Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 18.1915

Page: 279 280
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Edmund Groag, Prosopographische Beiträge

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historisch verwerfen dürfen 3°). In der Zeit
von Gallienus bis zur großen diokletianischen
Verfolgung blieb die Kirche im wesentlichen
unbehelligt; die vereinzelten Todesurteile, die
über Militärpersonen, wie den oben erwähnten

Marinus, gefällt wurden, erklären sich da-
durch, daß die Eigentümlichkeit der Heeres-
organisation und des Lagerkultes es leichter
zu Konflikten mit dem christlichen Bekenntnis
kommen ließ 3*).

Wien. EDMUND GROAG

Ephesische Funde und Beobachtungen.

Im Anschluß an den Grabungsbericht
R. Heberdeys, oben S. 77 ff., werden im fol-
genden einige Ergebnisse meiner Arbeiten
während der Grabungskampagne des Jahres
1913 mitgeteilt.
Die im Frühjahr 1912 unternommenen
Abschlußgrabungen an der Konzilskirche
hatten Knoll und mich zur Entdeckung eines
265"^ langen, 31^" breiten antiken Gebäudes
geführt, in welches die älteste basilikale Kirche
hineingebaut worden war. Der mit Sicherheit
ermittelte Grundriß dieses eigenartigen Lang-
baues, wie ihn Knolls rekonstruierte Planskizze
in Abb. 131 des Grabungsberichtes Jahresh. XV
1912 Beiblatt 202 ff. wiedergibt, zeigt einen
schmalen, durch zwei Säulenreihen geteilten
Mittelraum, an den sich am Ost- und Westende
je ein einschiffiger Apsidensaal anschließt. In der
erwähnten Planskizze war die Säulenstellung
des Mittelraumes auch an den Schmalseiten
vermutungsweise ergänzt worden, weil voraus-
gesetzt wurde, daß es sich um einen von
Hallen umgebenen offenen Hof handle. Diese
Voraussetzung trug jedoch der Erwägung
nicht genügend Rechnung, daß ein so langer
und so schmaler offener Säulenhof etwa.s
Ungewöhnliches und Unnatürliches ist, daß
sich dagegen die langgestreckte Grundrißform
des Gebäudes aufs beste erklärt, wenn der

Mittelraum ein bedachtes dreischiffiges Lang-
haus war, das beiderseits unmittelbar in die
Apsidensäle überging und durch sie seinen Ab-
schluß fand. Um die frühere Ansicht auch
äußerlich zu widerlegen, habe ich daher im
Herbste 1913 an der Stelle, wo die Säulen-
stellung an der östlichen Schmalseite des
Mittelraumes vermutet worden war, durch-
gegraben und dabei festgestellt, daß dort
niemals Fundamente für Säulen oder sonstige
Stützen vorhanden waren. Diese Feststellung
scheint mir deshalb von besonderer Wichtig-
keit, weil jetzt kein Hindernis mehr besteht, das
in Rede stehende ephesische Gebäude, dessen
Zweckbestimmung noch nicht feststeht, als
Musterbeispiel einer antiken Basilika des Ostens
und als unmittelbare baugeschichtliche Vor-
stufe der ältesten Kirchenbasiliken in Anspruch
zu nehmen.
In Fortsetzung der 1912 von Knoll und
mir durchgeführten Aufnahme der lysimachi-
schen Stadtmauer auf dem Bülbüldagh
wurden die Reste des gleichen Mauerzuges auf
dem Panajirdagh vermessen und dann die
Untersuchung des byzantinischen Stadt-
mauerringes in Angriff genommen. Bei
diesen Arbeiten ergab sich sofort, daß die
Mauerpartie zwischen der Einsattelung des
Panajirdagh und dem nördlich der Stadionfront

3°) ,,Dieses Martyrium kann keinen Anspruch
auf Glaubwürdigkeit machen"; Bigelmair, Beteili-
gung der Christen am öffentl. Leben 1902, 143;
Delehaye, Les origines du culte des martyrs 1912,
211, 7. Der in einer Inschrift aus dem Coemeterium

der Commodilla (Marucchi, Röm. Quartalschr. XI
1897, 209) genannte Asterius (an?e nufu/e donmi
Asferi) hat mit Äomptog nichts zu tun.
31) Vgl. v. Domaszewski, Westd. Ztschr. XIV
93; v. Harnack, Mission II 3 47 ff.
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