Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1907-1908

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Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins.

lebung des Heimatsinns und zur Förderung des Sinns für gediegene Arbeit
als Vorbildersammlung für Baumeister und Handwerker, als Anschauungs-
material für Schulen und Studierende, als Andenken und Erinnerung an die
Heimat zu dienen. Es ergeht daher in allen Gauen "Württembergs an die
Oberämter, Pfarrämter, Schultheißenämter, staatlichen Bauämter, Oberamts-
und Stadtbaumeister, Privatarchitekten, Lehrer und Studierenden, Altertums-
pfleger und -vereine, Vereine zur Hebung des Fremdenverkehrs, Künstler etc.
die Bitte, dieses Vorhaben kräftig zu unterstützen durch Einsendung vorhandener
oder selbstgefertigter photographischer Aufnahmen mit kurzer Bezeichnung
und Beschreibung von Oertlichkeiten. Die Beratungsstelle für das Baugewerbe
ist gerne bereit, den Freunden ihres Vorhabens auf Wunsch Aufrufe zu über-
lassen bezw. zu übersenden.

Literarische Neuheiten.

ILLUSTRIERTE GESCHICHTE DES KUNSTGEWERBES, in Verbindung mit ersten Fachleuten
herausgegeben von Georg Lehnert. (Berlin, Martin Oldenbourg.)

Wenn die Redensart von dem „längst fühlbaren Bedürfnis" nicht schon gar so abgebraucht
wäre, hier könnte man wirklich davon reden, denn schon lange ist auf dem Büchermarkt kein so
zeitgemäßes Unternehmen zustande gekommen, wie in diesem Falle. Wie häufig ist man schon aus
den Kreisen des gebildeten Publikums nach empfehlenswerten Behelfen gefragt worden, wenn man
sich über kunstgewerbliche Angelegenheiten näher und gewissenhaft informieren wollte, und stets
kam man in Verlegenheit. Konnte man denn mit gutem Gewissen heutzutage noch die beiden
Dioskuren aus den guten Tagen des Oesterreichischen Museums in Wien zitieren, konnte man denn
noch auf Buchers Geschichte der technischen Künste oder auf Falkes des Aelteren Geschichte des
Deutschen Kunstgewerbes hinweisen, von denen kaum ein Kapitel durch die neueren Forschungs-
ergebnisse nicht schon längst überholt worden wäre? So blieben denn immer nur einige gute,
neuere Museumskataloge übrig, die jedoch den selbstverständlichen Nachteil haben, daß sie haupt-
sächlich auf den zufälligen Besitz der betreffenden Sammlungen zurechtgeschneidert sein müssen. —
Umsomehr müssen wir uns freuen, daß nun — wie es nach den bisher herausgegebenen beiden
ersten Abteilungen bereits festzustehen scheint, in gründlicher Weise — einem unhaltbaren Zustande
abgeholfen worden ist. Dr. Georg Lehnert, der als Geschäftsleiter des überaus rührigen Vereines
für deutsches Kunstgewerbe in unausgesetzter Fühlung mit tüchtigen Kunsthistorikern und Museums-
beamten steht, hat in der Zusammenstellung seiner Mitarbeiterliste entschieden eine glückliche Hand
bewiesen. Von dem was bisher vorliegt, ist namentlich das vorgeschichtliche und antike Kunst-
gewerbe, das dem Greifswalder Professor Dr. Erich Pernice anvertraut ist, in vorzüglich ge-
gliederten und trefflich durchgeführten Abhandlungen geschildert worden, desgleichen das mittel-
alterliche Kunstgewerbe, in erster Reihe die Edelschmiedekunst und das Email von Professor Dr.
Otto von Falke, dem Kölner Museumsdirektor, der auf Grund seiner langjährigen, eingehenden
Forschungen auf diesen Gebieten mit vollem Recht als der beste Kenner gilt. In den übrigen Stoff
teilt sich der Herausgeber mit Swarzenski (Frankfurt), Behncke (Berlin) und Dreger (Wien) u. a.; einen
besonderen Genuß kann man sich von den Kapiteln über Ostasien von Otto Kümmel und von dem
über Empire- und Biedermeierstil von J. Folnesics (Wien) versprechen. Die äußere Ausstattung läßt
nichts zu wünschen übrig; mit Illustrationen ist nicht gespart worden; sie sind nicht nur sehr ge-
schickt ausgewählt, sondern auch ganz zufriedenstellend durchgeführt. Von besonderem Werte sind
die zahlreichen, dem sehr empfehlenswerten Werke beigegebenen, ausgezeichneten Dreifarbendruck-
tafeln. G. E. P.

V

Berichtigung: Die auf Seite 5 dieses Heftes abgebildete Schokoladekanne ist von Danhofer
bemalt.
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