Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1907-1908

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Mitteilungen des "Württembergischen Kunstgewerbevereins.

Umfrage veranstaltet, über deren Ergebnis Professor Osterrieth (Berlin) be-
richtete. Der Referent vertrat die Ansicht, daß im Kunstgewerbe der Arbeit-
geber ein Recht an den Entwürfen seiner Angestellten erwerbe, wenn es sich
um Arbeiten handle, die im Auftrage des Arbeitgebers oder als Dienstobliegen-
heiten ausgeführt würden. Es sei deshalb notwendig, Bestimmungen zu treffen,
durch die das Kunstsclmtzgesetz in diesem Sinne ergänzt werde. Die Debatte
ergab kein positives Resultat. Man hielt die Frage noch nicht für spruchreif
und vertagte deshalb die weitere Stellungnahme bis zum nächsten Verbandstage.

Professor Moser (Kaiserslautern) sprach über die Einrichtung von Kunst-
gewerbe- und Gewerbemuseen, wobei er die Einrichtungen in Süddeutschland
und Oesterreich als vorbildlich bezeichnete und dem Norden zur Nachahmung
empfahl. In der Besprechung des Referats über Lehrwerkstätten, in dem
Professor Thormählen (Magdeburg) diese als eine notwendige Ergänzung der
Meisterlehre bezeichnete und deren Vermehrung und weiteren Ausbau befür-
wortete, traten große Meinungsverschiedenheiten hervor. Geheimrat Dönhoff
betonte, daß die Schulwerkstätten nicht die Aufgabe hätten, die jungen Leute
auszubilden, sondern daß die Schule dem Berufe folgen müsse. Eine Ver-
mehrung der Schulwerkstätten wurde im allgemeinen nicht befürwortet und
darum die hierauf gerichtete Forderung des Referenten abgelehnt. Auf An-
trag des Kunstgewerbevereins Pforzheim wurde dann beschlossen, den Vorort
mit der versuchsweisen Errichtung von Wanderausstellungen neuer deut-
scher kunstgewerblicher Erzeugnisse unter den Verbandsvereinen zu beauf-
tragen. Ueber das Ergebnis soll im nächsten Jahre berichtet werden. Weiter
referierte Direktor Pabst (Leipzig) über die technische Arbeit als Erziehungs-
mittel. Der Referent glaubte auf Grund seiner Erfahrungen in Amerika fest-
stellen zu können, daß in den deutschen Schulen der technische Unterricht
zu wenig gepflegt werde. Die von ihm vorgeschlagene Resolution, in der
eine Reform auf diesem Gebiete angeregt wurde, gelangte zur Annahme.
Damit war die Tagesordnung erledigt.
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