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Der Stadtadel

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Beinamen, die sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts allgemein durch-
setzen. Von nun an zeichnen sich immer deutlicher ab jene Gmünder Geschlechter,
die dann im 14. Jahrhundert als Patriziat (Meliorat) der Freien Reichsstadt und
damit als geschlossene soziologische Gruppe zu entscheidendem Einfluß gelangt
sind: die Al wich, Eberwin, Guland, Hespler, Im Steinhaus, Klebzagel, Rinder-
bach, Ruch, Schopp, Stöbenhaber, Taler, Turn, Vener, Vetzer, Wolf, Zisselmüller,
um hier nur die wichtigsten Namen zu nennen.3 Stellt man die Frage nach der
Herkunft dieser Familien, so stößt man bald an die Grenze des Exakt-Erforsch-
baren. Manche von ihnen mögen benachbarte, manche ortsansässige Grundbesitzer
gewesen sein. Eine ganze Reihe scheint ursprünglich dem Ministerialenstand an-
zugehören: als staufische Dienstleute wurden sie auf stadtherrlichen Befehl in der
zielstrebig geförderten Siedlung an der Rems angesiedelt, um die Wehrhaftigkeit
der Stadt zu erhöhen.4 Daß sie am Aufbau der Stadt in hohem Maß beteiligt
waren, auch zum Bau der Gotteshäuser große Mittel aufgewendet haben, ist anzu-
nehmen; so geschah es auch beim benachbarten Prämonstratenserkloster Adelberg.5
Die meisten dieser Herren, die dann in der Stadt in führender Stellung tätig
waren, stammten aus der engeren Umgebung wie jener Cunradus de Boemikirche
oder jener Cunradus Mekkilinger (Mögglinger), die unter anderen cives Gamun-
dienses 1275 als Zeugen erscheinen;6 mehrfach haben sich auch andere adelige
Familien aus der Umgebung in Gmünd niedergelassen und dort Grundbesitz er-
worben.7 Weitere Perspektiven eröffnet der Name Rinderbach. A. H. NUBER
hat darauf verwiesen, daß der Name später auch bei den Ministerialen der Pfalz
Ingelheim begegnet;8 möglicherweise wurde einer der dort ansässigen Dienstman-
nen nach Gmünd beordert, um hier das Schultheißenamt zu übernehmen.9 Ein
sicherer Nachweis ist freilich nicht zu erbringen.
Obwohl die Vertreter der ,Geschlechter' zunächst nur von ihrer Zeugenfunktion

3 Vgl. A. H. NUBER, Der Grundbesitz der ältesten Geschlechter von Gmünd und seine Bedeu-
tung für die Siedlungsgeschichte bis zur Gründung der Stadt, Diss. Tübingen 1956, Anhang
S. 1 ff. (mschr.).
4 Eine erste Bestandsaufnahme gab schon G. BOSSERT, Die Ministerialen der Staufer in ihrer
schwäb. Heimat u. in Franken, Württ. Vierteljahreshefte f. Landesgesdi. 13 (1890) 76; vgl.
auch OAB 135. 240 ff.; W. FAUTER, a. O. 76 ff.; H. RABE, a. O. 105 f.; A. H. NUBER,
Staufische Dienstleute in Schwab. Gmünd, Stuttg. Zeitung v. 5. 1. 1971.
5 Vgl. B. ODEBRECHT, Kaiser Friedrich I. und die Anfänge des Prämonstratenserstifts Adel¬
berg, Zeitschr. für württ. Landesgesch. 6 (1942) 44 ff.; zu Faurndau und den Rechbergern vgl.
W. METZGER, Die romanische Stiftskirche in Faurndau u. die Plastik ihres Ostgiebels, Neu-
Ulm 1971, 22.
6 Vgl. WUB VII Nr. 2535, S. 398 — Reg.: GUB 39; Konrad von Böhmenkirch wird als dominus
bezeichnet; Konrad von Mögglingen ist vielleicht ein Nachkomme des 1171 genannten Kuno
von Megelingen; vgl. Reg.: GUB 6.
7 Weiterführende Hinweise bei M. GRIMM, a. O. 59 ff.; OAB 240 ff.
8 Vgl. A. H. NUBER, Die Gmünder Schultheißen von Rinderbach, Festbuch S. 100 ff.
9 Ein deutlicher Hinweis auf die ministerialische Herkunft des Geschlechts ist auch die Erwäh-
nung eines Valterius de Rinderbach im Gefolge Kaiser Heinrichs VI. in Siena (1191 Okt. 8);
vgl. K. F. STUMPF, Die Reichskanzler 3, 703.
 
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