Spranger, Peter
Schwäbisch Gmünd bis zum Untergang der Staufer — Schwäbisch Gmünd, 1972

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Die Gründung der Stadt

Fiskus übergegangen. Ein großer Teil des späteren Reichs- und Königsguts stammt
von dieser Beschlagnahme her.15 Reichslehen auf Gmünder Gebiet sind auch in
nachstaufischer Zeit immer wieder erwähnt; letzte Reste haben sich bis zum Un-
tergang der Freien Reichsstadt gehalten.16 Sprechen somit gute Gründe dafür,
daß Gmünd auf einstigem Reichsboden angelegt wurde, so ist doch für die stau-
fische Zeit festzuhalten, daß es eine klare Unterscheidung von Reichsgut und Fa-
miliengut jedenfalls in der staufischen Verwaltungspraxis nicht gegeben hat. Bei-
des wurde als zusammengehörige Masse genützt. Es hieße die Dinge anders
machen als sie gewesen sind, wollte man aus diesem fortwährenden Verschmel-
zungsprozeß das eine vom anderen nachträglich trennen.17 Man hat für Göppin-
gen die Auffassung vertreten, das dortige Reichsgut sei möglicherweise erst nach
dem Tode des letzten Saliers, Kaiser Heinrichs V. (1125), in die Hand der Staufer
gekommen.18 Demgegenüber kann mit Sicherheit gesagt werden, daß das Gmün-
der Gebiet damals bereits zum festen Bestand des staufischen Besitzes gehörte. Be-
sonders aufschlußreich ist hier die Entstehungsgeschichte der Johanniskirche. Ihr
müssen wir uns noch einmal zuwenden.

D Die Vorgängerin der Johanniskirche
Wir fragen nach der Vorgängerin der heutigen Basilika, nach jener einschiffigen
frühromanischen Anlage, deren Fundamente bei den Restaurierungsarbeiten um
1870 aufgedeckt wurden. Bedauerlicherweise beschränkt sich der damalige For-

15 Aus der umfangreichen Literatur nenne ich M. STIMMING, Das deutsche Krongut im 11. u.
12. Jahrh., 1. Teil: Die Salierzeit, Histor. Studien (hrsg. E. Ebering) 149, Berlin 1922, 23;
K. PUCHNER, Patrozinienforschung u. Eigenkirche mit bes. Berücksichtigung des Bistums
Eichstätt, Diss. München 1932,8; K. WELLER, Besiedlungsgesch. Württembergs, Stuttg. 1938,
185 ff. 206 u. ö.; W. METZ, Das karolingische Reichsgut, Berlin 1960, 112; ders., Staufische
Güterverzeichnisse, Berlin 1964, 112.
16 Dieses Thema erfordert eine eingehende Untersuchung. Hier nur einige Hinweise. Rudolf v.
Habsburg, der das staufische Erbe antrat, überließ dem Kloster Maulbronn aus den Reichs-
gütern in Gmünd aus Mühlen und Zinsen 2372 ft h; vgl. Reg.: GUB 40 (1277 Juli 6); auch
das Spital zum Hl. Geist wurde auf staufischem bzw. auf Reichsboden erbaut; vgl. J. N. DEN-
KINGER - A. WÖRNER, Das städtische Hospital zum Hl. Geist in Schwab. Gmünd, Tü-
bingen 1905, 99. 106 f. 110; zum Dominikanerkloster (Prediger) vgl. oben S. 51 Anm. 27.
Weitere Anhaltspunkte ergeben sich aus GUB 164 (1339); ebda. Bd. II Nachtr. 21 (S. 227),
30 (S. 228); vgl. auch A. H. NUBER, a. O. 52 ff. — EUSTACHIUS JEGER, Periphrasia
(zit. oben S. 32 Anm. 11) S. 797 f. erwähnt kaiserliche Lehen unter dem Siechenberg und bei
der Ziegelwiese; zu Gotteszell vgl. G. M. KOLB, a. O. 9 bes. Anm. 40.
17 Vgl. O. BORST, Esslingen a. N. 30.
18 Vgl. K. KIRSCHMER, a. O. 68 f.; W. LIPP, Alt-Göppingens bauliche Entwicklung, Göppin-
gen 1962; 15 f.; vgl. jedoch oben S. 69 Anm. 13.
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