Wiegand, Theodor [Editor]
Palmyra - Ergebnisse der Expeditionen von 1902 und 1917 (Text) — Berlin, 1932

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VI. BEMERKUNGEN ZUM STADTPLAN

(Tafel 9 und Gesamtplan in Mappe)

Beim Zusammentragen des Planes sind benutzt worden:

i. eine Aufnahme von R. Otzen aus dem Jahre 1899 (Original im Archiv des Pergamon-Museum, Berlin),
2. für die allgemeine Orientierung und die Stadtmauer der Plan von A. Gabriel in der Zeitschrift Syria 1926. Die Beobach-
tungen des Verlaufs und Schlußes der Stadtmauer im Süden und Südwesten des großen Tempels verdanken wir Unter-
suchungen von Dipl-.Ing. A. Fiele aus dem Sommer 1928.
Teilaufnahmen:

a) des großen Tempelbezirks von Bruno Schulz aus dem Jahre 1902,

b) der Säulenstraßen, des Theaters, der Agora, des Fahnenheiligtums und Teilen der Stadtmauer von D. Krencker aus
dem Jahre 1902,

c) der Nekropolen von K. Wulzinger aus dem Jahre 1917.

Gezeichnet wurde der Stadtplan unter Leitung von D. Krencker von Dipl.-Ing. K. W. Rohe im Jahre 1929. Die eingetragenen
Geländekurven sind nicht gemessen. Es handelt sich demnach bei der Abrundung des Stadtplans immer noch um eine Skizze.
fj ist die schon bekannte Spur eines Walles, der aus Lehm und Sand und nach Untersuchungen, die Gabriel anstellen ließ,
mit Gipszusatz bestand1). Gabriel hat einzelne Schnitte durch den Wall hindurchlegen lassen. Steinkonstruktionen fand er
darin nicht. Man kann den Wall im Gelände auf der im Plan eingetragenen Strecke gut verfolgen, wenn die Bodenwelle auch
oft nur geringfügig erhalten ist. Vor dem Wall ist gelegentlich auch die Spur eines Grabens sichtbar. Die Annahme Gabriels,
dieser Wall zöge sich nach Westen den Burgberg hinauf, fand ich bei einem Spaziergang im Herbst 1928 nicht bestätigt.
Er schien mir bei dem Sattel aufzuhören über den man nördlich der Burg in ein anderes Tal kommt. Die weiteren Spuren
des Walles sind durch Wege verwischt.

Der Verlauf dieses Walles über die Berge im Westen hinweg als der diesbezügliche dortige Abschluß der Stadt ist von mir
nicht verfolgt worden. Was Gabriel auf seinem Plane mit HH bezeichnet ist kein Wall, sondern m. E. ein unregelmäßiger
Höhenzug, der durch Grabhügel und Schutthalden von Schatzgräbern gebildet wird. Dagegen verfolgte ich im Herbst 1928
die Frage nach dem östlichen Abschluß der Mauer JJ. Gabriel schwankt, ob man diesen und einen anderen im Süden ent-
sprechenden Wall bis zu den Salzseen der Wüste sich verlängert denken muß, oder ob auch im Osten ein Wall vo m Norden
nach Süden gehend, das Stadtgebiet abschloß. Letzteres scheint mir der Fall gewesen zu sein. Man kann an der auf dem Plan
gezeigten Stelle") das Ende des Nordwalles feststellen. Er biegt dort nach Süden um und kann in der neuen Flucht auf kurze
Entfernungen beobachtet werden, bis er sich völlig in den noch bebauten Feldern der Ebene verliert. Am Ende des Walles JJ
liegt ein kleines schmales trockenes Talbett, das sich auf kurze Strecke wie ein Graben der Wallspur vorlegt. Der Graben
wird dann ganz flach. Nach dem ersten Knick nach etwa 100 Schritt machte der Wall einen weiteren leichten Knick; man
kann die Spuren etwa noch 200 Schritt weiter verfolgen. Die letzten Spuren haben die Richtung auf die im Südosten des
Stadtgebietes liegende heutige Flugzeughalle.

Es hat seinen besonderen Grund, wenn die Spuren des Walles sich völlig in den Feldern verlieren, die dort im Osten der
Stadt in der flachen Ebene noch weithin beackert und zum Teil künstlich bewässert werden. Um das kostbare Wasser bei dem
geringen Gefälle des Bodens in wechselnden Kanälen über die Felder leiten zu können, muß jede Unebenheit des Bodens ver-
schwinden. Dadurch ist es bedingt und genügsam erklärt, daß solch ein Wall mit Graben mit der Zeit verschwinden muß.
Die Erdarbeiten, die die Fellachen dort machen, um ihre Felder noch bewässern zu können, sind zum Teil ganz bedeutend.
Man kann hohe Erdhaufen beobachten, die entstanden sind aus dem Abtragen von Bodenlagen, die für das Wasser zu hoch
waren. Im Südosten der Stadt liegt vor der antiken Stadtmauer ein festungsartiger, fast 50 m breiter, recht hoher Erdhügel, der
auf diese Weise aus dem Abraum von Erde und Stein aus den Feldern entstanden zu sein scheint.

Der Zug der Lehmmauer im Süden der Stadt KK ist auch noch sehr gut zu verfolgen3). Man wird mit Gabriel in den Lehm-
mauern JJ und KK, die auf weite Entfernung die Stadt umgeben, die alten Lehmmauern von Palmyra aus und vor der Zeit
der Königin Zenobia erblicken dürfen. Sie geben wohl die Grenze an, in der einst inmitten der Wüste das Stadtgebiet be-
wohnt, bepflanzt und bewässert werden konnte.

Dann wird man, wie bisher auch angenommen wurde, die erste Anlage der steinernen Stadtmauer der Zeit des Kaisers
Aurelian, die Verkleinerung der Stadt, vor allem im südlichen Teil westlich des großen Tempels, und den weiteren Ausbau
der Stadtmauer dem Kaiser Justinian zuschreiben dürfen.

') Syria 1926 S. 7, Anm. 1. Siehe dort auch den Schnitt, Abb. 1.

2) Eine genaue Vermessung konnte ich nicht vornehmen. 3) Vgl. die Ausführungen von A. Fick unten S. 40.
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