Spranger, Peter
Schwäbisch Gmünd bis zum Untergang der Staufer — Schwäbisch Gmünd, 1972

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V_> Geographische und besiedlungsgeschichtliche Voraussetzungen
Anders als bei Esslingen fehlen auf Gmünder Boden jegliche Spuren einer konti-
nuierlichen Entwicklung eines unter Königsschutz stehenden Marktes seit den Ta-
gen der Karolinger. Auch wird man grundsätzlich die städtebildende Kraft der
geographischen Lage nicht überschätzen. Doch sprechen gute Gründe dafür, daß
sich schon früh im Mündungsgebiet von Rems und Waldstetter Bach (Josefsbach),
dort, wo sich die Remstalstraße1 mit den Wegen kreuzt, die von den umliegenden
Dörfern ins Tal führen, eine Siedlung entwickelt hat.2 Während sich auf den um-
liegenden Liashöhen mit ihren fruchtbaren Ackerböden schon in alemannischer
Zeit Bauern angesiedelt hatten,3 waren die damals versumpften und durch Über-
schwemmung gefährdeten Talböden der Rems und ihrer Nebenflüsse, die mageren
Hänge des Stubensandsteins und darüber das Rutschgelände des Knollenmergels
für den Ackerbau wenig geeignet.4 Dies gilt schon für die römische Zeit.5 Auch
später begegnet auf der Gmünder Markung nie die Dreifelderwirtschaft, es feh-
len Brühl und Breite, und die kleinen Bauernsiedlungen der unmittelbaren Um-
gebung wie Rinderbach, Eutighofen, Brogenhofen (Bragenhofen) hatten keinen
langen Bestand. Nie ist in unseren Quellen von einer öschprozession in Gmünd
die Rede, nie von Getreidefeldern oder Bauern in der Stadt, dafür von Wiesen
und Weiden im Umkreis. Begründete Anhaltspunkte für einen Herrenhof oder
gar einen fränkischen Königshof auf Gmünder Boden sind nicht gegeben.6 Da-
gegen ist in hohem Maße wahrscheinlich, daß sich an jener verkehrsbegünstigten
Stelle des Remstals schon früh einzelne Handwerker niedergelassen haben,
Schmiede, Wagner, Seiler, Sattler und Töpfer, auch Herbergswirte und Händler.
Zu berücksichtigen ist auch, daß die Grenze zwischen den ,Urpfarreien“ Lorch und
Iggingen mitten durch die spätere Gmünder Markung verlief, etwa entlang dem
Mutlanger Bach und dem Leonhardsfriedhof, so daß später noch das Kloster Got-
teszell zu Iggingen,7 die Stadt Gmünd jedoch zu Lorch gehörte. Solche Beobach-
1 Vgl. K. WELLER, Die Reichsstraßen des Mittelalters im heutigen 'Württemberg. Württ. Vier-
teljahresh. f. Landesgesch. N. F. 33 (1927) 1 ff., bes. S. 16 u. 36.
2 Vgl. zum folgenden A. DEIBELE, Geschichte der Reichsstadt Gmünd, Gmünder Heimatbll.
12. Jahrg. März 1951, 1 f., April 1951, 1 f., Sept. 1951, 4 ff.
3 Vgl. auch A. H. NUBER, Der Grundbesitz der ältesten Geschlechter von Gmünd und seine
Bedeutung für die Siedlungsgesch. bis zur Gründung der Stadt, Diss. Tübingen, 6 f. (mschr.).
4 Auf diesen Gegensatz verweist schon J. A. RINK, a. O. 71 f. Auch M. CRUSIUS I 521 be-
scheinigt Gmünd kein „sonderlich fruchtbares Erdreich“; vgl. auch DOM. DEBLER I 81; neuer-
dings W. TRINKLE, Die Geologie im Landkreis Schwäbisch Gmünd, Stuttg. 1972, 27 ff.
5 Vgl. O. PARET, Die Vor- u. Frühgeschichte der Landschaft um Schwäbisch Gmünd, in:
Schwab. Gmünd. Beiträge zur Geschichte u. Gegenwart der Stadt zus. gestellt v. P. Scherer,
hrsg. Stadt Schwäb. Gmünd 1971, 283.
6 Vgl. oben S. 51.
7 Gotteszell gehörte nicht zu Lorch; so jedoch G. MEITRING, Stift Lorch, Quellen zur Ge-
schichte einer Pfarrkirche, Württ. Geschichtsquellen 12, Stuttg. 1911, S. XVII; im Anschluß
daran W. FAUTER, a. O. 6. Die einschlägigen Belege jetzt vor allem bei G. M. KOLB, Ge-
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