Fliegende Blätter — 40.1864 (Nr. 965-990)

Page: 113
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fb40/0117
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
HK Bestellungen werden in allen Buch- und Äuitfi= _T Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions-

' Handlungen, sowie von allen Postämtern und W ro’ ff y ff. preis für den Band von 26 Nummern 3 fl. 54 kr.

Aeitungserpcditionen angenommen. od. 2Rthlr. 5Sgr. Einzelne Nummern kosten 9 kr. od.2'/zSgr.

Ein ästhetischer Gerichtshof.

I.

Was andere Ehemänner mit Entzücken erfüllt: Die
O bmt eures ersten Söhnchens - das schien auf den jungen
Grafen Haidebusch gerade die entgegengesetzte Wirkung zu
haben. Seine Mutter fand ihn in mclancholisches Grübeln
versenkt.

„Heda!" rief ihm die joviale Frau zu; „ist das die
Laune cincö neugebackncn Vaters?"

„Ach Gott!" seufzte er; „cs ist schrecklich, in solcher
Ungewißheit zu schweben."

„In welcher, mein lieber Alfred?" fragte sie voll
mütterlicher Theilnahme.

„Nun, nicht zu wissen, wie man heißt, und wer und
was man eigentlich ist, selbst dann noch nicht, wenn man
schon einen Sohn und Erben hat."

„Ei, das wäre!" rief die Mutter lächelnd. „Ich habe
immer geglaubt, Du seist der GrafHaidebusch aus Haidebusch."

„Oder auch nur so schlichtwcg Herr Haidebusch auf
Gibtesnicht, ohne Titel, ohne Rang und Vermögen," lachte
der Sohn mit dem Galgenhumor der Verzweiflung.

„Ach, was? Grillen, die Du heute, an diesem glück-
lichen Tage, am wenigsten hegen solltest!"

„Gerade heute, liebe Mutter, muß ich die ganze Schwere
meines Schicksals doppelt empfinden."

„Deines namenlosen Schicksals!" ergänzte die Mutter,
indem sie zu scherzen versuchte.

„Ich begreife Dich nicht, wie Du noch scherzen magst,
Mutter," entgegnete er vorwurfsvoll. „Bin ich nicht ein
neuer Kaöpar Hauser? Obwohl einige zwanzig Jahre alt,
weiß ich doch noch nicht, was ich eigentlich bin."

„Nun, glücklicher Gatte und Vater!"

„Das gerade macht mich unglücklicher, als Kaspar
Hauser es war. Der ist wenigstens so klug gewesen, ledig
zu bleiben. Er hatte nicht Weib und Kind, die von ihm
mit Recht einen ererbten Namen, der schwarz auf weiß im
Kirchenbuche steht, verlangen konnten. Aber ich, ein Vater!
Mir ist, als klage mich dieser unschuldige Wurm mit jedem
Blicke an, daß ich ihm einen Vater gegeben, von dem er
nicht einmal das erste und natürlichste Erbe erhalten kann,
das doch jeder Bettler seinem Kinde gewährt: einen

15

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein ästhetischer Gerichtshof"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Vaterschaft
Nachdenklichkeit
Identität
Graf
Karikatur
Mutter <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)
Aufmunterung

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 40.1864, Nr. 979, S. 113
loading ...