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V. Historismus zwischen Kunst und Kult.
Die Einbindung plastischer Kruzifixe

i. Die Rolle der Franziskaner
An vielen der exemplarisch untersuchten tavole ließ sich erkennen, welche bedeutsame Rolle
die Bettelorden bei der Verbreitung und Propagierung intermediärer Altarbilder einnahmen;
vor allem in den Kirchen der Dominikaner und der Augustiner entstand diese besondere Bild-
form.1 Diese auffällige Kumulation läßt die Hypothese glaubhaft erscheinen, daß innerhalb der
Mendikantenorden für eine gewisse Zeit die Orientierung an einer neuen Bildform propagiert
worden sein könnte.
Die Bildpolitik der Franziskaner und ihre Rolle bei der Ausbildung spezifischer Bildformen in
Mittelalter und früher Neuzeit ist eines der zentralen Felder der kunstgeschichtlichen Italien-
forschung, auf die hier nur verwiesen werden kann.2 Die Observanten erlebten im Quattro-
cento eine gewichtige Umkehrung ihrer Prinzipien, zuallererst durch das Wirken des hl. Bern-
hardin von Siena, der 1450 als erster Observant heiliggesprochen worden war. Bernhardin hatte
erfolgreich den Umbau eines weitgehend illiteraten Ordens in einen Orden betrieben, der das

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß
die Wurzeln der Augustinereremiten teilweise im
sienesischen contado liegen (Cannon 1994, S.43,
Anm. 6, mit weiterführender Literatur, vgl. auch
Nardi 2001), von deren Mutterkirche Sant’Agostino
in Siena die große Verbreitung der Mediensynthesen
ausgegangen zu sein scheint. Hier gibt es in der Zeit
zwischen 1400 bis 1490 viele Beispiele von interme-
diären tavole-. Beispiele sind die Altäre der Madonna

del Magnificat, der hl. Monika und des hl. Nikolaus
von Tolentino sowie die Tavola Bichi, vgl. Anhang
Kat. 94,95,96,97.
2 Dazu als einer der kunsthistorischen Gründungs-
väter Thode 1885; grundlegend Hans Belting, Die
Oberkirche von San Francesco in Assisi {1977) und
Dieter Blume, Wandmalerei als Ordenspropaganda
(1983) sowie Krüger 1992, vgl. auch Nova 1997,
S. 197- 198.
 
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