Spranger, Peter
Schwäbisch Gmünd bis zum Untergang der Staufer — Schwäbisch Gmünd, 1972

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Die Gründung der Stadt

senden baulichen und organisatorischen Maßnahmen auch die Gmünder Markung
festgelegt wurde.90 Sicher gehört in diesen Zusammenhang auch die Umleitung
von Rems und Waldstetter Bach (Josefsbach), die von nun an der Stadtmauer im
Norden und Westen folgten und damit zu einem Bestandteil der Befestigungs-
anlage wurden.91 Diese großangelegte Flußregulierung schuf eine wesentliche
Voraussetzung für den Umfang des künftigen Siedlungsraumes. Mit der Pfarr-
kirche auf dem Miinsterplatz erhielt die Stadt nun auch ihren kirchlichen Mittel-
punkt.

H
Jl X Die Absicht der Gründer

Wer in der Entwicklung Gmünds zur Stadt keinen selbstläufigen Prozeß, in seinei
baulichen Entwicklung kein planlos gewachsenes Gebilde festzustellen vermag,
kann nicht umhin, auch die Frage nach der Absicht der Gründer zu stel-
len. Dabei treten zwei Motivreihen in den Vordergrund: das fiskalisch-wirtschaft-
liche, vor allem aber das militärisch-territorialpolitische Interesse.
Schon längst hatte sich um die Mitte des 12. Jahrhunderts der Übergang von der
Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft angebahnt. Wie sich die Städte Ober- und

90 Vgl. oben S. 35.
91 Die Rekonstruktion des einstigen Flußverlaufs ergibt sich an Hand der Höhenlinien, worauf
schon Prof. Dr. R. LÖFFLER in einem Vortrag von 1933 verwiesen hat; vgl. A. DEIBELE,
Gmünder Heimatbll. 10. Jahrg. 1937, 102 ff. Ursprünglich floß die Rems zwischen der heuti-
gen Vorderen und Hinteren Schmiedgasse durch die Kappeigasse, das Arentor (heute Waisen-
bogen) und die Ledergasse. Bei der Bahnhofsbrücke erreichte sie ihr heutiges Bett. Nach der
ersten Regulierung nahm sie ihren Lauf außerhalb der staufischen Mauer durch die heutige
Hospitalgasse, umfloß den Spitalhof und erreichte in der Ledergasse wieder ihr altes Bett; vgl.
H. BELLEM, a. O. 41 ff.; zuletzt A. DEIBELE, Aus der Vorgeschichte von Gebäude Kappel-
gasse 13, Stauferland 10, Okt. 1971. Über die späteren Umleitungen der Rems vgl. ders., Die
Ledergasse — eine Straße mit alter Tradition, einhorn 46, April 1961, 76 ff.; ders.. Von unse-
ren Schmiedgassen, einhorn 51, Febr. 1962, 19 ff. — Der Waldstetter Bach floß zu-
nächst durch die heutige Sebaldstraße, dann mitten über den Marktplatz und erreichte die
Rems beim Spital. Im Zusammenhang mit der Errichtung der staufischen Befestigungsanlage
wurde der Bach bei St. Loreto umgeleitet und den Turniergraben entlang geführt. An seinen
damaligen Verlauf erinnert noch die heutige Badmauer westlich des Predigers. Er mündete in
die Rems im Bereich der Ledergasse. Sein jetziges Bett erhielt der Bach im Zusammenhang mit
der Ummauerung der westlichen Vorstadt nach 1300. Ein schmaler östlicher Arm des Wald-
stetter Bachs floß weiterhin als ,Thierach“, ,Thierbach“ oder Stadtbach über den heutigen Markt-
platz; vgl. H. BELLEM, a. O. 23 f.; A. DEIBELE, Über die Sebaldstraße, einhorn 48, August
1961, 203 ff.
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