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auf clie Warenpreise erhöhend einzuwirken. Doch dieser Gegenstand
wird besser im Zusammenhang mit einer eingehenderen Besprechung
der Theorie abgehandelt, deren Betrachtung unser nächster Abschnitt
gewidmet ist.

V. Die Quantitätstheorie und ilire Gegner.

Da der Kauf und Verkauf einer Ware offenbar um so mehr
Geld erfordert, je höher ihr Preis ist, und da andererseits alles vor-
handene Geld, wenigstens so lange es die Geldform behält, nur da
ist, um früher oder später gegen Waren eingetauscht zu werden,
so lag es sehr nalie, in der Summe der in einer Volkswirtschaft
befindlichen Geldmittel oder vielmehr in deren Verhältnis zn den
umzusetzenden Warenmengen den Regulator der Warenpreise zu
erblicken. Die betreffende Lehre, welche gewöhnlich dem englischen
Philosophen Hume zugeschrieben wird, deren Anfänge aber bedeu-
tend weiter zuriickliegen, ja vielleicht schon bei den Alten zu finden
sind, x) bezeichnet in so fern einen entscliiedenen wissenschaftlichen
Fortschritt, als sie auf den teilweise rein formalen oder konventio-
nellen Charakter des Geldwertes — oder vielmehr der Geldfunktion
— aufmerksam machte, im Gegensatz zu der oben erwähnten, im
ganzen mit „merkantilistischen“ Ansichten zusammenhängenden Auf-
fassung, nach welcher das Geld einen mehr oder weniger unver-
änderlichen, in ihm selbst liegenden Wert besitze, der beim Tausch
mit dem Werte der iibrigen Güter einfach verglichen werde. (Die
Produktionskostentheorie des Geldes ist bekanntlich viel jüngeren
Datums).

Dass die Quantitätstheorie unter gegebenen Umständen
richtig sein kann und jedenfalls einen bedeutenden Grad Wahrheit
enthält, lässt sich m. E. nicht gut leugnen. Nur muss man sich die

1) Vgl. das vielfach angeführte Fragment des römischen Juristen Paulus
(L. 1, Dig. XVIII. 1) „Origo emendi vendendique“ etc., welches u. a. die Worte,
„eaque materia“ (das Geld) „forma publica percussa usum dominiumque non
tam ex substantia praebet quam ex quantitate“ enthält.

Ueber die nächsten Vorgänger Humes s. Marx a. a. O., S. 96,
A. 79 u. 80.
 
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