Panofsky, Erwin ; Saxl, Fritz
Dürers "Melencolia I": eine quellen- und typengeschichtliche Untersuchung — Teubner, 1923

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ZUM GELEITE

Die folgende Arbeit gründet sich in gewissem Sinne auf Karl
Giehlows Abhandlung „Diirers Stich ,Melencolia I‘ und der maximi-
lianische Humanistenkreis“ und fiihrt sie zu Ende.

Als der Unterzeichnete 1915 aus Giehlows literarischem Nachlaß
die „Hieroglyphenkunde“ herausgab; versprach er auch, die Buchaus-
gabe der „Melancholie“ bald nachfolgen zu lassen. Seither sind acht
Jahre verstrichen. Die Buchausgabe, von der bereits neun Bogen
(144 Seiten) in der Auflage gedruckt vorlagen und für die auch schon
sämtliche Klischees vorhanden waren; war nur scheinbar vollständig.
Mit dem anscheinend niemals formulierten Schluß, der sich aus dem
letzten (X.) Kapitel: „Die hieroglyphische Symbolik der;MelencoliaI‘“
hätte ergeben müssen, war Giehlow selbst, wie er mir wiederholt un-
zweideutig erldärt hat, nicht einverstanden. Daher war er auch vom
Jahre 1904 an, das als Datum auf dem Titelblatt der Buchausgabe steht,
bis zuletzt nicht zu bewegen, die Auflage zu Ende drucken zu lassen.
Zu einer Umarbeitung, die sich auch auf einen beträchtlichen Teil
des fertigen Druckes hätte erstrecken müssen, konnte er sich aber
ebensowenig entschließen.

Wollte man daher nach Giehlows Ableben die ,,Melancholie“ in
Buchform herausgeben und dies einigermaßen in seinem Sinne tun,
so mußte man sich an eine Neubearbeitung wagen, und das um so
mehr, als mittlerweile die Forschung ja nicht stillgestanden hatte.
Dank der freundlichen Vermittlung Friedrich Dörnhöffers fand sich
die hierzu geeignete Persönlichkeit in Herrn Professor A. Warburg,
der aber leider durch mannigfache Umstände an der geplanten Neu-
herausgabe verhindert wurde.

Inzwischen hatten, ausgehend einerseits von den 1903/04 veröffent-
lichten Forschungen Giehlows, andererseits von den seit Giehlows Tode
neuerschlossenen astrologischen Quellen, die Herren Dr. Panofsky und
Dr. Saxl eine Arbeit über die „Melancholie“ fertiggestellt, die sie ur-
sprünglich auf Anregung des seither verstorbenen Professors Max
Dvoräk in dem von diesem begründeten „Jahrbuch für Kunstge*
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