johannes Laudage, Alexander III. und
Friedrich Barbarossa, Köln/Weimar/Wien 1997. Als Schüler des Jubilars konnte Laudage nicht
zuletzt an dessen Forschungen zur Geschichte der Staufer anknüpfen. Als nach wie vor grund-
legend hat zu gelten die Gesamtdarstellung von Odilo Engels, Die Staufer, Stuttgart 1998, zu
Würzburg dort S. 86 ff.; methodisch überholt und in der gesamten Argumentation unzulänglich
Gerhard Rill, Zur Geschichte der Würzburger Eide von 1165, in: Würzburger Diözesan-Ge-
schichtsblätter 22,1960, S. 7-19.
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