Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1907-1908

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Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins.

Ein wahres Glück für jede Neuerung ist es, daß die ,Donna mobile" sich im all-
gemeinen nicht erst lange zu irgend einer Nouveaute überreden zu lassen braucht,
sondern sich willig neuen Stimmungen hinzugeben pflegt. Auf diese "Weise wird zwar
auch jede flüchtige Modelaune häufig über Gebühr unterstützt; aber auf eine um so
begeistertere Aufnahme kann eine großzügige, namentlich ästhetische Bewegung rechnen,
wenn die Führerinnen und Ruferinnen im Streite die Ueberzeugung gewonnen haben,
daß hier etwas Gewaltiges auf dem Spiele steht.

Wir können in Stuttgart und Württemberg derzeit nicht darüber klagen, daß unsere
Damenwelt der Kunst und dem Kunstgewerbe teilnahmslos gegenüberstünde. Im
Gegenteil: Eine ganze Reihe schaffensfroher Vereine entfaltet in dieser Beziehung
ein sehr reges Leben. Der Schwäbische Frauenverein wetteifert mit dem Malerinnen-
verein oder mit dem Verein für Reformtracht, immer weitere Kreise für ihre Be-
strebungen zu gewinnen, und daß es auch an dem entsprechenden Nachwuchs nicht
fehle, dafür sorgen verschiedene, tüchtige Frauenarbeitsschulen in den größeren Städten
des Landes und vor allem in Stuttgart die Städtische Gewerbeschule für
Frauen und Mädchen.

Man muß kurz vor den Sommerferien die Ausstellung dieser Anstalt, die hier
über die Resultate der letzten zwei Jahre Rechenschaft ablegt, gesehen haben,
um vor dem redlichen Streben und tüchtigen Können dieser Schule Respekt zu be-
kommen.

Eigentlich ist es schon ein ehrwürdiges Institut, das auf eine lange Reihe von Jahren
zurückblicken kann; aber erst mit der 1899 erfolgten Reorganisation, an der die Kgl.

Kompositionen nach Natur-Motiven; Klasse Magdalene Schweizer.
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