Fliegende Blätter — 40.1864 (Nr. 965-990)

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Die Weissagung der Zigeunerin.

Ein warmer klarer Sommertag breitete den tiefblauen
Himmel aus über Berg und Thal, über Wald imb Flur,
und die Sonne schaute aus wolkenloser Höhe hernieder in
die Thäler des Schwarzwaldcs, der damals noch über andert-
halb Jahrhunderte jünger war als heute. Es war ein Som-
mertag des Jahres 1699. Wer zu jener Zeit, an den Ufern
der Briegach hinaufwandcrnd, eingebogen wäre in eines der
Thäler, ans dein mit frischem munterem Rauschen, schäumend
und springend über die Klippen nnd Steine seines felsigen
Bettes ein klarer Gebirgsbach der Briegach zneilte, der hätte
stundenlang am rauschenden Bache in tiefer stiller Waldes-
einsamkcit zwischen hohen mit dunklem Tannenwald bedeckten
Bergen hingehen mögen, ohne eine Menschcnsccle zu gewah-
ren. Ringsum nichts als das freie stille Walten und Schal-
ten der Natur, das lustige Rauschen des Baches, in des
Waldes Tiefen Vögelruf und Gesang; hin und wieder Hoch-

wild mit scheuem und doch neugierigem Auge zwischen den
silbergranen Stämmen von ferne herüber schauend, — aber kein
Mensch weit und breit und keine Spur menschlicher Thätig-
keit. Nur die Straße, die am Bachesufer hinführte, ein
schmaler Durchhau durch den hohen Tannenwald, dessen mit
Stcingerölle bedeckten Boden ein dichtes Geflecht knorriger
Wurzeln noch unebener machte, deutete mit den hie und da
sichtbaren Spuren von Radglciscn an, daß hin nnd wieder
menschlicher Verkehr das einsame Thal durchzog, und ließ
tiefer in den Bergen menschliche Niederlassungen vermuthen.

Und wirklich würde dem Wanderer nach langem ein-
samen Wege,, auf dem ihn fort und fort das muntere Plau-
dern des Gebirgsbaches begleitet, ein seltsames Geräusch
entgegenklingen, das er, wie es nach nnd nach deutlicher an
sein Ohr schlägt, als das Klappern einer Mühle erkennt,-
vermengt mit den: taktmäßigen scharfen Tone einer arbei-
tenden Säge. Und dann, nach einer Biegung des Thaleö,
liegt vor seinem Blick du freundliches Bild. Rings um-
kränzt von dunklem Walde der steilen Bergwände breiten sich
im Thalgrunde und hie und da den Bergabhang hinauf frische
Matten aus, in deren Grün eine Anzahl wettergrauer Hütten
sich angefiedelt. Drüben, neben dem stattlichsten jener Häu-
ser, ist die Sägemühle erbaut, riesige Stämme liegen vor ihr
aufgefchichtet und Berge von Sägespähnen hier gelblich, dort
schon grau und verwittert, thürmen sich auf.

Wer an jenem Tage sich der kleinen Niederlassung ge-
nähert hätte, die hier in meilenweiter Einsamkeit im Wald-
thale sich anferbaut, den hätte ein gar fröhliches heiteres
Treiben begrüßt.. Vor dem Haufe des Brettmüllers treibt
sich eine Anzahl festlich gekleideter Leute umher, hier ruhen
Einige auf den Bänken unter dem Vordachc, Andere lehnen
am Gartcnzaun in behaglichem Plaudern. Es ist Kindtauffcst
Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Die Weissagung der Zigeunerin"
Künstler/Urheber: Heil, Friedrich Michael 
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Reiter <Motiv> 
Bergung 
Auswanderer 
Arbeiter <Motiv> 
Dorf <Motiv> 
Toter <Motiv> 
Kuh <Motiv> 
Geste <Motiv> 
Karikatur 
Kind <Motiv> 
Mutter <Motiv> 
Feld <Motiv> 
Helfer <Motiv> 
Satirische Zeitschrift 
Trauer <Motiv> 
Schlagwort Liste: Amerika
Deutsche
Herstellungsort: München 
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 40.1864, Nr. 965, S. 1
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
Copyright: Universitätsbibliothek Heidelberg Die Nutzung dieses Werkes ist gemäß den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz CC-BY-SA erlaubt (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen).
Bild-ID HeidIcon: 144608
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