Ulbert, Günter
Die römischen Donau-Kastelle Aislingen und Burghöfe — Limesforschungen, Band 1: Berlin, 1959

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Bruchstücke von Kannen, Krügen und
Flaschen (Taf. 13, 32—37) liegen vor allem aus
Aislingen in großer Zahl vor, ohne daß sich jedoch
ein Gefäß ergänzen ließe. Das Oberteil einer Kanne
Taf. 13, 32 entsprach vermutlich der Form Hof-
heim 1352. Taf. 13, 37 zeigt Hals- und Schulterpartie
eines sechseckigen Kruges mit breitem, geripptem
Bandhenkel. Die übrigen Krüge sind in der Regel
viereckig.
Verschiedene Fragmente von Glas-
gefäßen, deren Zuweisung zu einem bestimmten Typ
nicht mit Sicherheit gelingt (Taf. 13, 4—9. 18. 19;
Abb. 12, 2. 3). Vermutlich gehörten die Randstücke
Taf. 13, 4—6 zu Schälchen wie Cambodunumfor-
schungen 1953 I Abb. 9, 16. 17. 19. Randstücke wie
Taf. 13, 9 aus Aislingen und Abb. 12, 3 aus Burghöfe
aus grünlichem Glas fanden sich ähnlich in Kemp-
ten53. Zu den beiden Fragmenten Taf. 13, 18. 19 aus
Aislingen (vermutlich Standringe von Kelchgefäßen)
kenne ich keine Parallelen. Vielleicht sind sie mittel-
alterlich.
Zusammenfassung
Der Bestand an Gläsern ist in Aislingen reichhaltig.
Die ungünstigen Aufbewahrungsbedingungen der
Funde von Burghöfe brachten es mit sich, daß die
schon an und für sich spärlichen Glasscherben in
kleinste Splitter zerbrachen und nur in einigen Fällen
die ursprüngliche Form des Gefäßes einigermaßen
erschlossen werden konnte. Der Vergleich mit den
gleichzeitigen, gut publizierten Gläsern von Hofheim
und Camulodunum, auf die sich unsere Datierung

und Bestimmung im wesentlichen stützte, brachte,
wie zu erwarten, große Übereinstimmungen. Hier
wie dort machten die buntfarbenen Gläser nur einen
geringen Prozentsatz der Gesamtmasse aus. In Ais-
lingen konnten nur zwei Bruchstücke von mar-
morierten Rippenschalen nachgewiesen werden. Die
einfarbigen Rippenschalen hingegen gehörten zu
den gebräuchlichsten Gefäßen. Von den übrigen ein-
farbigen oder entfärbten Gläsern sind vor allem die
hohen, schlanken Becher mit Facettenschliff zu nen-
nen, deren Datierung ausschließlich in das 1. Jahr-
hundert als gesichert betrachtet werden darf. Nie-
drige Becher mit konischer Wand, flache fußlose Tel-
ler und Schälchen mit nach außen umgebogenem
Rand aus sehr dünnem geblasenem, fast entfärbtem
Glas waren die wichtigsten Formen der einfachen
Gebrauchsgläser. Durch ihr Vorkommen in den Tes-
siner und oberitalischen Gräberfeldern können auch
die Aislinger Gläser als italischer Import betrachtet
werden. Neben den aus dem Süden importierten Glä-
sern steht als einziges sicher gallisches Erzeugnis das
Bruchstück eines sog. gallischen Zirkusbechers aus
Burghöfe. Zuletzt sei noch vermerkt, daß sich unter
der verbrannten Keramik aus dem Geschirrdepot
von Burghöfe auch eine größere Menge zu kleinen
Klümpchen zusammengeschmolzenen Glases befand.
Daraus darf man schließen, daß in diesem Depot
neben der Keramik auch eine Reihe von Glasgefäßen
stand, deren Formen aber nicht mehr erkannt werden
konnten.
52 Hofheim 374.
53 Cambodunumforschungen 1953 I 78 Abb. 9, 3.

FUNDE AUS BRONZE

Fibeln
A. Spiralfibeln
Fibeln vom Mittellateneschema,
Almgren 1 (Taf. 14, 1—6). Unter den zahlreichen
Fibeln in frührömischen Kastellen fallen einige durch
ihren altertümlichen Charakter auf. Es handelt sich
um die einfachen, drahtförmigen Bronzefibeln vom
Mittellateneschema mit unterer Sehne, die in Ais-
lingen sechsmal vertreten sind (Taf. 14, 1—6). Unter
diesen Fibeln nimmt Taf. 14, 1 eine besondere Stel-
lung ein. Durch ihren flach gewölbten Bügel und
den in sanftem Bogen zurückgeschlagenen, von einem
kleinen profilierten Knoten unterbrochenen Fuß gibt

sich das Stück als Spätlatenefibel zu erkennen. Die
Form ist schon im Mittellatene bekannt, hier mit
unterer und oberer Sehne1. Mit oberer Sehne fand
sie sich häufig in der Nekropole von Giubiasco2. Die
übrigen fünf Drahtfibeln sind jünger. Ihnen liegt
eine andere Vorform zugrunde. Der hochgewölbte
Bügel, der straff zurückgeschlagene Fuß und die un-
tere Sehne sind Merkmale von Fibeln, die sich um
1 Beltz Variante F, Zeitschr. f. Ethn. 43, 1911, 684 f. Abb.
45. 46; Münsingen (Kt. Bern) Grab 166, Ber. RGK 32, 1942
Taf. 9, 8; Mokronog-Nassenfuß (Slowenien), Carinthiä 141
1951, 669 Abb. 15, 1-6.
2 Ullrich, Bellinzona a. a. O. Grab 143 und 244 Taf 56 17
19. 22; 65, 5.

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