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114 IH- Aequalitas. Das intermediäre Altarbild im Dialog mit dem gläubigen Betrachter
beiden Heiligen16* ist insofern von Interesse für die vorliegende Fragestellung, als sie zumindest
einen im ikonographischen Bereich angesiedelten Hinweis auf eine Medienreflexion enthält.
Nikodemus und Magdalena vereint der Umstand, daß ein taktiles Moment in ihrem Verhältnis
zu Christus eine entscheidende Rolle spielt: bei Magdalena ist es das Berühren (Salben) und das
Nicht-Berühren-Dürfen (Noli me tangere) des Körpers Christi, bei Nikodemus ist es die visu-
elle Zeugenschaft des Todes Christi und die Berührung seines toten Leibes, die zur Entstehung
des ersten plastischen Abbildes des Kruzifixus führte. In diesem Falle auf eine jenseits der Ver-
sprachlichung liegende Medienreflexion zu schließen, ist naheliegend, vor allem, da das Zen-
trum der Verehrung, das Kultbild des hl. Hieronymus, taktil erfahrbar war.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die intermediären Altarbilder mittels eines
medialen contrapposto die wirkungsästhetischen Forderungen nach prontezza erfüllten, den
tactus thematisierten und durch die Medienkombination der devotionalen Haltung und dem
Bedürfnis der taktilen Erfahrbarkeit heiliger Gegenstände entgegenkamen. Besonders das
plastische Bild rührte den Betrachter und weckte in ihm den Wunsch des Berührens.

l6J Diese Kombination läßt sich noch finden auf der
Bekrönung des Pesaro-Altares von Giovanni Bel-

lini (frühe 1470er Jahre), vgl. Humfrey 1985,
Anm. 15.
 
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