Gramsch, Robert
Das Reich als Netzwerk der Fürsten: politische Strukturen unter dem Doppelkönigtum Friedrichs II. und Heinrichs (VII.) 1225 - 1235 — Mittelalter-Forschungen, Band 40: Ostfildern, 2013

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2. Weitreichende Entscheidungen: Die Krise von 1225/26

Schwerpunkt seiner Tätigkeit zunächst in Palästina, so musste es dem Orden zugleich
um den Ausbau seiner personellen und ökonomischen Basis gehen. Die Hinwendung
des deutschen Adels zu der neuen Gemeinschaft und zahlreiche Stiftungen ließen diese
Basis rasch anwachsen, so dass bereits zu Beginn der Regierungszeit Friedrichs II. eine
organisatorische Neugliederung erfolgte: Die Besitzungen des Ordens im nordalpinen
Reich wurden zu einer Ordensprovinz zusammengefasst, an deren Spitze ein Land-
komtur (der Deutschmeister) stand.^ Dem Gesamtorden präsidierte der Hochmeister -
prägend für die frühe Ordensgeschichte wurde der vierte Inhaber dieses Amtes, der aus
einem thüringischen Ministerialengeschlecht stammende Hermann von Salza.^0 Seinem
geschickten diplomatischen Handeln zwischen Kaiser und Papst wie auch seinem guten
Verhältnis zu den Fürsten, etwa den ludowingischen Landgrafen, verdankte der Deutsche
Orden eine rasante Entwicklung. Zu einem Glanzstück dieser Diplomatie wurde die Ver-
pflanzung des Deutschen Ordens von seinen gefährdeten Stützpunkten im ungarischen
Burzenland nach Preußen, die 1225 in Gang kam. Die Aktivitäten der Ordensspitze in
den Jahren 1225/26 zeigen mit besonderer Eindringlichkeit, wie komplex das Geflecht
der Reichspolitik damals war.
Um dies im Folgenden zeigen zu können, ist es nötig, noch einmal an den Startpunkt
der thüringischen Gesandtschaft zum Kaiser zurückzukehren, nach Weissensee. Landgraf
Ludwig hatte hier, wir erinnern uns, in Gegenwart des böhmischen Thronfolgers und
einer Reihe von Grafen dem Deutschen Orden in Thüringen wichtige Privilegien gewährt.
Sie bildeten, nach dem Urteil Dieter Wojteckis, ,,de(n) erste(n) Ausdruck der besonderen
Gunst der Thüringer Landgrafen gegenüber dem Deutschen Orden" überhaupt. '^' Zuvor
hatte der Orden seine besitzpolitischen Aktivitäten in Thüringen erheblich verstärkt, wo
Kommenden in Zwätzen und Porstendorf (beide an der Saale nördlich von Jena) und Nä-
gelstedt (bei der landgräflichen Stadt Langensalza, dem Herkunftsort des Hochmeisters)
aufgebaut wurden.'^ Schon 1224, wahrscheinlich während des Frankfurter Hoftages im
Mai, konnte Hermann von Salza mit dem Abt von Hersfeld einen umfangreichen Tausch
von in Thüringen gelegenen Gütern vereinbaren, wobei große Teile der Ordensspitze,
darunter auch der Deutschmeister Hermann Otter, anwesend waren.'^ Der Hochmeister
Orden, in: LexMA III, Sp. 768-777.
99 Hierzu v.a. DiETER WojTECKi, Studien zur Personengeschichte des Deutschen Ordens im
13. Jahrhundert (Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa, 3), Wiesbaden
1971; DERS., Der Deutsche Orden unter Friedrich II., in: FLECKENSTEIN (Hg.), Probleme, S. 187-
224; KLAUS MiLiTZER, Die Entstehung der Deutschordensbaileien im Deutschen Reich (Quellen
und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, 16), Marburg 1981; DERS., Von Akkon zur
Marienburg, S. 213-216.
100 Vgl. zur Person etwa WiLLY CoHN, Hermann von Salza (Abhandlungen der Schlesischen
Gesellschaft für vaterländische Cultur. Geisteswissenschaftliche Reihe, 4), Breslau 1930; HEL-
MUTH KLUGER, Hochmeister Hermann von Salza und Kaiser Friedrich II.: ein Beitrag zur
Frühgeschichte des Deutschen Ordens (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen
Ordens, 37), Marburg 1987, sowie UDO ARNOLD, Hermann von Salza, in: DERS. (Hg.), Die
Hochmeister des Deutschen Ordens 1190-1994 (Quellen und Studien zur Geschichte des
Deutschen Ordens, 40), Marburg 1998, S. 12-16.
'9' Diplom zu Weissensee: DOB II, Nr. 2261 (zur Datierung oben S. 104). Der Landgraf gewährte
dem Orden eine vollständige Zoll- und Abgabenbefreiung in seinen Landen. Zitat: WojTECKi,
Studien, S. 93A.
102 ygi hierzu allgemein BERNHARD SoMMERLAD, Der Deutsche Orden in Thüringen. Geschichte
der Deutschordensballei Thüringen von ihrer Gründung bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts
(Forschungen zur Thüringisch-Sächsischen Geschichte, 10), Halle 1931, insbes. S. 7; MiLiTZER,
Deutschordensbaileien, S. 71.
' 99 DOB II, Nr. 2254. Für das hersfeldische Gut in Altengottern (mitten im landgräfiichen Besitz,
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