Ulbert, Günter
Die römischen Donau-Kastelle Aislingen und Burghöfe — Limesforschungen, Band 1: Berlin, 1959

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Aislingen zu erblicken, doch ist es nicht gelungen,
den durch das Fundmaterial belegten zeitlichen Ab-
stand beider Lager zu überbrücken. Wahrscheinlicher
ist, daß das Kastell Günzburg an die Stelle von Ais-
lingen trat89. Hier ist der frühflavische Fundhorizont
stark vertreten und von dieser Seite her mühelos ein
Anschluß an die Aislinger Materialien zu gewinnen.
Die Fertigstellung des flavischen Kastells ist durch
die Bauinschrift vom Jahre 78 (Vollmer 196) ge-
sichert. Ein gleichzeitiges Nebeneinanderbestehen der
Kastelle Günzburg und Faimingen ist auch aus die-
sen Gründen unwahrscheinlich. Im Zuge der domi-
tianischen Expansion90 auf das Gebiet nördlich der
Donau trat das Kastell Heidenheim an die Stelle von
Günzburg. Die Lage und Anlage von Faimingen
bleibt in jeder Hinsicht exzeptionell.
Sowohl Baubefund als auch Fundmaterial machen
ein Weiterbestehen des Kastells Burghöfe in vespasia-
nischer Zeit sehr wahrscheinlich, obgleich sich an die-
ser Stelle ein kleiner Straßenvicus entwickelte und
dadurch die Aussage des archäologischen Materials
insofern etwas entwertet, als wir die einzelnen Fund-
stücke im Gelände nur in den seltensten Fällen
genauer fixieren können. Es besteht also durchaus die
Möglichkeit, daß das eine oder andere Stück schon
aus dem Vicus stammt. In der spätvespasianisch-
frühdomitianischen Zeit müssen, nach der Bau-
inschrift des Kastells Kösching (80 n. Chr., Vollmer
257) zu urteilen, die ersten Kastelle nördlich der
Donau entstanden sein. Von der Vorstellung einer
einheitlichen Grenzvorschiebung auf die Linie Pför-
ring—Kösching—Nassenfels ausgehend hat man auch
ein Wörnitzkastell vermutet, das die Nachfolge von
Burghöfe angetreten haben soll91.
W. Schleiermacher93 sieht ferner in der Linie Burg-
höfe—Munningen—Hesselberg eine Fortsetzung der
Via Claudia nach Norden und vermutet, daß bei
einer sorgfältigen Erkundung dieses Landstriches
vom Boden und aus der Luft noch weitere kleinere
Erdkastelle entdeckt werden könnten. Nun ist das
Kastell Munningen, dessen Fundmaterialien in früh-

domitianischer Zeit einsetzen93, aus der unter Domi-
tian angelegten Okkupationslinie Gomadingen—
Donstetten—Urspring—Heidenheim—Oberdorf nicht
herauszulösen. Es scheint m. E. zunächst kein zwin-
gender Grund vorhanden, ein Wörnitzkastell zu
postulieren, denn ebenso wie Günzburg nach Heiden-
heim vorverlegt wurde, kann das Kastell Munningen
unmittelbar nach der Auflassung von Burghöfe an-
gelegt worden sein.

Damit endet die Geschichte der frührömischen

Kastelle Aislingen und Burghöfe. Blicken wir noch-
mals zurück, so stellt sich uns die Okkupation des
Alpenvorlandes in vier Phasen dar: Die erste Phase
besteht in der Eroberung unseres Gebietes im Jahre
15 v. Chr. und in der Anlage des Legionslagers Augs-
burg-Oberhausen als eine der Ausgangsstellungen für
Eroberungszüge gegen die Germanen. In der zweiten
Phase wird im Zusammenhang mit der Einstellung
der Offensivpolitik gegen die Germanen Oberhausen
als Legionslager aufgegeben. Es entstehen im An-
schluß an die Gründung des Lagers Vindonissa eine
Reihe von Binnenlandgarnisonen von Bregenz bis
Gauting. Die dritte Phase bringt in spättiberisch-
claudischer Zeit die Sicherung der Donaulinie durch
die Anlage einer Reihe von Erdkastellen am Süd-
rand des Flußtales. In dieser Phase sind auch die

hier behandelten Kastelle Aislingen und Burghöfe
entstanden. Diese Donaulinie bildete zugleich nach

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