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Literaturübersicht und Begriffsbestimmung.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen und Ausstellungen haben seit erwa 1920 Eigen-
art und Wandlungen des Stillebens genauer studiert: bemühte sich Bye 19211) noch,
durch einen Überblick über die Geschichte der Stillebenmalerei bis zur Gegenwart hin
das lediglich historische Vorurteil gegen diese Bildgattung zu zerstreuen durch den Hin-
weis auf farbliche und malerische Werte im Stilleben, so bedeuten Max Dvoraks Be-
trachtungen2) die eigentliche Grundlage aller folgenden wissenschaftlichen Bearbeiter
dieses Gebietes; Dvorak und Baldass übertrugen in fruchtbarer Ausweitung die durch
Riegl in seiner Würdigung des Gruppenporträts3) gewonnenen Kriterien auf einen neuen
Themenkreis und begannen damit die wissenschaftliche Erforschung der Stillebenmalerei.
Hoogewerff4) ergänzte 1924 die Zusammenstellung von Bye durch einen Überblick über
die Stillebenmalerei in Italien.

Die Stilleben-Ausstellung in den Haag 1926 ermöglichte erstmalig eine wissenschaft-
liche Betrachtung dieser Darstellungen auf Grund eigens zusammengebrachten Materials
durch G. Knuttel5). H. Furst6) bemühte sich in seinem 1927 erschienenen Werk um die
geistesgesehichtlichen Grundlagen und Wandlungen des Stillebens; auch umschreibt er
die Anteile der einzelnen Nationen. Dieser letzte Gesichtspunkt allein ist für R. War-
ner7) bestimmend gewesen: er veröffentlichte 1928 ein Bilderlexikon der holländischen
und flämischen Stillebenmaler mit zahlreichen Abbildungen, die von kurzen Charakte-
ristiken der Maler begleitet werden.

Die Brüsseler Stilleben-Ausstellung von 1929 hat durch den von E. Zarnowska8)
bearbeiteten Katalog befruchtend auf die Forschung eingewirkt: geschichtliche Einleitung,
Charakteristiken der einzelnen Maler und Darlegung der Schulzusammenhänge geben
dem Katalog den Wert eines Handbuches.

Das Jahr 1933 brachte in Amsterdam und Rotterdam bedeutende Stilleben-Aus-
stellungen9), sowie die Arbeit von Vorenkamp10). Mit der Brueghel-Ausstellung des
Jahres 193411) begann die Herauslösung und Würdigung von Meistern, die das 16. mit
dem 17. Jahrhundert verknüpfen; für die Kenntnis der frühen Meister des Stillebens
ist der Katalog dieser Ausstellung grundlegend. Ausstellungen der Jahre 1935 und

4) A. E. Bye, Pots and Pans, or Studies in Still-life Painting, Princeton, London, Oxford 1921.

2) M. Dvoräk, Betrachtungen über die Entstehung der neuzeitlichen Kabinettmalerei, heraus-
gegeben und erweitert von L. Baldass, Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band
XXXVI, 1923, S. 1 ff.

3) A. Riegl, Das Holländische Gruppenporträt, ebd. Band XXIII, 1902, Buchausgabe: Wien
1931.

4) G. J. Hoogewerff, Nature Morte Italiane del Seicento e del Settecento, Dedalo IV 1924,
S. 599 ff., S. 710 ff.

5) G. Knuttel, Het nederlandsche Stilleven, Medelelingen van den Dienst voor Kunsten en
Wetenschapen der Gemeente ’sGravenhage, 1926, II.

6) H. Furst, The Art of Still-life Painting, London 1927.

7) R. Warner, Dutch and Flemish Fruit and Flowerpainters of the XVIIth and ^CVIIIth
centuries, London 1928.

8) E. Zamowska, La Nature-Morte Hollandaise, Bruxelles 1929.

9) Amsterdam, Kunsthandlung J. Goudstikker; Rotterdam, Boymans Museum, beide mit kurz-
gefaßten Katalogen.

10) A. P. A. Vorenkamp, Bijdrage tot de Geschiedenis van het hollandsch Stilleven in de ze-
ventiende eeuw, Leiden 1933.

41) Amsterdam, Kunsthandlung P. de Boer; Katalog: De Helsche en de Fluweelen Brueghel
en hun invloed op de Kunst in de Nederlanden, Tentoonstelling in de N. V. Kunsthandel P. de
Boer, Amsterdam, 1934.

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