Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 30.1936

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DIE ÄSTHETIK IN DEN NORDISCHEN LÄNDERN

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der Hauptbegriff zu sein. Er erklärt ausdrücklich: „Erst der Symbol-
begriff löst das Problem der Ästhetik" (S. 122). Das ist entschieden zu
viel gesagt. Trotz dieser Übertreibung und trotz manchen anderen Ver-
irrungen enthält dieses Kapitel über die künstlerischen Symbole wie auch
die übrigen Kapitel des Buches viel Richtiges und Beachtenswertes. Doch
bleibt die positive Ausbeute, welche das Buch zur Klärung der ästheti-
schen Probleme liefert, relativ gering, viel geringer, als man es eigentlich
von dem Buch eines offenbar so scharfsinnigen und kenntnisreichen
Mannes erwarten dürfte. Dies beruht, scheint mir, darauf, daß die
Grundauffassung, von der aus Landqvist ästhetische Probleme anzu-
packen und zu erklären sucht, schief ist. Wie schon der Titel des Buches
andeutet und wie es in dem Buche selbst wiederholt und nachdrücklich
betont wird, besteht die Aufgabe der Kunst nach der Meinung Land-
qvists darin, uns wahre Erkenntnis vom Leben und von seinen Er-
scheinungen zu geben. „Die Kunst hat keinen anderen Zweck als den,
uns wahre Erkenntnis vom Leben in der Form des Symbols mitzuteilen",
heißt es an einer Stelle (S. 134). Demgemäß haben auch die poetischen
Bilder, ebenso wie alle übrigen Wirkungsmittel der Poesie, denselben
Zweck, nämlich unsere Erkenntnis zu erweitern, zu bereichern und zu
vertiefen (S. 109 f.). Diese rationalistische Kunstauffassung, welche letz-
ten Endes darauf hinausläuft, die Kunst und die Wissenschaft, das
ästhetische und das theoretische Verhalten miteinander zu identifizieren
oder wenigstens die Eigenart der beiden zu verwischen und zu ver-
nichten ist falsch, wie schon in einem früheren Zusammenhang festge-
stellt worden ist40). Von einer so falschen Auffassung aus ist es nicht
möglich, auch mit dem größten Aufwand von Scharfsinn, Einsicht in
das wahre Wesen der Kunst und des ästhetischen Verhaltens zu ge-
winnen und andere ästhetische Probleme in befriedigender Weise zu
lösen. (Schluß folgt)

40) Vgl. S. 244—5.
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