Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1907-1908

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WÜRTTEMBERGISCHE KUNSTCHRONIK

APRIL, MAI, JUNI 1907.

Im Landesgewerbemuseum fand im April eine von der typographischen
Vereinigung in Leipzig zusammengestellte Postkarten-Ausstellung statt. Es
handelte sich hier nicht so sehr um die künstlerische als um die technische
Seite: die gebräuchlichsten, namentlich heutzutage fast allgemein üblichen Ver-
vielfältigungsverfahren wurden in einer überaus stattlichen, alle Abarten be-
rücksichtigenden Menge zur lehrreichen Anschauung vereinigt, und ein ausführ-
licher Katalog sorgte durch instruktive, gemeinverständliche Abhandlungen
nach allen Richtungen für die notwendigen Erläuterungen, so daß jedermann
die verschiedenen Abarten des Hoch-, Flach- und Tiefdruckverfahrens sowie
einiger anderer Spezialitäten zu unterscheiden lernte. Gleichzeitig fand in
der Vorhalle eine Sammlung Württembergischer Geschichts- und Kultur-
bilder statt: Fürstenbildnisse, Kostümblätter, Karten und dergleichen, vor
allem eine wertvolle Serie mitunter sehr alter Ansichten der verschiedensten
Städte und ihrer hervorragendsten Baudenkmäler. Ohne Rücksicht auf die
Reproduktionstechnik, also zum Unterschied von der gleichzeitig in der König-
Karls-Halle aufgestellten Postkartenausstellung, waren hier hauptsächlich in
Holzschnitten, Kupfer- und Stahlstichen und Lithographien, aber auch in Hand-
zeichnungen und Aquarellen höchst interessante Kunstblätter vereinigt, die uns
in die alten Zeiten versetzten und verschiedene wichtige Bau- und Kunstdenk-
mäler festhalten, die inzwischen längst vom Erdboden verschwunden sind.

Im Museum der bildenden Künste fand vom 1. Mai ab eine Ausstellung
französischer Kunstwerke statt.

Das Landesgewerbemuseum hat Mitte Mai eine Ausstellung eröffnet,
welche die besten modernen Arbeiten der alten bekannten kgl. sächsischen
Porzellanmanufaktur von Meißen zusammenfaßte. Um Interesse und Verständ-
nis für Porzellan im allgemeinen und namentlich für Meißner Porzellan in
weiteren Kreisen zu heben und damit den heutzutage so häufigen Wünschen
nach einer entsprechenden Einführung in das durch die Mode so überaus be-
günstigte Gebiet des Porzellans zu erlangen, wurden Führungsvorträge ver-
anstaltet. Der erste Führungsvortrag galt den alten Porzellanen, die bereits
eine ansehnliche Gruppe des Museums bilden.

Auf der diesjährigen Ausstellung im Glaspalast in München waren die
Stuttgarter Künstler durch eine Sammelausstellung des hiesigen Ortsvereins
der Kunstgenossenschaft vertreten.

Der Verein zur Förderung der Kunst hat im April seinen Rechenschafts-
bericht für die Jahre 1905 und 1906 ausgegeben. Der Verein war zum ersten-
mal in der Lage, aus den Zinsen der „Prinz Hermann von Sachsen-Weimar-
Stiftung" ein Stipendium auszuschreiben. Es waren Arbeiten von 15 Be-
werbern eingelaufen, unter denen das Stipendium dem Maler Karl Caspar
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