Ulbert, Günter
Die römischen Donau-Kastelle Aislingen und Burghöfe — Limesforschungen, Band 1: Berlin, 1959

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kirchberg, Aislingen und Burghöfe herbeiführte, mit nicht unbedingt mit der Vernichtung des Geschirr-
den Unruhen nach Neros Tode in Verbindung zu depots gleichgesetzt zu werden, doch wird man diese
bringen, so braucht diese Zerstörung der Kastelle Möglichkeit nicht von der Hand weisen können.

GLAS

Mehrfarbiges Glas
Aus Aislingen stammen zwei Bruchstücke von
großen, gegossenen Rippenschalen aus gelb-
braun marmoriertem Glas (Taf. C 1). In
allen übrigen Donaukastellen ist Millefioriglas sonst
nicht bekannt. Auch in Hofheim1 gehört es zu den
Seltenheiten, in den älteren augusteisch-tiberischen
Fundplätzen hingegen erscheint es häufiger2. Für die
Datierung ist wichtig eine Rippenschale aus weißem,
braunem und blauem Glas eines reich ausgestatteten
Skelettgrabes aus dem Tessin, das sowohl nach Mün-
zen der römischen Republik und des Augustus als auch
nach den übrigen Beigaben an den Beginn des 1. Jahr-
hunderts n. Chr. gehört3. Nach den bisherigen Beob-
achtungen dürften die marmorierten Rippenschalen
kaum weit in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts
n. Chr. hineinreichen4.
Auf Taf. 13, 24—26 u. Taf. C2—4 sind Bruchstücke
von kugeligen, leicht gerippten Bechern aus einfarbi-
gem Glas mit eingeschmolzenen wei-
ßen Milchglasfäden abgebildet. Die Bruch-
stücke zeigen folgende Grundfarben: blaß violett,
kobaltblau, goldgelb und gelbbraun. Im auguste-
ischen Haltern fehlen diese Gläser, sind aber in Hof-
heim recht zahlreich5. Zu den im Camulodunum-
bericht aufgeführten Parallelen seien einige weitere
ergänzend hinzugefügt6. Der für die Datierung wich-
tige Auerberg lieferte einige Scherben aus braunem
und goldgelbem Glas7. Aus den Schichten I—III der
Grabung von 1953 in Kempten stammen ebenfalls
mehrere Bruchstücke dieser Becher8. Ein reich ausge-
stattetes Skelettgrab ausMuralto (Kt. Tessin) enthielt
unter anderem einen Becher aus blaßblauem Glas9.
Die übrigen Beigaben wie der Sigillatateller mit Auf-
lageverzierung und dem Fußsohlenstempel L GELLI
sowie das Simpulum der Form »Aislingen«10 datieren
das Grab in tiberische Zeit. Ein gleichfalls blauer
Becher stammt schließlich aus dem nicht gesicherten
Grab 18 von Giubiasco11. Die Datierung dieser Glä-
ser mit Milchglasfäden von der Zeit des Claudius bis
um 100, wie sie Fremersdorf vorschlägt12, ist wohl
etwas zu spät. Ihr Vorkommen auf dem Auerberg,
in der Schicht I von Kempten sowie in dem oben er-
wähnten Skelettgrab von Muralto legen eine Datie-

rung schon in die tiberische Zeit nahe. Taf. C 5 zeigt
das Bruchstück eines blauen Kannenhenkels in der-
selben Technik13.
Einfarbiges und entfärbtes Glas
Becher mit Facettenschliff (Taf. 13,
14. 15; 68, 1. 2). Aus Aislingen stammt ein fast ganz
erhaltener, hoher, konischer Becher aus dickem,
honigfarbenem, mattem Glas, dessen Wand in drei
Zonen gegliedert und mit eingeschliffenen Oval-
facetten verziert ist (Taf. 13,14). Das Unterteil eines
zweiten kleineren, ebenfalls schlanken Bechers in der
gleichen Technik ist ganz mit wabenartigen Facetten
verziert (Taf. 13, 15). Zwei gleichartige Becherfrag-
mente liegen aus Unterkirchberg vor (Taf. 68, 1. 2).
Auf provinzialrömischem Boden, wie auch im
freien Germanien sind eine ganze Anzahl dieser
Becher mit ihren dazugehörigen Varianten bekannt-
1 Hof heim 364, 1.
2 Auerberg: Beitr. z. Anthr. u. Urgesch. Bayerns 16, 1907
Taf. 21, 1. 3.; Cambodunumforschungen 1953 I Taf. 11, 16—22;
Bregenz: Landesmus. f. Vorarlberg, unveröffentl.; Hauser,
Vindonissa Taf. 60. 61; Haltern: Mitt. d. Altert. Korn. Westf.
2, 1901 Taf. 33, 1—6; Camulodunum 292 ff. Taf. 87, 1—19.
3 Simonett, Tessiner Gräberfelder 135 Abb. 116,27 Taf.9,4;
Lamboglia, Recensione 192.
4 Zur Datierung vgl. Camulodunum 292 ff.; Jahrb. d.
RGZM 2, 1955, 243 (Fremersdorf); Isings, Roman Glass 17ff.
5 Hofheim Typ 5. 368 Abb. 93, 5; Fremersdorf, Buntglas
Taf. 3, 4.
6 Camulodunum 294 f. Die hier gegebenen Literatur-
angaben müssen in folgendem Punkt berichtigt werden: Die
beiden Becher bei Kisa Abb. 217 und 218 stammen nicht aus
Köln, sondern der eine aus Gensingen (b. Bad Kreuznach) und
der andere aus Bonn. Sie sind identisch mit Lehner, Führer
d. d. Prov. Mus. Bonn (1924) Taf. 16, Abb. 1, 1. 3.
7 Beitr. z. Anthr. u. Urgesch. Bayerns 16, 1907, 75 f. Nr. 3
und 5.
8 Cambodunumforschungen 1953 I Taf. 11, 10—12.
9 Simonett, Tessiner Gräberfelder 78 ff. Abb. 62, 11 Taf.
10, 7.
10 Zum Simpulum vgl. Bayer. Vorgeschichtsbl. 20, 1954, 72
Liste N 7.
11 Ullrich, Bellinzona a. a. O. 543 Taf. 74, 1. Vgl. ferner
den Becher aus Tenero (Kt. Tessin): Crivelli, Atlante Abb. 226,
20. Weitere Lit. bei Isings, Roman Glass 35 ff. Vgl. auch die
neue Zusammenstellung in: Saalburg-Jahrb. 17, 1958, 76 ff.
(W. v. Pfeffer u. Th. E. Haevernick).
12 Jahrb. d. RGZM 2, 1955, 243; Fremersdorf, Buntglas
Taf. 20-23.
13 Fremersdorf, Buntglas Taf. 17.

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