Wiegand, Theodor [Hrsg.]
Palmyra - Ergebnisse der Expeditionen von 1902 und 1917 (Text) — Berlin, 1932

Seite: 41
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Abb. 40. Die Regia der Scenae frons des Theaters mit der Mitteltür

VIII. DAS THEATER

(Tafel 1 l, 19-23)

Wenn wir von den Peristylien zu den bedeutenderen öffentlichen Gebäuden zurückkehren, die sichtlich mit dem Gesamt-
plane der reuen Stadt zusammenhängen, so zieht vor allen Dingen das in jeder Beziehung interessante Theater die Augen
auf sich. Wir haben es bei der Beschreibung der Stoenstraßen schon mehrmals erwähnen müssen. Bekapitulieren wir, was für
die Lage wesentlich ist, so steht es unmittelbar südlich vom Decumanus, und zwar unweit des Omphalos und der Agora, so daß
es einen bevorzugten Platz hatte und von ihm wie von dem Theater in Antiochia gesagt werden konnte: jtävxa h> fii'oij tij jtoXti
xa) ovx avayxatpvTai XQoXvjtrfBijvai tmv t/ötav rri ft?'txsi t//c tx avrä noytiae (Libanius p. 345). Während die Bück-
wand des Bühnengebäudes mit der Stoenwand des Decumanus identisch ist, ist uns der genaue Umfarg der Cavea unbe-
kannt geblieben, aber ihre äußere Stützmauer muß die Front einer Straße gebildet haben, die von Süden her etwa auf die
Axe des Theaters zulief, sich dann gabelte, dem Cavearund folgte und endlich in den Decumanus mündete; im Osten hatte
die runde Straße gegenüber dem Theater auch eine Stoa, im Westen jedoch war ein so breiter Damm erforderlich gewesen,
daß wenigstens gegen die Mündung hin die Stoa hatte wegfallen müssen. Der enge Zusammenhang des Theaterbaues mit
dem Straßennetz hatte sich auch darin kund getan, daß die Säulenstellung des Decumanus von Anfang an auf den Haupt-
eingang des Bühnengebäudes Bücksicht genommen hatte. Daher sind Theater und Decumanus zweifellos gleichzeitig und
das spricht sich auch in der Gleichartigkeit der Zierformen dieser beiden Bauten deutlich aus: auch das Theater ist unter oder
bald nach Hadrian errichtet worden und entspricht daher dem normalen Schema eines ausgebildeten römischen Theaters.
Auffallenderweise hat ein so ausgedehnter Bau unter den Buinen von Palmyra bisher nur wenig Aufmerksamkeit erregt,
obwohl die Säulen der östlichen Bundstraße und große Teile der Scaenae frons sichtbar waren. Wood hatte die Anlage gar
nicht verstanden und Cassas die Bühnenwand zu einer Botunde ergänzt; erst von Bertone und B. Otzen stammt die richtige
Benennung der angeblich „Dur adle" genannten Buine. In der Tat ist die Verschüttung der Cavea durch reinen Flugsand, wie
der Querschnitt (Tafel 20) zeigt, sehr groß. Aber das allein erklärt ihr Verschwinden noch nicht ganz. Sie muß im Mittelalter,
falls man nicht annehmen will, daß sie niemals fertig geworden sei, und dazu liegt kein Grund vor, systematisch abgetragen worden
sein und deshalb so wenig Beste hinterlassen haben. Über dem Erdboden ist nichts von ihr zu sehen; hier dehnt sich ein
ebenes Sandfeld ohne irgendwelche charakteristische Trümmer aus, und im Westen haben wir vergeblich tief hinunter ge-
graben, um Beste der äußeren Umfassungsmauer oder der Sitzstufen zu finden. Bei einer Schürfung in der Mittelaxe des
Theaters kamen jedoch dicht unter der Oberfläche wenigstens in einem schmalen Graben die untersten Sitze bis zum Orche-
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