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Einleitung

Intermediäre Altarbilder haben bisher in der Forschung keinen angemessenen Platz beanspru-
chen dürfen. Die vorliegende Untersuchung setzt bei diesem Desiderat an,1 das vor allem auf
einen rezeptionsgeschichtlichen Mißerfolg aufgrund veränderter ästhetischer Paradigmen zu-
rückzuführen sein dürfte. Das Verhältnis der Bildmedien wird anhand dieser vernachlässigten
Bildform in der Zeit vor einer Gattungsnormierung und vor dem Paragone des 16. Jahrhunderts
befragt: Die spezifischen Kombinationsmöglichkeiten von Skulptur und Malerei im italieni-
schen Quattrocento werden auf ihre Funktion innerhalb des Prozesses der Gattungsausbildung
und die möglichen Konsequenzen für einen erweiterten Begriff vom frühneuzeitlichen religiö-
sen Bild2 hin untersucht. Das weitgehend der Lokal- und Künstlerforschung überlassene Feld,
die zwar Grundlagenarbeit geleistet, jedoch bisher die systematische Untersuchung im Sinne
der notwendigen kontextuellen Verortung, der wirkungsästhetischen und vornehmlich kunst-
theoretischen Befragung der Kunstwerke unterlassen hat,3 soll mit diesem Buch seine ihm ange-
messene Relevanz zurückerhalten.

Henk van Os hat darauf hingewiesen, daß auch
dreigeteilte Altarbilder oder Polyptychen mit ihren
eigenen spezifischen Entwicklungsmustern und An-
forderungen als demodiert oder provinziell abgeur-
teilt zu werden drohen (Os 1990, S. 23). Hierzu vgl.
auch die grundsätzlichen Überlegungen von Os
1990, der die Eindimensionalität zeigt, mit der die
kunstwissenschaftliche Forschung in der Folge von
Jacob Burckhardts »Kunstgeschichte nach Aufga-
ben« bislang häufig vorgegangen ist. Os 1990, S. 25,
schlägt stattdessen eine Untersuchungsform vor, die
den Paradigmen der Anforderungen durch die
Liturgie, den architektonischen Aufstellungskon-
text, den Auftraggeber und Ratgeber sowie der
Kreativität und Bestrebungen des Künstlers Rech-
nung trägt.

2 Der Begriff Bild wird hier im Sinne von imago
gebraucht und bezeichnet somit sowohl plastische
als auch gemalte Bilder. Dazu siehe Oliver Robert
Scholz in: Ästhetische Grundbegriffe 2000, Bd. 1, s.
v. Bild, S. 618 - 669, hier S. 620.
3 Eine Ausnahme bilden hier die Studien von Elvio
Lunghi, der systematisch die intermediären Kalvari-
enberge umbrischer Observanten untersucht hat,
vgl. Lunghi 1986; Lunghi 1994; Lunghi 2000 mit
weiteren Hinweisen auf ältere Literatur, allerdings
unter Vernachlässigung der historischen Semantik,
ebenso wie Seidel 1984, dem jedoch das Verdienst
zukommt, die Ikonographie und die bedeutenden
politischen Implikationen der Tavola Bichi geklärt
zu haben. Die Rekonstruktion und grundlegende
archivalische Aufarbeitung verschiedener Bildbei-
 
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