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Erklärung

der Rupfer -Tafeln

Titelbild.

Hüne antike Gräberstätte mit der Darstellung von Denksteinen verschiedener Form, wie sie bald als blosse
oben abgerundete Pfeiler und geweihte Giebelpfeiler (Stelen), bald als Säulen (Kiones) oder runde Altäre,
bald als geheiligte Häuser oder ewige Wohnungen (Aedicula, Naiidia) mit erhobenem Bildwerk geziert
vorkommen. Halb verschüttet und versunken ragen diese Grabübersätze oder Epithemen neben blühendem
Asphodelos, jener Trauerpflanze der Abgeschiedenen im Elysium, aus steinigem Boden hervor, dessen
Beschaffenheit, nächst der Gestalt des unfern aufsteigenden Berges Hymettos und der Klarheit des über-
gebreiteten ionischen Himmels, eine Gegend in Attika zu erkennen giebt. Im Vorgrunde liegt umgestürzt
eine zu Delphi gefundene, mit Akanthosblättern und Schnörkeln geschmückte Grabstele, auf welcher die
Inschrift: Aiauida %alQ6 (Aiakides lebe wohl!) den Molosserfürsten dieses Namens, den nach der Pythia
Verheissung im dritten Jahr der Ol. CXVEH (306 v. Chr.) zu Delphi verstorbenen Vater des Königs
Pyrrhos von Epirus bezeichnet (siehe Pausan. L. I, c. XIII, 8.). So bestimmt der Name die Kunstepoche
des Denkmals und veranlasst den Vergleich des darin herrschenden gesunkenen Geschmacks mit dem
reinem, der in nebenstehenden frühern Werken erkennbar ist. Uebrigens liegt in den beiden Anfangs-
buchstaben des Namens, wie im Namen Aias, der Wehelaut at, den die Alten in Strichen auf den Blät-
tern des Blüthenkelchs des erwähnten Asphodelos, der Hyacinthe oder des Kosmosandalon, und des Ritter-
sporns oder der Aiasblume, wo man deutlich die vier Buchstaben XIX* findet, bemerkten; daher sie
diese Pflanzen für Trauer- und Todtenpflanzen hielten und insbesondere die Entstehung der Hyacinthe
aus des vom Diskos des Apoll getroffenen Hyakinthos, die der Aiasblume aus des selbstentleibten Aias
Telamonios Blute herleiteten. Der letzte Abschiedsgruss %alQE, der gemeiniglich auf Grabsteinen steht, und
zugleich die beim Wegtragen des Verstorbenen, Auslöschen des Scheiterhaufens und Vergraben der Reste
des Todten ausgesprochene Bestattungsformel war, hat eine sinnige, tiefe Beziehung auf die Trennung des
Todes und den Uebergang der Seele zu einem höheren Leben, zu dem der Verstorbene, in Charons (des
Freudigen) Nachen eintretend, gelangt. Eine andere über dieses Denkmal vorragende Stele aus Ampelacki
bei Athen, ein Giebelpfeiler ohne Inschrift, enthält eine Darstellung des Abschiedsgrusses zwischen zwei
vermuthlich zugleich gestorbenen Freunden in erhobenem Bildwerk, und der neben jedem von beiden
angebrachte Wasserkrug, Hydria, deutet auf Ihre Läuterung und Einweihung in die Mysterien; darum auf
der zu Dium dem Orpheus gesetzten Grabsäule das Sinnbild der blossen Hydria aus Stein, welche seine
Gebeine umschloss, den Lehrer der geheimen Weihen selbst zu bezeugen genügte.

Ein ähnliches Gefäss, nur in grösserem Maasstabe, kommt auf dem Relief der mittleren Stele vor;
da diese keine Schrift und kein näheres Abzeichen der Person, der sie gewidmet war, zeigt, so scheint
sie dem Grabe einer Jungfrau anzugehören, und der Wasserkrug im besonderen Sinne der bräutlichen
 
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